Quartalszahlen Swissmechanic

Schleichende Deindustrialisierung

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Franken-Schock, Konjunktur und Hochlohnland Schweiz

Wie die Mitgliederumfrage zum 3. Quartal deutlich zeigt, sind es drei Hauptfelder, die für die aktuellen Entwicklungen verantwortlich sind. Im Zentrum steht der starke Franken oder anders gesagt der schwache Euro. Die Preiserhöhungen Anfang Januar hatten schmerzhafte Einschnitte zur Folge. Hinzu kommt die enttäuschende EU-Konjunktur der vergangenen Monate. Die Auftragseingänge aus der EU beurteilen ein Drittel der befragten Unternehmen im Vergleich zum Vorquartal als verschlechtert. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rechnet für die EU im kommenden Jahr mit einem leichten Wachstum von 2,2%. Das dritte Hauptfeld ist das Hochlohnland Schweiz. Dieses verhindert, dass die Unternehmen nochmals an der Kostenschraube drehen können, um den Preisdruck weiter abzufedern. Die Schweiz im Vergleich mit der EU - vor allem mit östlichen Staaten - über enorm hohe Lohn- und Arbeitskosten. «Der starke Franken wirkt nun wie ein Verstärker. Unsere Unternehmen kämpfen seit Jahren mit sinkenden Margen. Franken, Konjunktur und Hochlohnland gleichzeitig – das ist für unsere KMU schwer zu verdauen», sagt Oliver Müller. Franken und Konjunktur können die Unternehmen nicht beeinflussen. Deshalb werde sich der Verband weiterhin dort einsetzen, wo dringend Lösungen gefragt sind. Einerseits im Kampf für mehr Spielraum im Einkauf und andererseits im Kampf gegen die Regulierungswut in Bundesbern.

Politik muss ihren Beitrag leisten

Auch für den Präsidenten von Swissmechanic, den Glarner Unternehmer Roland Goethe, müssen die Verbände eindringlich vor den Folgen der Deindustrialisierung warnen. Schrumpfe die Industrie mit ihrem hohen Anteil an Produktivitätsentwicklung und Innovation, werde das die gesamte Wirtschaft beeinflussen. «Was mich am meisten beschäftigt ist die fehlende Diskussion. Insbesondere die Politik geht ihr seit Monaten aus dem Weg. Wenn wir einen Teil des Industriestandortes aufgeben sollen, dann machen wir das. Aber nicht ohne vorher von der Öffentlichkeit, den Mitarbeitenden und der Politik ein klares Statement zu erhalten». Darauf zu hoffen, dass die Regulierungswut und administrative Belastungen endlich nachhaltig bekämpft werden, sei auch keine Lösung. «Deshalb werden wir nicht müde, auf die notwendigen Verbesserungen der Rahmenbedingungen aufmerksam zu machen». Es gebe noch zu viele Hürden für Unternehmer, die man abbauen könnte. Die KMU in der MEM-Branche werden weiter Chancen erhalten und sich auf dem globalen Markt behaupten können. Für Roland Goethe stehen die Zeichen zwar auf Sturm, doch dürfe man dabei die Innovationskraft und Flexibilität nicht vergessen. «Ich bin überzeugt, dass unsere Mitglieder trotz rauem Umfeld Antworten für die Zukunft finden werden. Es ist jetzt an der Zeit, dass sie dabei auch von der Politik unterstützt werden». <<

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