Das Europäische Patentamt (EPA) verzeichnete 2023 mit 199 275 Patentanmeldungen einen neuen Höchststand. Die Schweiz belegt mit 9 410 Anmeldungen den siebten Platz im weltweiten Vergleich sowie den dritten Platz innerhalb Europas und steht mit den meisten Patentanmeldungen pro Einwohner erneut an der Spitze des Länderrankings.
(Bild: Tierney - stock.adobe.com)
Der heute veröffentlichte Patent Index 2023 weist einen neuen Höchstwert aus: Beim Europäischen Patentamt (EPA) wurden im vergangenen Jahr insgesamt 199 275 Patentanmeldungen eingereicht. Das entspricht abermals einem klaren Anstieg um +2,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der positive Trend aus den Jahren 2022 (+2,6 Prozent) und 2021 (+4,7 Prozent) hat sich damit fortgesetzt. Patentanmeldungen stehen als wichtiger Frühindikator für die Investitionen der Unternehmen in Forschung und Entwicklung. Zugleich unterstützen sie die Vermarktung von Erfindungen.
Mit 9 410 Patentanmeldungen haben Erfinderinnen und Erfinder sowie Unternehmen aus der Schweiz 2023 (+2,7 Prozent im Vorjahresvergleich) ihr Rekordergebnis von 2022 nochmals übertroffen. Verglichen mit dem europäischen Durchschnittswachstum (+1,8 Prozent) verzeichnete das EPA für die Schweiz im letzten Jahr somit eine überdurchschnittliche Zunahme. Mit Blick auf die Gesamtzahl der 2023 eingereichten europäischen Patentanmeldungen belegt die Schweiz den siebten Platz weltweit und den dritten Rang in Europa.
«Unser aktueller Patent Index zeigt, dass die Erfindungstätigkeit auch im Jahr 2023 weltweit hoch geblieben ist», sagt EPA-Präsident António Campinos. «Das EPA wurde mit der Prüfung von mehr Patentanmeldungen als je zuvor beauftragt. Das unterstreicht sowohl die Attraktivität des europäischen Technologiemarktes als auch die hohe Qualität unserer Produkte und Dienstleistungen. Kleine und mittlere Unternehmen in Europa nutzen immer häufiger Patente. Ihr Anteil an den Anmeldungen erreichte im vergangenen Jahr den bisher höchsten Stand. Diese Unternehmen können nun auch von dem neugeschaffenen Einheitspatent profitieren. Es hat die Rahmenbedingungen für Innovation in Europa erheblich verbessert. Erfinderinnen und Erfindern bietet es eine einfachere und kostengünstigere Möglichkeit, ihre Erfindungen zu schützen und sie auf dem grossen EU-Markt einzuführen.»
Schweiz weist erneut höchste Innovationsdichte auf
Auch 2023 war die Eidgenossenschaft im Patent Index mit 1 085 Anmeldungen pro Million Einwohner das Land beim EPA mit der höchsten Zahl an Patentanmeldungen pro Kopf. Damit liegt sie erneut weit vor allen anderen Ländern und verzeichnete etwa mehr als doppelt so viele Patentanmeldungen pro Kopf wie das zweitplatzierte Schweden (495 Einreichungen pro Million Einwohner). Dieser Wert gilt als wesentlicher Indikator für die Innovationsstärke eines Landes.
Erfinderinnen im Fokus
Der neue Patentindex weist erstmals auch auf den Innovationsbeitrag von Frauen. 2023 kamen von allen Schweizer Patentanmeldungen beim EPA 29 Prozent mit der Nennung von mindestens einer Erfinderin. Dies liegt über dem Durchschnitt der 39 Mitgliedstaaten (27 Prozent), aber deutlich unter den Werten Spaniens (46 Prozent), Frankreichs (33 Prozent) und Belgiens (32 Prozent), den drei hier führenden europäischen Ländern (mit mehr als 2 000 Patentanmeldungen pro Jahr).
Die Daten machen deutlich, dass mehr Frauen gefördert werden sollen, um das volle Potenzial der Erfinderinnen auszuschöpfen.
Medizintechnik anmeldestärkster Bereich – den höchsten Anstieg verzeichnete das Transportwesen
Das führende Technologiefeld für Patentanmeldungen aus der Schweiz war erneut Medizintechnik mit 1 010 Anmeldungen. Europaweit belegt die Schweiz damit den zweiten Platz in diesem Sektor – hinter Deutschland – und liegt weltweit auf Platz drei.
Auf dem zweiten Rang im nationalen Ranking liegen die Konsumgüter (+11,9 Prozent zum Vorjahr 2022), gefolgt von der Messtechnik (+3,8 Prozent).
Eine starke Zunahme der Patentanmeldungen aus der Schweiz verzeichnet der Patent Index 2023 ausserdem im Transportwesen, das auch die Automobilbranche umfasst (+27,2 Prozent gegenüber 2022), in der Chemie (+17,2 Prozent) und im Bereich Elektrische Maschinen, Geräte, Energie (+14,4 Prozent).
