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Messevorschau Prodex: «Der wichtigste nationale Treffpunkt»

| Redakteur: Thomas Koch

>> Das Thema Nachhaltigkeit ist allgegenwärtig. Swissmem ist in der Schweiz Partner der Initiative Blue Competence Machine Tools. Wofür stehenUnternehmen, die sich der Initiative Blue Competence angeschlossen haben? Wie wichtig ist die diesjährige Prodex, Internationale Fachmesse für Werkzeugmaschinen, Werkzeuge und Fertigungstechnik für den Werkplatz Schweiz?Auf diese und weitere Fragen gibt Christoph Blättler von Swissmem Antworten.

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SMM: Herr Blättler, die Nachhaltigkeitsinitiative Blue Competence zielt darauf ab, durch intelligente technische Lösungen Ressourcen zu schonen und effizienter zu wirtschaften. Was ist machbar für die Schweizer Maschinenindustrie?

Christoph Blättler: Die Schweizer Maschinenindustrie behauptet sich am Markt dank vorausschauenden Lösungen. Es versteht sich daher von selbst, dass Schweizer Anbieter sich schon seit einiger Zeit mit dieser Herausforderung befasst haben und auch bereits Produkte bei Kunden im Einsatz haben, die den Attributen gerecht werden. Natürlich ist durch eine grössere Fokussierung auf die Aufgabenstellung noch mehr machbar. Dabei will die Initiative Blue Competence Machine Tools die Unternehmen unserer Werkzeugmaschinenindustrie spezifisch unterstützen.

Um als Teilnehmer von Blue Competence Machine Tools gelistet werden zu können, müssen Unternehmen über definierte Nachhaltigkeitsgrundanforderungen hinaus spezifische Kriterien erfüllen. In welcher Form kann Swissmem eine Firma hierbei unterstützen und welche Kriterien müssen die Unternehmen erfüllen?

Ch. Blättler: Swissmem ist als Mitglied von CECIMO (europäischer Dachverband der Werkzeugmaschinenindustrie) ein Teil der Trägerschaft dieser Sektor-Initiative. Lassen Sie mich zur Erklärung noch etwas ausholen: Blue Competence fusst auf einer Idee, die innerhalb der Mitglieder des Fachverbandes Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken (VDW) geboren wurde. Nach Umsetzungsdiskussionen hat sich der Branchenverband VDMA (Verband Deutscher Maschinen- und Anlagebau) dazu entschlossen, diese Initiative Sektor-übergreifend zu lancieren. Da die im europäischen Dachverband CECIMO zusammengeschlossenen 15 Landesverbände von Anfang an Interesse daran zeigten, die Initiative für die Werkzeugmaschinenindustrie zu führen, wurde die Sektor-Initiative Blue Competence Machine Tools an CECIMO abgetreten. Somit können sich also Firmen aus der Schweiz, die sich der Initiative anschliessen wollen oder daran interessiert sind, direkt bei Swissmem melden. Wie Sie richtig sagen, gibt es gewisse Anforderungen zu erfüllen, beziehungsweise Nutzungsbestimmungen zu beachten.

Was gilt es, genau zu beachten?

Ch. Blättler: So gilt es, aus acht gewichteten, firmenspezifischen, auf Struktur oder Prozesse bezogenen Bewertungskriterien eine Mindestpunktzahl zu erreichen und aus sieben technischen, auf die Produkte bezogenen Kriterien mindestens zwei zu erfüllen. Swissmem stellt dazu die Unterlagen der Initiative zur Verfügung und berät die interessierten Firmen bei der entsprechend notwendigen Darstellung, Beurteilung und Dokumentation.

Blue Competence Machine Tools ist das europäische Markenzeichen für die nachhaltigen Lösungen des Werkzeugmaschinenbaus. Was für Vorteile bringt einem Unternehmen die Teilnahme an dieser Initiative?

