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Schweizer Qualität – made in China?
Produkte aus der Schweiz haben Weltruf. Präzision, Qualität und Zuverlässigkeit – bis anhin galten diese Eigenschaften als «Order Winners», also als überzeugende Wettbewerbsvorteile von Schweizer Produkten. Mit der starken Konkurrenz aus dem asiatischen Raum verändert sich jedoch die Konkurrenzsituation in rasendem Tempo. Noch sind die chinesischen Unternehmen bekannt für kurze Produktionszeit und die tiefen Preise. Pragmatismus und die vielen verfügbaren Arbeitskräfte ermöglicht es ihnen, in Rekordzeiten Produkte zu produzieren.
Doch das ausgeprägte Qualitätsbewusstsein in der Maschinenbaubranche zwingt auch Hersteller aus Fernost, alle Anstrengungen zu unternehmen, um Kunden eine hohe Qualität zu gewährleisten. Wenn nun diese Qualität immer mehr zum zwingend erforderlichen Standard wird, um im Geschäft zu bleiben, ist es nur eine Frage der Zeit, bis vergleichbare Qualität made in China zu einem konkurrenzlosen Preis angeboten wird. Im gleichen Mass, wie Qualität vom Differenzierungskriterium («Order Winner») zum Muss-Kriterium (oder «Order Qualifier») absinkt, müssen neue Unterscheidungsmerkmale geschaffen werden, um sich von der Konkurrenz abzusetzen.
Potenziale haben alle jene Eigenschaften, die nicht von allen, aber von einer substanziellen Zahl von Kunden als wichtige Kaufkriterien erwähnt worden sind. Gemäss Untersuchung sind dies Preisvorteile, Innovationsvorteile, Leistungsvorteile (z. B. Produktperformance oder produktbezogene Services), Nachhaltigkeitsvorteile.
Nachhaltigkeit als Mehrwert?
Nachhaltigkeit könnte im Maschinenbau in Zukunft durchaus als gewünschter Mehrwert nachgefragt werden. Doch inwiefern spielen Umweltaspekte bei einer solchen Investition für Unternehmen eine Rolle und wie könnte die umweltfreundliche Produktion und Anwendung im Marketing den Kunden aufgezeigt werden?
Die Fachhochschule Nordwestschweiz untersuchte auch diese Fragen in ihrer Marketing-Studie. Die internationale Umfrage sollte im Rahmen der Kaufkriterien für Maschinen Aufschluss über die Relevanz von Energieeffizienz geben. Die Resultate bestätigten die bereits erwähnten Ergebnisse anderer Studien: Prozessfähigkeit und Zuverlässigkeit stehen bei Kaufentscheidungen im Mittelpunkt, Umweltaspekte beeinflussen kaum den Kaufentscheid. Diese Herausforderungen übersteuern bei den meisten Nachfragern das Umweltthema, das in der Umfrage zwar als grundsätzlich wichtig, jedoch nicht als kaufrelevant eingestuft wurde. Andererseits ist Umweltverträglichkeit nicht für den Hersteller der Maschine, sondern eher für das Unternehmen am Ende der Produktionskette relevant, jenes Unternehmen also, das dem Endkunden Rechenschaft über seinen CO2-Fussabdruck schuldig ist.
Die Energieeffizienz ist bei den meisten Maschinen, vor allem bei den grossen Industriemaschinen, in der Anwendung bereits optimiert. Dadurch ist eine weitere Optimierung der Energieeffizienz aus Sicht der Hersteller von Werkzeugmaschinen eine kosten- und zeitintensive Aufgabe mit wenig Effekt - ausser die Endkunden erwarten bis am Ende der Lieferkette hohes umweltschonendes Verhalten aller Unternehmen. Die Marketing-Umfrage zeigte auf, dass das Interesse und der Handlungsdruck auf die Unternehmen offenbar noch gering ist, was eine Produkt-Positionierung über das Thema Nachhaltigkeit – wenigstens heute – zu einem Wagnis macht. <<
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