5. SMM-Kongress 2016 Schlanke Produktion am 5. SMM-Kongress

Autor / Redakteur: Matthias Böhm, Chefredaktor SMM / Benza Banjac

Am 5. SMM-Kongress (7. Dezember 2016) in der Messe Luzern trifft sich die Schweizer MEM-Branche. Die Themen am 5. SMM-Kongress sind neue Fertigungsstrategien bis hin zu Lean- Manufacturing-Prozessen – Industrie 4.0 inklusive.

Firmen zum Thema

Der SMM-Kongress bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich mit Fachleuten gezielt auszutauschen.
Der SMM-Kongress bietet eine ausgezeichnete Gelegenheit, sich mit Fachleuten gezielt auszutauschen.
(Bild: Thomas Entzeroth)

Der 5. SMM-Kongress stellt in enger Partnerschaft mit Swissmechanic am 7. Dez. 2016 die Effizienzsteigerung von produzierenden Unternehmen in den Fokus. Ein Schwerpunktbereich wird das Thema Lean Manufacturing mit der Überleitung hin zu Industrie 4.0 sein. Ein weiterer Themenbereich behandelt die Effizienzsteigerung fertigungstechnischer Prozesse. In Luzern treffen sich an diesem Anlass regelmässig über 150 Fachleute aus der MEM-Industrie.

Lean und die menschliche Seite

Erst kürzlich auf Lean-Prozesse umgestiegen ist die Dixi Polytool AG. Ein KMU, das Präzisionswerkzeuge produziert. Marc Schuler, Managing Director Dixi Polytool S.A., sagt, die Umsetzung von Lean- Manufacturing-Prozessen sei eine enorme Herausforderung, vor allem auch auf menschlicher Ebene. Der Westschweizer Werkzeughersteller hat dank Lean Manufacturing die Organisation des Unternehmens komplett umgestellt. Keine Maschine blieb an ihrem Platz. Die Effizienz wurde massiv gesteigert, die Kosten reduziert.

Aber die Umsetzung sei menschlich enorm anspruchsvoll, so Schuler. M. Schuler zeigt auf, wo die Schwierigkeiten bei Dixi Polytool lagen und wie sein Team damit umgegangen ist, sie zu lösen. Gelohnt hat sich die Umstellung in jedem Fall, heute ist Dixi Polytool für die Zukunft hervorragend konditioniert.

Spindeln in der Schweiz erfolgreich produzieren

Ein weiteres Praxisbeispiel zum Thema Lean präsentiert Dr. Tobias Moser (COO, Fischer Spindle Group AG). In der Fischer Spindle Group ist die Lean-Leadership-Kultur der Schlüssel zur optimierten Wertschöpfungskette. Die Fischer Spindle Group AG ist ein weltweit tätiges Familienunter­nehmen mit strategischem Produktionsstandort Schweiz. Die Sicherung der Arbeitsplätze in der Schweiz mit effizienter Produktion von Qualitätsprodukten ist das erklärte Ziel. Die Einführung des Lean-Gedankens mit gesamtheitlichem Ansatz hat die Firma transformiert. Die Entwicklung und Umsetzung der Q-TEAM-Philosophie wird erläutert und anhand von Beispielen aus der Praxis illustriert.

30 % Produktivitätssteigerung bei der Ferrum AG

Ebenfalls direkt aus der Praxis am Beispiel der Ferrum AG berichtet Robert Ulrich (Gründer und Geschäftsführender Partner Wertfabrik AG). Die Wertfabrik AG durfte Ferrum dabei begleiten, mit der Lean-Methodik Durchlaufzeiten in der Fertigung zu reduzieren und die Produktivität massiv anzuheben. Die Ferrum AG vereinigt unter einem Dach vier verschiedene Geschäftsbereiche. Der Bereich GBC entwickelt, produziert und vertreibt Maschinen zum Verschliessen von Dosen für die Getränke-, Lebensmittel- und Dosenfertigungsindustrie.

