4. SMM-Kongress Prof. Wegener: «Die Frage ist falsch gestellt»

Redakteur: Matthias Böhm

Prof. Dr. K. Wegener gehört zu den profiliertesten Kennern der Schweizer Industrie. Dank industrienaher Projekte seines Instituts wird Forschung direkt in industrielle Prozesse umgemünzt und bringt den Werkplatz Schweiz nach vorne. Prof. Wegener hält es für unumgänglich, auf den Zug Industrie 4.0 aufzuspringen, um nicht den Anschluss an die moderne Produktion zu verlieren.

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Ob jede Vision aus Industrie 4.0 Realität wird, zeigt die Zukunft, aber wer glaubt, da liesse sich noch etwas verhindern, träumt. Prof. Dr. K. Wegener im Gespräch mit SMM-Chefredaktor M. Böhm
Ob jede Vision aus Industrie 4.0 Realität wird, zeigt die Zukunft, aber wer glaubt, da liesse sich noch etwas verhindern, träumt. Prof. Dr. K. Wegener im Gespräch mit SMM-Chefredaktor M. Böhm
(Bild: Thomas Entzeroth)

SMM: Herr Prof. Wegener, Sie kennen sowohl die Schweizer und deutschen Unternehmensstrukturen. Wo sind die besseren Voraussetzungen gegeben, um Industrie 4.0 voranzutreiben?

Prof. Dr.-Ing. Konrad Wegener: Ich glaube, es geht weniger um Unternehmensstrukturen als um politische Rahmenbedingungen. In Deutschland gibt es eine konzertierte Aktion und die hilft von oben bis unten, das Thema und vor allem die Begleittechnologien voranzutreiben. Der Schweiz fehlt in dieser Hinsicht eine aktivere programmatische Industrie- und Innovationspolitik.

Wenn Sie Industrie 4.0 in wenigen Sätzen verständlich – Betonung liegt auf verständlich – erklären müssten, wie würden die Sätze lauten?

Prof. K. Wegener: Industrie 4.0 verkoppelt virtuelle und reale Welt und setzt konsequent die existierenden Technologien des Internets in die industrielle Leistungserstellung um. Eine tragende Kernidee ist, dass das Produkt seine eigene Fertigstellung steuert.

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Welche Chancen sehen Sie in Industrie 4.0 für Schweizer Unternehmen?

Prof. K. Wegener: Ich sehe vor allem Gefahren, wenn die Schweizer Unternehmen sich der Internettechnologie verschliessen, weil dann andere die lukrativen Geschäfte um den Maschinenbau herum abwickeln. Früher haben sich Unternehmen Land gesichert, um sich weiterzuentwickeln. Heute müssen sie sich virtuelles Land sichern, den Zugang mit Dienstleistungsprodukten im Internet rund um den Maschinenverkauf. (Service, Consumables, neue Technologieupdates, Ersatzteilgeschäft, Brokerage von Aufträgen, …)

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