Ch. Blättler: Ein Unternehmen kann durch die Verwendung des Initiative-Logos seine Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit und Energieeffizienz einfacher und effizient beim Kunden und bei Messeauftritten thematisieren. Die Initiative erhält durch die allgemeinen PR-Aktionen von CECIMO und Swissmem, aber auch durch die thematischen Werbemassnahmen aller anderen Teilnehmer einen hohen Wiedererkennungs- und Assoziationswert. Immer mehr Lastenhefte von Grosskunden enthalten einen Abschnitt zu Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Hier hilft eine Teilnahme bei der Initiative Blue Competence Machine Tools. Da diese Initiative nur europäischen Anbietern offen steht, differenziert sich jeder Teilnehmer auf diesem wichtigen Feld von Anbietern aus anderen geographischen Regionen. Weiter wird eine Broschüre zur Erklärung und Promotion der Initiative zur Verfügung gestellt.

Sie werden an der diesjährigen Prodex, die vom 20. bis 23. November in Basel stattfindet, nicht nur über Blue Competence informieren. Ein Schwerpunkt ist auch die Aus- und Weiterbildung. Die Schweiz braucht mehr Fachkräfte. Fehlt es uns an engagierten Berufsleuten?

Ch. Blättler: Ja, Fachkräfte ist jene Ressource, die unseren Wirtschaftszweig am Leben erhält und weiterbringt. Diese wertvollste aller Ressourcen, von der wir eigentlich die Verfügbarkeit beeinflussen können, braucht konstant unsere volle Aufmerksamkeit. Nicht von ungefähr sind die Hälfte der Mitarbeiter von Swissmem mit der Definition des Ausbildungsplanes und der Schaffung von Ausbildungsunterlagen für die wichtigsten Berufe der MEM-Branche sowie mit der Weiterbildung entsprechender Berufsleute beschäftigt. Unsere Branche braucht mehr gut qualifizierte, auf aktuelle Anforderungen hin ausgebildete Berufsleute. Swissmem wird speziell am Thementag Bildung vom 21. November zeigen, was alles gemacht wird, um diese Forderung der Betriebe zu erfüllen. Weiter werden wir auch darstellen, wieso unsere Branche ein attraktives, vielfältiges Betätigungsfeld mit vielen Facetten und interessanten Perspektiven ist.

Wie wichtig ist für den Werkplatz Schweiz die Prodex in Basel?

Ch. Blättler: Die Prodex ist der wichtigste nationale Treffpunkt der Schweizerischen Werkzeugmaschinenindustrie und der gesamten metallverarbeitenden Industrie. Das deckt bei Swissmem mindestens die beiden M ab. Man könnte also argumentieren, dass von den rund 330 000 Beschäftigten (2011) der MEM-Branche an die 220 000 Fachleute potenziell an der Prodex interessiert sind; das heisst, für unseren Werkplatz ist die Prodex eine Schlüsselveranstaltung.

Noch kurz zum Schluss. Die Frankenstärke ist das Dauerthema. Was wünschen Sie sich für die schweizerische Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie?

Ch. Blättler: Die Festlegung des Mindestkurses von 1.20 CHF/Euro durch die Schweizer Nationalbank (SNB) konnte bis jetzt das Schlimmste für unsere Industrie verhindern. Der Mindestkurs hat die Situation beruhigt und etwas Stabilität gebracht. Damit konnten tausende von Arbeitsplätzen in unserer Industrie gerettet werden. Die entschlossene Verteidigung dieser Untergrenze durch die SNB ist vorbehaltlos zu unterstützen. Gerade auch der Werkzeugmaschinensektor hat die harte Pille der CHF 1.20 zum Euro geschluckt und ist daran, diese mittels Massnahmen zur Korrektur der Margenerosion zu verdauen. Zu wünschen wäre, dass sich die Kaufkraftparität auf Grund der höheren Inflation in Europa akzentuiert und beschleunigt diesem Wert wieder annähern würde.

Herr Blättler, vielen Dank für das Gespräch. <<

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