Erfolgreich oder erfolglos: die kleinen Unterschiede

Daniel Odermatt (Managing Partner des Beratungsunternehmens Leancom AG) hat viele Schweizer Produktionsunternehmen in Richtung Lean beraten und begleitet. Schweizer Unternehmen sind mehr denn je gezwungen, kontinuierlich Verbesserungen umzusetzen. Aber bei den Ergebnissen dieser Anstrengungen gibt es sehr grosse Unterschiede. Einige schaffen es trotz Verbesserungen nur knapp, konkurrenzfähig zu bleiben, andere entwickeln sich zu Weltklasse-Unternehmen. Wo liegen die Unterschiede in der Vorgehensweise und was sind die Erfolgskriterien? Diese Fragen werden in diesem Vortrag beleuchtet und der Weg zu einer Lean Road­map aufgezeigt.

Lean Manufacturing – wie schlank muss die Zukunft sein?

Oliver Müller (Direktor Swissmechanic Schweiz) schöpft aus einem grossen Erfahrungsschatz. Er kennt Unternehmensprozesse vom früheren eigenen Unternehmen und heute durch den intensiven Austausch mit seinen Verbandsmitgliedern.

Die produzierende Industrie ist nach Aussage von O. Müller im Umbruch. Lean Manufacturing spielt nach seiner Aussage dabei eine tragende Rolle, um auch in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. Was kann eine schlanke Produktion, wo bleibt Man­power unverzichtbar und welchen Einfluss hat Industrie 4.0?

«Lean 4.0» – Chance für den Maschinenbau

Der Zusammenhang zwischen Lean und Industrie 4.0 ist Laut Prof. Dr.-Ing. Joachim Metternich (PTW, TU Darmstadt) fliessend. Lean Manufacturing die Basis, um den nächsten entscheidenden Schritt in Richtung Industrie 4.0 zu gehen.

Industrie 4.0 bietet der schlanken Produktion die Möglichkeit, die nächste Weiterentwicklungsstufe zu erklimmen. Der Vortrag von Prof. Metternich beleuchtet folgende Fragen: Wo stehen Maschinenbau-Unternehmen heute auf ihrem Weg zur schlanken Produktion? Welche konkreten Potentiale bieten sich durch die weitere Digitalisierung von Prozessen im Maschinenbau? Wie kann ein Unternehmen diese Potentiale erkennen und priorisieren? Diese Fragen werden von Prof. Metternich am SMM-Kongress beantwortet.

Schweizer Pionier in Industrie 4.0

Beim Thema Industrie 4.0 ist das Unternehmen Brütsch Rüegger ein Schweizer Pionier-Unternehmen. Geschäftsführer Martin Wirth war an dieser Pionierleistung massgeblich beteiligt. Bereits Ende der 90er Jahre setzte Brütsch Rüegger voll auf digitale Geschäftsprozesse. Martin Wirth zeigt die hohen Anforderungen an die industrielle Produktion im Kontext der Industrie 4.0 in Bezug auf Daten, Vernetzung und schlanke Prozessen.

Massive Optimierungspotentiale in der Fertigung

So weit zu dem Thema Lean Manufacturing. Ein weiterer Schwerpunktbereich wird, wie oben in der Einleitung kurz angedeutet, die Optimierung von Fertigungsprozessen sein. Das ist nach wie vor ein Sektor, in dem es noch erhebliches Optimierungspotential gäbe, wie Thomas Wengi (Managing Director GF Machining Solutions) gegenüber dem SMM sagte.

Im Durchschnitt betrage der Wirkungsgrad im Fertigungsprozess in der Schweiz nur 50 %. Das Potential zur Ertragssteigerung mit der bestmöglichen Nutzung der vorhandenen Fertigungstechnologien (CAM, Fräswerkzeug, Maschine) sei demnach noch gewaltig gross.

