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Europapremiere des MicroSnap auf dem Genfer Autosalon Rinspeed: Geschrumpfter Alleskönner

| Redakteur: Silvano Böni

Vergangenes Jahr stellte die Schweizer Ideenschmiede Rinspeed den «Snap» vor, bei welchem Fahrwerk (Skateboards) und Aufbauten (Pods) jederzeit austauschbar sind. Zum diesjährigen Genfer Auto-Salon wurde der Snap nun zum MicroSnap – ein kleines autonomes Fahrzeug welches individuell auf jedes Bedürfnis anpassbar ist.

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(Bild: Dingo Photo)

«Think mighty micro!» heisst die neue Rinspeed-Devise auf dem Genfer Autosalon. Firmenchef Frank M. Rinderknecht hat den Snap zum MicroSnap mit der Grösse eines Renault Twizy geschrumpft. Und demonstriert zum ersten Mal eine vollautomatisierte Roboterstation, die Fahrgestell und Aufbauten selbstständig zusammenfügt und trennt. Fachleute bezeichnen diesen Schritt in der Automobilproduktion, bei dem das Chassis und die Karosserie zusammengefügt werden, als die Hochzeit, nur hier nicht auf Dauer, sondern nur zum zu erfüllenden Zweck.

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Für den eidgenössischen Autovisionär ist die Zeit der grossen Lieferwagen, die Kunden wie Perlen auf einer Schnur nacheinander über den Tag bedienen, vorbei. Weil der Onlinehandel boomt und auch den Fresh-Food-Bereich inzwischen einbezieht, glaubt der Schweizer an kleine autonome Fahrzeuge, die ausschwärmen und ohne Umwege ihr Gut just in time zum Kunden bringen. Schneller und einfacher geht es nicht - sogar gekühlt oder gewärmt. Zu seiner Vision gehören aber auch zweisitzige Robo-Units, die ihre Passagiere komfortabel und effizient auf dem kürzesten Weg ans Ziel bringen. Rinderknecht ist sich sicher: «Kunden wollen mehr und mehr zeitnah beliefert werden und viele Passagiere keine Sammeltaxis, die systembedingt zeitintensive Umwege fahren müssen.»

Geplantes Start-up

Inzwischen ist ein Start-up geplant und Gespräche mit Investoren sind am Laufen, um den Snap auf die Strasse zu bringen. Denn die Resonanz in der automobilen Fachwelt auf den revolutionären Snap ist gross und blieb nicht ohne Folgen: Selbst einer der renommiertesten Autohersteller liess sich von den Eidgenossen inspirieren und zeigte neulich seine eigene Interpretation der Snap-Systematik. Da Imitation bekanntlich die aufrichtigste Form der Schmeichelei ist, nimmt es Rinderknecht gelassen und schmunzelt: «Nun: Wer hat es erfunden?»

Ob Snap oder MicroSnap, die Grundidee bleibt: Während die Aufbauten so lange halten wie ein Auto heute, enthält das Fahrwerk alle verschleiss- und alterungsanfälligen Komponenten wie die IT-Technik für das automatisierte Fahren. Skateboards (Fahrwerke) und Pods (Aufbauten) sind nur Kurzzeitpartner. So nutzen vielfältige Aufbauten die gerade verfügbaren Skateboards. Nach wenigen Jahren werden diese recycelt, weil die Grenze ihrer Betriebsdauer erreicht ist. Sie entgehen damit elegant einem teuren und komplizierten Hardware-Update.

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