Werkzeughersteller fordern bessere und sicherere Hartmetallversorgung Wolfram wird zum Engpass in der Zerspanung

Quelle: Pressemitteilung 2 min Lesedauer

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Am 08. Mai trafen sich die wichtigsten europäischen Werkzeughersteller in Graz (A) zur ECTA-Konferenz (European Cutting Tools Association). Eines der beherrschenden Kernthemen war die zunehmende Teuerung von Wolfram und seinen vorgelagerten Rohstoffen.

Fast 150 Teilnehmer nahmen an der ECTA-Konferenz 2026 in Graz teil. Sie diskutierten die zukünftige Versorgung von Wolfram-Rohstoffen, die für die Werkzeugherstellung essenziell sind.(Bild:  Matthias Böhm)
Fast 150 Teilnehmer nahmen an der ECTA-Konferenz 2026 in Graz teil. Sie diskutierten die zukünftige Versorgung von Wolfram-Rohstoffen, die für die Werkzeugherstellung essenziell sind.
(Bild: Matthias Böhm)

Wolfram ist ein wesentlicher Bestandteil (über 90 Prozent) von Hartmetallwerkzeugen, die in der Zerspanung genutzt werden. Die Sicherung der Wolframversorgung ist zu einer zentralen Herausforderung für die europäische Metallbearbeitungsindustrie geworden. «Recycling ist heute entscheidend: Die Rückführung von Hartmetall in den europäischen Kreislauf ist ein zentraler Hebel für Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit», erklärte ECTA-Präsident Federico Costa.

China kontrolliert 80 Prozent der Wolframförderung

China kontrolliert mehr als 80 Prozent der weltweiten Wolframförderung und -aufbereitung und setzt Exportbeschränkungen zunehmend als industriepolitisches Instrument ein.

Die europäische Industrie steht damit nicht nur unter massivem Kostendruck, sondern sieht sich zunehmend mit Unsicherheiten bei der Verfügbarkeit dieses kritischen Rohstoffs konfrontiert.

Zur Stärkung der europäischen Resilienz fordert die ECTA ein abgestimmtes Vorgehen von Industrie und Politik. Unternehmen entlang der gesamten Wertschöpfungskette müssen sicherstellen, dass wolframhaltiger Werkzeugschrott konsequent in europäische Recyclingkreisläufe zurückgeführt werden, um diesen strategischen Rohstoff im europäischen Wirtschaftsraum zu halten.

Gleichzeitig müssen Investitionen in Recycling- und Aufbereitungskapazitäten ausgeweitet werden, um zusätzliche Nachfrage zu bedienen und die verfügbaren Kapazitäten zu erhöhen.

Recyclingsysteme unter wachsendem Druck

Rund 50 Prozent des in Europa eingesetzten Hartmetalls stammen bereits aus Recyclingprozessen. Dennoch geraten die bestehenden Systeme zunehmend an ihre Grenzen: Die europäischen Aufbereitungskapazitäten sind nahezu ausgeschöpft, während die Nachfrage nach Hartmetallschrott weltweit weiter steigt. Selbst eine leistungsfähige Kreislaufwirtschaft kann den Bedarf Europas daher nicht vollständig decken.

Ergänzend sind weitere Massnahmen erforderlich, darunter der Ausbau zusätzlicher primärer Wolframquellen, um Abhängigkeiten zu reduzieren und die Versorgung breiter aufzustellen.

Rahmenbedingungen notwendig

Dies muss durch wettbewerbsfähige Energiepreise sowie durch weniger komplexe und europaweit einheitlich ausgestaltete regulatorische Rahmenbedingungen ergänzt werden. Nur so lassen sich Investitionen fördern und effiziente Recyclingprozesse im industriellen Massstab ermöglichen.

Derzeit begrenzen komplexe Vorgaben und uneinheitliche Auslegungen in der Praxis die Nutzung vorhandener Recyclingpotenziale – etwa bei Genehmigungen, Einstufung und Weiterverarbeitung. «So ist es beispielsweise nicht gerechtfertigt, hochwertigen Hartmetallschrott gleich zu behandeln wie öl- und kühlmittelbelastete Schlämme», betonte Costa. «Diese Stoffströme unterscheiden sich deutlich in ihren Eigenschaften und Risikoprofilen und erfordern eine differenzierte Behandlung.»

Während belastete Schlämme spezifische Anforderungen zum Schutz von Umwelt und Gesundheit erfordern, stellt Hartmetallschrott einen wertvollen Rohstoff dar, der sicher und effizient in den industriellen Kreislauf zurückgeführt werden kann.

Verantwortung von Industrie und Politik

Es braucht gezieltes Handeln, um zu verhindern, dass überkomplexe Regelungen vorhandene Recyclingpotenziale ungenutzt lassen – während weiterhin erhebliche Mengen an Hartmetallschrott Europa verlassen und die Versorgung zusätzlich unter Druck gerät. Die Sicherung der Wolframversorgung ist daher eine gemeinsame Aufgabe von Industrie und politischen Entscheidungsträgern.

(böh)

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