Erheblich günstiger fertigen

In einem Gemeinschaftsvortrag (Werkzeugmaschinenhersteller GF Machining Solutions, CAM-Spezialist Open Mind und Werkzeughersteller Fraisa) wird anhand eines konkreten Kundenprojekts demon­striert, wie dank optimierter und aufeinander abgestimmter Fertigungsprozesse eine massive Reduktion der Fertigungszeit realisiert werden kann, was letztlich zu einem massiv günstigeren Bauteil führte. Nicht mit grossen Investitionen, sondern mit Know-how und sportlicher Einstellung ist die Verän­derung zu neuer Wettbewerbsfähigkeit möglich.

Und das bei einem Prozess, der bereits mit klassischen Methoden zu 100 % ausgereizt war und keine Leistungssteigerungen mehr zu generieren schien. Umso mehr beeindruckt das Resultat, mit neuen Fertigungsstrategien über die klassischen Grenzen der Fertigung hinauszugehen.

Mapal: mit additiver Fertigung in die Serie

Das Thema produktive additive Fertigung wird von Mapal vorgetragen. Seit 2013 forscht der Präzisionswerkzeugsteller Mapal an der Werkzeugherstellung mittels additiver Fertigung. Rund zwölf Monate vergingen zwischen der Inbetriebnahme des ersten 3D-Druckers und der ersten Patentanmeldung des Familienunternehmens im Bereich der additiven Fertigung. Heute werden additiv gefertigte Produkte in Serie hergestellt.

Mapal-Verkaufsleiter Sven Frank gibt in seinem Vortrag «Additive Manufacturing» einen Überblick zur Technologie des Laserschmelzens, wie es bei Mapal zum Einsatz kommt. Er geht auf die Möglichkeiten und Vorteile, aber auch auf die Grenzen dieses Fertigungsverfahrens ein, erläutert die Eigenschaften der verwendeten Materialien und stellt die bei Mapal hergestellten Bauteile vor. Den Abschluss des Vortrags bildet ein Ausblick, der die Rolle sowie das Potential der Additiven Fertigung im Bereich der Werkzeugherstellung beleuchtet.

Optimierte Fertigungsstrategien

Einen Einblick in die aktuellen Forschungsfelder der Fertigungsoptimierung wird einer der renommiertesten Schweizer Professoren geben: Prof. Dr. Konrad Wegener von der ETH Zürich. Effizienzsteigerung muss immer verschiedene Aspekte berücksichtigen. Advanced Manufacturing, wie es vielerorts auf Additive Fertigung und Industrie 4.0 reduziert wird, verfehlt die Anforderungen des Industrie­betriebs, der für das Überleben permanente Produktivitätssteigerungen benötigt. Das sind technologische Verbesserungen, organisatorische und IT-Massnahmen, Verkürzungen der Prozesskette sowie Automation in jeder Schattierung.

Dipl-Ing. Walter Fust – 50-jährige Erfolgs­geschichte

Eine der grossen Schweizer Unternehmerpersönlichkeiten wird am Schluss des SMM-Kongresses als Keynote Speaker sein Lebenswerk präsentieren: Dipl.-Ing. Walter Fust. Bekannt ist Walter Fust durch seine mit Mitte 20 (!) gegründete Ladenkette Dipl. Ing. Fust AG, die in diesem Jahr ihr 50. Jubiläum feiert.

W. Fust: Ingenieur aus Leidenschaft

Walter Fust studierte Maschinenbau an der ETH Zürich, aus Berufung und mit Begeisterung. Anstatt in den Maschinenbau einzusteigen, gründete er unmittelbar nach Abschluss seines Studiums die heutige Dipl. Ing. Fust AG, welche auf den ersten Blick nicht viel mit seinem Studium zu tun hatte. Parallel dazu engagiert er sich als leidenschaftlicher Ingenieur seit über 30 Jahren in der Werkzeugmaschinenindustrie, sowohl bei der Starrag Group als auch bei der Tornos AG. Kurz: eine 50-jährige unternehmerische Erfolgsgeschichte. SMM

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