EMO 2017

Sichere Prozesse dank Simulation

| Autor / Redakteur: Manfred Lerch / Konrad Mücke

Die Simulation Eureka, die auf NC-Programmen nach dem Postprozessor basiert, verifiziert beim 5-Achs-Fräsen mit lang auskragenden, schräg angestellten Werkzeugen auch schwierige Kollisionssituationen.
Bildergalerie: 4 Bilder
Die Simulation Eureka, die auf NC-Programmen nach dem Postprozessor basiert, verifiziert beim 5-Achs-Fräsen mit lang auskragenden, schräg angestellten Werkzeugen auch schwierige Kollisionssituationen. (Bild: Manfred Lerch)

In seinem Werkzeugbau im saarländischen Mettlach, der Prototypenformen für sanitäre Produkte fertigt, nutzt Villeroy & Boch seit einigen Monaten die Simulation Eureka. Seither sind die NC-Programme deutlich zuverlässiger, die Bearbeitungsprozesse sicherer.

Der Hersteller von Gebrauchskeramik Villeroy & Boch im Saarland hat seinen Werkzeugbau in den vergangenen Monaten umfassend optimiert. Insbesondere sollte er produktiver und wirtschaftlicher arbeiten. Deshalb investierte man unter anderem in drei 5-Achs-Bearbeitungszentren. Zusätzlich arbeiten die Spezialisten inzwischen in drei Schichten. Ehemals bediente ein Mitarbeiter eine Maschine, aktuell ist nur noch ein Maschinenbediener für drei Maschinen pro Schicht verantwortlich. Allerdings erwies sich die ehemalige NC-Programmierung als nicht ausreichend.

Störkonturen richtig erkennen

Dazu berichtet Roman Uhlig, Leiter der CNC/CAM-Abteilung: «Unsere Formen sind nicht mit kleinen Spritzgiesswerkzeugen vergleichbar. Wir fertigen sehr grosse Modelle mit zum Teil sehr
langen Fräsern und arbeiten auch mit Verlängerungen, um schräg angestellt im 3-Achs-Bereich bessere Oberflächen zu erzielen. Für die beiden 5-Achs-Bearbeitungszentren wollten wir deshalb im Jahr 2016 eine Maschinensimulation, die auch die Verfahrwege vom und zum Werkzeugwechsler simuliert und mit der sich kontrollieren lässt, ob der Winkel der angestellten Werkzeuge ausreicht. Das ist mit Eureka sehr gut zu beurteilen, weil die Fräser ab Spindel­nase in Durchmesser und Länge erkannt werden.» Überzeugt hat in Mettlach aber auch, dass der Dienstleister Roboris-Deutschland schnell und unkompliziert auf besondere Forderungen reagiert hat.

Vom CAM-System in die Simulation

Es sollten spezielle Anwendungen von Villeroy & Boch in die Schnittstelle zum CAM-System Siemens NX implementiert werden. Daten und Werkzeuge lassen sich jetzt automatisch an Eureka übertragen. Damit sind die Daten gleichzeitig identisch und Änderungen müssen nur einmal durchgeführt werden. Gleiches gilt für die Übernahme von Roh- und Fertigteil, NC-Programm und Positionierung auf der Maschine, die ebenfalls aus der CAM-Software übernommen wird. Diese Schnittstelle gibt es nur bei Villeroy & Boch.

Eine scheinbar gut funktionierende Kommunikation zwischen CAM-Software und Maschinen­simulation birgt allerdings Gefahren. Postprozessoren arbeiten nicht immer fehlerfrei. So wurden unter anderem Grenzen gesetzt, innerhalb welcher sich der Fräser bewegen sollte. Allerdings hatte sich der Fräser hinter das Werkstück gearbeitet. Eine Situation, die auf dem Bildschirm nicht zu erkennen war und zwangsläufig zum Werkzeugbruch und zur Zerstörung des Werkstücks geführt hätte. Eureka aber hat diesen Fehler schon im Postprozessor erkannt, weil die Software den NC-Code nach dem Postprozessor simuliert. Somit wird nicht nur die Maschine, sondern auch das tatsächliche NC-Programm von Eureka überprüft. Nur einwandfreie NC-Programme gelangen an die Maschine. Für Ercan Öztürk, Geschäftsführer Roboris-Deutschland, ist diese Vorgehensweise elementar. Nur so kann man einer Kollision und damit einem Maschinenstillstand vorbeugen. Er sagt dazu: «Bereits bei unserer ersten Demonstration bei Villeroy & Boch hat Eureka einen Fehler in der Kreisinterpolation entdeckt. Das beweist, dass die Simulation nach dem Durchlaufen des Postprozessors deutliche Vorteile hat. Fehler lassen sich schnell erkennen und beheben. Möglich wird das durch unseren Live-NC-Editor. Ich sehe das als Alleinstellungsmerkmal, denn man kann von der Fehlermeldung direkt das NC-Programm editieren und den Fehler korrigieren. Im Anschluss lässt sich diese Korrektur sofort simulieren, auch wenn man noch im NC-Programm ist.»

Zeitaufwand bringt grossen Nutzen

Den etwas grösseren Zeitaufwand zur Simulation kann man nach Ansicht der Saarländer Werkzeugbauer eher vernachlässigen. Er wird vollauf kompensiert durch die zusätzliche Sicherheit, dass die Bauteile ohne Kollision oder Werkzeugbruch bearbeitet werden. Zudem erhält man zeichnungsgerechte Bauteile und vermeidet Ausschuss. Andererseits bleibt hauptzeitparallel ausreichend Zeit, um CAM-Prozesse vorzubereiten und mit der Software Eureka zu simulieren und das NC-Programm zu verifizieren.

Roman Uhlig forderte allerdings auch einen guten Service. «Für uns war auch wichtig, dass vom Anbieter Kundennähe praktiziert wird, denn wir haben öfter auch mal unsere eigenen Ideen. Bei den Optimierungswünschen, die wir mittlerweile eingebracht haben, hat uns Roboris-Deutschland sehr intensiv unterstützt. Das betrifft vor allem die Änderungen hinsichtlich der CAM-Schnitt­stelle.» SMM

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 44845399 / Konstruktion)