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Zeitreise in die erste industrielle Revolution Once Upon A Time – Cable Cars in San Francisco

| Autor: Sergio Caré

Wir machen eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert. Zurück zu den Anfängen der industriellen Revolution. In eine Zeit, wo Ärzte fürchteten, dass die Eisenbahn zu Hirnläsionen führen könnte und «Cable Cars» Fackelträger der industriellen Revolution waren.

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Wir machen eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert. Zurück zu den Anfängen der industriellen Revolution. In eine Zeit wo Ärzte fürchteten, dass die die Eisenbahn zu Hirnläsionen führen könnte und Cable Cars Fackelträger der industriellen Revolution waren.
Wir machen eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert. Zurück zu den Anfängen der industriellen Revolution. In eine Zeit wo Ärzte fürchteten, dass die die Eisenbahn zu Hirnläsionen führen könnte und Cable Cars Fackelträger der industriellen Revolution waren.
(Bild: Sergio Caré)

Wir machen eine Zeitreise ins 19. Jahrhundert. Zurück zu den Anfängen der industriellen Revolution, als der Westen wild war und Ärzte fürchteten, dass schnelle Fahrten mit der Eisenbahn zu Gehirnläsionen führen könnten. Ein Zeitzeuge jener Epoche kündigt sich in San Francisco durch lautes Klopfen und Klacken des Zugseiles an, lange bevor man ihn sieht. In der Mitte liegen die Schienen der Powell-Mason-Linie, zwischen dem Union Square und Fisherman's Wharf. Dazwischen eine Rille, in der das Antriebsseil auf gut gefetteten, drehenden Rollen liegt. Die Rede ist vom «Cable Car». Die Kabelbahn ist bei Touristen äusserst beliebt – trotz der sieben Dollar für eine 20-minütige Fahrt. Während Standseilbahnen oder Bergbahnen fest mit dem Seil verbunden sind, können die «Cable Cars» vom Zugseil entkoppelt werden. Die Technik, über laufende Zugseile Transportwagen fortzubewegen, wurde bereits in den Goldminen Kaliforniens eingesetzt. Es war aber Andrew Smith Hallidie, der 1873 das erste funktionsfähige Kabelbahnsystem in einer Stadt baute. Er gilt als Vater der Idee. Ab 1877 wurden die Kabelwagen mit Dampfmaschinen betrieben. Mit den «Cable Cars» wurde der schwierige und gefährliche Lasttransport auf den steilen Strassen von San Francisco gewährleistet. Immer wieder rutschten vierspannige Pferdekutschen rückwärts die Strassen runter. Die erheblich sicheren «Cable Cars» ermöglichten, unzugängliche und hochgelegene Gegenden wie Nob Hill mühelos zu erreichen. Die Kabelbahn prägte so die städtebauliche Entwicklung von San Francisco massgebend.

Retrofit? Fehlanzeige

Um in ein «Cable Car» einzusteigen, winkt man dem Fahrzeugführer vorne von weitem zu. Die Besatzung jedes Kabelwagens besteht aus zwei Bediensteten. Der Gripman vorne im offenen Teil des Wagens bedient die Steuerhebel. Er ist der Fahrzeugführer. Die zweite Person ist der Bremser. Er bedient die Radbremse am hinteren Drehgestell mittels einer Kurbel am Wagenende. Der Bremser amtiert gleichzeitig noch als Schaffner. Der Gripman bedient neben der Klaue, die er mit Gefühl für die Fortbewegung öffnet und schliesst, einen weiteren Hebel für die Schienenbremse. Wer einen Sitz im vorderen Wagen ergattert, nimmt auf einer harten Holzbank Platz. Jeder Rank und jede Furche in der Schiene wird durch den Sitz direkt an die Bandscheiben wiedergegeben. Es rumpelt und quietscht. Aber das Open-Air-Feeling mit wehendem Haar im Fahrtwind ist unschlagbar. Wobei das bei einer maximalen Geschwindigkeit von 15,3 km/h vielleicht zu dick aufgetragen ist. Aber «hey!», dieses Vehikel ist über 100 Jahre alt. Mit einem Fahrrad auf den berühmten steilen Strassen von San Francisco schneller unterwegs zu sein? Das schafft nur ein gedopter Lance Armstrong in seinen besten Zeiten.

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Im Ruhezustand läuft das Antriebsseil unterhalb der Spannklaue. Zum Anfahren muss der Fahrer das Seil anheben, so dass es zwischen der Klaue zu liegen kommt. Einmal drin, geht die Fahrt los. Solche Stellen finden sich häufig am Anfang eines Anstiegs. Dort sind auch die offiziellen Haltestellen, um zu- oder auszusteigen. Angetrieben werden alle vier Linien der Strassenbahn vom Maschinenhaus. Es befindet sich an der Kreuzung der Mason Street mit der Washington Street und dient gleichzeitig als Museum – für Industrienostalgiker ein Muss. Im Gebäude kann man die vier Motoren, die sich im Erdgeschoss befinden, beobachten. Jeder der vier Motoren leistet 380 Kilowatt. Retrofit? Fehlanzeige.

Klingelkommunikation

Gripman und Bremser verständigen sich während der Fahrt über zwei Glocken. Der Gripman betätigt die grössere über dem Führerstand mittels eines daran befestigten Seiles. Die Glocke des Bremsers befindet sich vor dem Fahrzeugführer und wird über einen Seilzug von hinten betätigt. Will der Fahrzeugführer anfahren, läutet er zweimal. Der Bremser hinten wird darauf die Bremse lösen. Mit einem weiteren «DingDing» zuckeln die Wagen in einem gemächlichen Tempo los. Die Strassen von San Francisco mit seinen niedrigen und schmucken Häusern und engen Gassen ziehen vorbei. Der Gripman kündigt die Endstation an und die Zeitreise zu den Anfängen der Industrialisierung endet, wie sie begonnen hat: mit dem Klopfen und Klacken des Zugseiles. -sc-

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Über den Autor

 Sergio Caré

Sergio Caré

Redakteur Wirtschaft und Logistik, Redaktion SMM