Doppelte Standzeit: Von diesem Ergebnis waren die Haigis-Mitarbeitenden mehr als überzeugt: Das Unternehmen war der erste Kunde überhaupt, der das Walter «Groov·tec GD Stechsystem» bestellt hat. In Serie verspricht der Hersteller von «Groov·tec» eine Standzeiterhöhung von bis zu 50 Prozent gegenüber Mitbewerbersystemen.
Das neue «Groov·tec-System» im Stechdrehprozess steigert nicht nur die Standzeit der Wendeplatten, auch die Lebensdauer der Trägerwerkzeuge wird erhöht.
(Bild: Koch Visuals)
Bei der Haigis Gewichtefertigung GmbH in Onstmettingen (D) werden seit der Mitte des 19. Jahrhunderts Gewichte und Maschinenbauteile gefertigt, die höchsten Ansprüchen an Genauigkeit und Oberflächengüte genügen müssen. Seit über 10 Jahren setzt Haigis für seine Stech-Anwendungen auf Werkzeuge des Zerspanungsspezialisten Walter. Das machte das Unternehmen zum perfekten Partner für den Protoypen-Feldtest des neuen «Groov·tec GD Stechsystems».
Auch die bisherige Lösung war gut
Eine hohe Anzahl von Kolbenoberteilen aus Nitrierstahl werden bei Haigis täglich gestochen.
(Bild: Walter AG)
Bis zum Auftauchen der Prototypen des Systems auf dem Haigis Shopfloor, das Walter dann ein Jahr später als Start der «Groov·tec GD-Produktlinie» auf den Markt gebracht hat, war man bei Haigis mit der bisher eingesetzten Walter Lösung ziemlich zufrieden. Für das Stechen von relativen klein dimensionierten Kolbenoberteilen aus Nitrierstahl verwendete man das Walter GX-Stechsystem, mit durchaus überzeugenden Ergebnissen.
Thomas Thiel arbeitet bei Walter als Anwendungstechniker. Er begleitet Haigis bereits seit rund 13 Jahren und kennt die Prozessbedingungen vor Ort sehr gut. Von ihm ging die Initiative aus, das mittelständische Unternehmen in den Feldtest für das innovative «Groov·tec-System» einzubeziehen.
Sehr hohe radiale und axiale Kräfte
«Mir war aufgefallen, dass beim Abstechen auf den Takamaz-Drehmaschinen relativ regelmässig irgendwann der Plattensitz am Halter ausgewaschen und damit unbrauchbar geworden ist. Bei dieser Art Anwendung ist das ziemlich typisch, weil einfach sehr grosse Kräfte radial und zum Teil auch axial auf die Wendeschneidplatte und den Halter auftreffen», erklärt Thiel.
Zerspankräfte in den Griff bekommen
Mit einem hohen Aufkommen an Abstech-Vorgängen war Haigis der perfekte Feldtest-Partner für Walter.
(Bild: Walter AG)
Dieses Phänomen besser in den Griff zu bekommen war eines der wichtigsten Ziele für den Entwicklungsprozess, aus dem dann die «Groov·tec-Linie» hervorgegangen ist. Mit einem hohen Aufkommen an Abstech-Vorgängen und der grossen Erfahrung mit dem Prozess bei den Mitarbeitenden war Haigis daher ein idealer Partner beim Prototyp-Feldtest.
Positive Ergebnisse nach den ersten Stechversuchen
Stefan Letsch (Arbeitsvorbereitung, Haigis Gewichtefertigung GmbH), Markus Stumm (Produktmanagement), Thomas Thiel (Anwendungstechnik) und Joachim Schneider (Technische Beratung, alle Walter AG) bei der Analyse des Stechprozesses.