Mehr als die Hälfte aller Anmeldungen stammt aus fünf Kantonen
Das EPA verzeichnete für die Kantone Zürich (neu auf Platz 1), Waadt (Platz 2), und Basel-Stadt (Platz 3) die meisten Patentanmeldungen innerhalb der Eidgenossenschaft. Zürich und die Waadt erreichten jeweils +1 Prozent höhere Anmeldezahlen gegenüber 2022 – jene aus Basel-Stadt stiegen um +1,2 Prozent. Zusammen mit den Kantonen Zug (Platz 4) und Genf (Platz 5) machen die Top 5 der 26 Kantone fast 60 Prozent aller Patentanmeldungen aus der Schweiz aus. Unter den Kantonen mit mehr als 100 Einreichungen verbuchten insbesondere Schaffhausen (+38,9 Prozent) und Solothurn (+34,4 Prozent) starke Wachstumsraten. Unter den Top 100 der anmeldestärksten Regionen innerhalb der 39 EPA-Mitgliedstaaten finden sich insgesamt 16 Kantone.
Stand vom 30.10.2020
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Hoffmann-La Roche bleibt Nummer eins der Schweizer Unternehmen
In der Rangliste der anmeldeaktivsten Schweizer Firmen beim EPA war Hoffmann-La Roche mit 754 Patentanmeldungen 2023 erneut an die Spitze. Ausserdem ist das Basler Pharma-Unternehmen beim EPA führend im Bereich der Biotechnologie und liegt auf Platz drei bei Arzneimitteln, direkt hinter den US-Anmeldern Merck und der University of California. Auf Platz zwei aus der Schweiz folgt Japan Tobacco International (706), dahinter liegen Philip Morris (527), ABB (488) und Nestlé (443). Diese ersten vier Konzerne sind weltweit auch unter den Top 50 Unternehmen im Patent Index 2023 vertreten, wobei ABB im vergangenen Jahr in diesem Kreis nicht präsent war. Alle Top 5-Firmen verzeichneten einen Anstieg ihrer europäischen Patentanmeldungen im Vergleich zum Vorjahr. Im Bereich Messtechnik belegt die Swatch Group international den vierten Platz, hinter Qualcomm, Siemens und der LG Group.
Globale Trends: Starkes Wachstum der Patentanmeldungen aus China und den USA
Die anmeldeaktivsten Technologiefelder beim EPA waren 2023 die digitale Kommunikation, die Medizintechnik und die Computertechnik. Die fünf aktivsten Ursprungsländer waren die Vereinigten Staaten, auf die erneut knapp 25 Prozent des Gesamtanmeldeaufkommens entfielen, gefolgt von Deutschland, Japan, China und der Republik Korea. Im europäischen Ländervergleich belegte die Schweiz den dritten Platz, hinter Deutschland und Frankreich.
Die Zunahme der Patentanmeldungen 2023 erklärt sich überwiegend mit dem anhaltend starken Wachstum von Einreichungen aus China (+8,8 Prozent gegenüber 2022) und der Republik Korea (+21 Prozent zum Vorjahr), die damit auf den fünften Platz im Ranking vorrückt. Der chinesische Telekommunikationsausrüster Huawei war 2023 das dritte Jahr infolge der aktivste Patentanmelder beim EPA mit 5 071 Anmeldungen. Samsung folgte auf Rang zwei (4 760 Anmeldungen) vor dem Drittplatzierten LG (3 498 Anmeldungen).
Grosses Interesse am europäischen Einheitspatent
Seit dem 1. Juni 2023 können Erfinderinnen und Erfinder das Einheitspatentsystem nutzen. Damit profitieren sie von einem kostengünstigen und einfachen Patentschutz in derzeit 17 EU-Mitgliedstaaten, in denen das europäische Patent mit einheitlicher Wirkung gilt. Der Rechtsweg kann vor dem ebenfalls neu geschaffenen, zentralen Einheitlichen Patentgericht beschritten werden. Das neue System geniesst bereits eine hohe Akzeptanz bei Patentinhabenden: Für 17,5 Prozent aller europäischen Patente, die im Jahr 2023 erteilt wurden, war einheitliche Schutzwirkung beim EPA beantragt worden – und sogar für 22,3 Prozent aller Patente, die in der zweiten Jahreshälfte 2023 nach dem Start des Systems erteilt wurden.
In der Schweiz betrug die Akzeptanzquote 24,1 Prozent (knapp unter dem Durchschnitt von 25,8 Prozent der 39 Mitgliedstaaten der Europäischen Patentorganisation). Patentinhabende aus der Schweiz stellten 1 002 Anträge auf einheitlichen Patentschutz für ihre im Jahr 2023 erteilten europäischen Patente. (neu)