Auch in der Schweiz deutet sich ein Generationenwechsel an. Eine Vielzahl an Arbeitskräften wird in den nächsten Jahren den Ruhestand antreten. Nachwuchs wird fehlen. Wie sprachen mit Geschäftsführer Jörg Oskar Maier darüber, wie der Spanntechnikhersteller Gressel AG in Aadorf sich für die Zukunft rüstet.
Automatisiert in die Zukunft: Be- und Entladen beispielsweise mit dem System R-C2 trägt dazu bei, trotz mangelnder Arbeitskräfte wettbewerbsfähig zu produzieren.
(Bild: Gressel AG)
SMM: Herr Maier, neben zahlreichen wirtschaftspolitischen Bedingungen stellt derzeit vor allem der Mangel an Arbeits- und Führungskräften besondere Forderungen an produzierende Unternehmen. In welchem Umfang sind Sie in Ihrem Unternehmen von fehlenden Arbeitskräften betroffen?
Jörg Oskar Maier: Wir sind in unserem Unternehmen in gewissem Umfang von einem Mangel an Arbeitskräften betroffen. Insbesondere für spezialisierte Positionen gestaltet sich die Rekrutierung herausfordernd.
Welche Schwerpunkte gibt es nach Ihren Erfahrungen beim Mangel an Arbeitskräften? Welche beruflichen Ausbildungen und Arbeitsbereiche sehen Sie besonders betroffen?
J. O. Maier: Die Schwerpunkte beim Mangel an Arbeitskräften liegen in technischen Berufen, insbesondere im Bereich Produktion, wo qualifizierte Fachkräfte nötig sind.
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Wie bereiten Sie Ihr Unternehmen strategisch auf die Situation mangelnder Arbeitskräfte vor?
J. O. Maier: An oberster Stelle steht die Ausbildung von Lernenden. Wir schauen, dass wir hier auf eine Quote von 10 Prozent kommen. Im Idealfall generieren wir damit unsere Nachwuchskräfte. Des Weiteren bilden wir Fachkräfte im Betrieb selbst aus und fördern junge Talente, indem wir in die Aus- und Weiterbildung investieren. Zur Mitarbeitergewinnung wurden hauptsächlich im Online-Bereich Marketing und Social Media intensiviert, ergänzt wird dies durch Partnerschaften mit Bildungseinrichtungen und die aktive Mitgestaltung bei Berufswahl-Anlässen.
Welche Investitionen sind Ihrer Meinung nach wichtig, um trotz weniger Personal künftig wettbewerbsfähig in der Schweiz produzieren zu können?
J. O. Maier: Die Gressel AG hat sehr früh entschieden, auf modernste Automationssysteme zu setzen. Von unseren 25 CNC-Werkzeugmaschinen sind 23 Maschinen mit Robotern oder einer anderen Art der automatisierten Be- und Entladung ausgerüstet. Dies ermöglicht uns eine menschenlose Produktion über einen Zeitraum von bis zu 20 Stunden. So können wir Produktivitätssteigerungen erzielen und unsere Effizienz verbessern, um in der Schweiz wettbewerbsfähig zu produzieren.
Wie können Unternehmen agieren, um auch mit weniger Personal wachsen zu können?
J. O. Maier: Unternehmen können mit weniger Personal wachsen, indem sie verstärkt auf Prozessoptimierung, Automatisierung und Digitalisierung setzen. Durch die effiziente Nutzung von Ressourcen und die Maximierung der Mitarbeiterproduktivität können wir trotz begrenzter personeller Ressourcen unser Geschäft ausbauen.
Welche Bedeutung haben für Sie Aus- und Weiterbildung, um für Ihr Unternehmen Fachkräfte mit geeigneten Qualifikationen und in ausreichender Anzahl zu bekommen?
J. O. Maier: Praxisbezogene Aus- und Weiterbildungen haben für uns eine hohe Bedeutung. Stark auf Theorie fokussierte Ausbildungen bringen uns nicht entscheidend weiter. Ich bin auch der Meinung, dass wir im Bereich der Berufslehren einen zu starken Fokus auf Theorie legen. Zum Beispiel die Lehre zum Polymechaniker; die mathematischen Anforderungen sind extrem hoch, damit verlieren wir handwerklich gute Fachleute.
Herr Maier, welche Qualifikationen werden nach Ihrer Einschätzung künftig wichtiger werden, damit Produktionsunternehmen weiterhin wirtschaftlich arbeiten können?
J. O. Maier: Wir sind der Meinung, dass Qualifikationen im Bereich der Digitalisierung, Datenanalyse, Robotik und künstlichen Intelligenz künftig immer wichtiger werden, um wirtschaftlich arbeiten zu können. Ein Verständnis für neue Technologien und deren Anwendung wird zunehmend entscheidend sein.
Was werden Arbeitgeber bieten müssen, damit sie für Fachkräfte attraktiv sind und qualifiziertes Personal in ausreichender Anzahl an sich binden können?
J. O. Maier: Arbeitgeber müssen attraktive Arbeitsbedingungen bieten, die über eine angemessene Vergütung hinausgehen. Dazu gehören flexible Arbeitszeiten, Möglichkeiten zur Weiterbildung und beruflichen Entwicklung, eine positive Unternehmenskultur sowie eine ausgewogene Work-Life-Balance. Diese Trends beginnen schon bei der Rekrutierung. Vor 10 Jahren hat das Unternehmen den Bewerbern Fragen gestellt, heute muss sich das Unternehmen top präsentieren und die Fragen von den Bewerbern beantworten.
Noch eine Frage, die über Ihr Unternehmen hinausgeht: Welche Forderungen haben Sie an das politische Umfeld hinsichtlich flankierender Massnahmen zum Aus- und Weiterbilden geeigneter Fachkräfte?
J. O. Maier: Wir fordern von dem politischen Umfeld hauptsächlich Massnahmen in drei Bereichen:
1. Bedingungen schaffen, damit in unserer Branche auch weiblichen Mitarbeitenden attraktive Arbeitsbedingungen geboten werden können.
2. Steuerliche Anreize für Unternehmen, die in die Ausbildung investieren.
3. Förderung von Partnerschaften zwischen Unternehmen und Bildungseinrichtungen.
Herr Maier, vielen Dank für das Interview.
(ID:50023661)
Stand vom 30.10.2020
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