(Bild: Walter AG)
Stefan Letsch hat den Feldtest bei Haigis betreut. Der Maschinenbautechniker ist bei Haigis für die Arbeitsvorbereitung verantwortlich: «Die Leute an den beiden Maschinen, auf denen unsere Stech-Prozesse laufen, haben den Unterschied zum bisher genutzten System bereits nach ein paar Durchläufen bemerkt. Die waren echt enttäuscht, dass es sich erstmal um Prototypen gehandelt hat, die wir noch nicht einfach nachbestellen konnten.» Dennoch konnten die neuen GD Wendeplatten und G5011 Stechhalter Stefan Letsch und seinem Team für weitere Langzeittests zur Verfügung gestellt werden. Das lag auch an der engen Zusammenarbeit der beiden Verantwortlichen von Produktmanagment und Vertrieb bei Walter, Markus Stumm und Joachim Schneider.
Im Einzelfall: Standzeiten verdoppelt
Für Stefan Letsch war das der erste Prototyp-Feldtest überhaupt. Eigentlich war geplant, den Prototyp des Walter «Groov·tec-Systems» zwar im Echtbetrieb, aber nur auf einer Maschine laufen zu lassen. Die Ergebnisse waren so überzeugend, dass man auch die zweite Maschine in den Feldtest integrierte. Ohne Veränderungen der Prozessparameter konnte Haigis die Standzeiten für das Werkzeug mehr als verdoppeln. Der Prozess läuft noch deutlich stabiler als bisher, die Rüstzeiten sind gesunken – und die Bauteilqualität ist auf höchstem Niveau. Für einen Feldtest natürlich ein Traumergebnis.
Doppelte Verzahnung der Wendeschneidplatten
Die neu entwickelte Wendeschneidplatten-Klemmung: Die Schneideinsätze sind sowohl von oben als auch von unten doppelt verzahnt.
(Bild: Walter AG)
Ähnliche Erfolge wie bei Haigis verzeichnet das neue Walter «Groov·tec-System» auch bei anderen Anwendern. Ausschlaggebend für die deutlich gesteigerten Standzeiten und die herausragende Verschleissfestigkeit, die das neue System bietet, ist die Kombination von einer neu entwickelten Werkzeugklemmung und den dazu passenden «Tiger·tec Gold-Wendeschneidplatten» GD26.
Die Schneideinsätze sind sowohl von oben als auch von unten doppelt verzahnt. Dadurch werden die Wendeschneidplatten sicher im Plattensitz fixiert und sind gegen das seitliche Herausdrücken geschützt. Der erhöhte Mittelzahn gibt ausserdem klar vor, wie die Platte eingesetzt werden muss. Gegenüber den marktüblichen Prismen-Klemmungen erhöht das Walter «Groov·tec-GD-System» die Stabilität deutlich, minimiert die Abnutzung und reduziert Mikro-Vibrationen.
Standzeiterhöhung um 50 Prozent
Was das für die Lebensdauer des Stechwerkzeugs bedeutet, sieht man an den Ergebnissen des Haigis Feldtests: Die «Groov·tec-Systeme» haben gegenüber bisher eingesetzten Systemen eine höhere Standzeit. Die doppelte Standzeiterhöhung bei Haigis sehen die Spezialisten allerdings als das Optimum und relativieren: Sie gehen je nach Anwendungsfall von Steigerungen um bis zu 50 Prozent aus. In Einzelfällen, wie bei Haigis, kann es die doppelte Standzeit sein.
Stand vom 30.10.2020
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Mit direkter Kühlung schnellere Taktzeiten machbar
In Kombination mit der (optionalen) Präzisionskühlung profitieren Anwender von kürzeren Takt- und Bearbeitungszeiten, höherer Produktivität und Prozesssicherheit. Walter «Groov·tec GD» lässt sich für das Ein- und Abstechen sowie zum Stech- und Kopierdrehen einsetzen. Das System ist geeignet für Stechtiefen bis 26 mm und auf Drehmaschinen aller Art universell einsetzbar. Neben Präzisionsvorteilen bei anspruchsvollen Bearbeitungen bietet «Groov·tec GD» ideale Voraussetzungen für mannarme Fertigungen sowie Serienproduktion.
Die Pilotversuche fanden 2014 statt. Mittlerweile hat sich das «Groov·tec-Stechsystem» im Markt etabliert.