SW präsentierte auf der diesjährigen EMO in Hannover gleich zwei Neuheiten. Das innovative «Sfix-System» (Smart Fixture) ist in der Lage, modulare Spannvorrichtungen für Werkstücke automatisiert zusammenzubauen, um so auch bei geringen Stückzahlen effizient und präzise zu spannen. Mit der neuen Werkzeugmaschine «BF 12-21D» reagiert SW ausserdem auf den aktuellen Automobilbau-Trend zu druckgegossenen Aluminium-Karosserieteilen.
Mit dem neuen «Sfix-System» und der zugehörigen «S-Cell» bietet SW eine neue Lösung für modulare und automatisierte Spanntechnik.
(Bild: Schwäbische Werkzeugmaschinen GmbH)
Gemäss dem diesjährigen Messemotto «Innovate Manufacturing» zeigte die Schwäbische Werkzeugmaschinen GmbH (SW) auf der EMO ihre Antwort auf aktuelle Trends und Bedarfe in der Produktionstechnologie. «Insbesondere ausserhalb der Automobilbranche sehen wir ein grosses Optimierungspotential in der Mittel- und Kleinserienfertigung, die eine grössere Flexibilität und Modularität von Herstellern verlangt», so Michael Kreuzberger, Produktmanager bei SW. «Mit unserem neuen ‹Sfix-System› reagieren wir darauf – und revolutionieren gleichzeitig die Spannvorrichtungstechnik: Durch Automation bringen wir eine höhere Produktivität auch in Produktionslinien mit kleineren Losgrössen.»
Modulares und automatisiertes Spannen
Das «Sfix-System» bietet die Lösung für einen der grössten Zeitfresser beim Spannen kleiner bis mittlerer Produktserien: Während Unternehmen mit hohen Fertigungsvolumina meist spezielle Spannvorrichtungen für jedes ihrer Produkte besitzen, ist dieser Ansatz für kleine Losgrössen unwirtschaftlich. Für viele Hersteller ist die langfristige Lagerung mehrerer verschiedener Vorrichtungen platzbedingt unmöglich und sorgt dafür, dass sich Kosten anhäufen. Entsprechend müssen sie für jede neue Produktserie stets manuell eine neue Spannvorrichtung erstellen. Das «Sfix-System» bietet eine flexible Lösung für diese Herausforderung: Es automatisiert den Zusammenbau der passenden Spanntechnik für jedes Werkstück – und liefert Anwendern mit einer einmaligen Investition eine nahezu unbegrenzte Anzahl an Spannvorrichtungen. Die Basis dafür bildet SWs patentierte «Sfix plate» die zur freien Positionierung von Komponenten mit versenkbaren Stiften ausgestattet ist. An diesen Stiften können dann verschiedene Spannmodule befestigt werden, um die individuell benötigte Spannvorrichtung zu bauen.
Die Vorteile des «Sfix-Systems» gehen aber über die modulare Mechanik hinaus: In der sogenannten «S-Cell», die SW auf seinem Stand auf der EMO präsentierte, wird die jeweilige Spannvorrichtung innerhalb kürzester Zeit vollautomatisiert zusammengestellt. Die Zelle ist dafür mit allen benötigten Spannelementen und Werkstückträgern sowie einem Roboter ausgestattet. Anwender müssen nur im CAD-Modell die Spannpunkte festlegen und die Vorrichtung planen, dann generiert das smarte und KI-gestützte System eine Stückliste der dafür benötigten Elemente und programmiert automatisch den Roboter zum Zusammenbau der Spannvorrichtung. «Mit dem ‹Sfix-System› entfällt die aufwendige manuelle Vorbereitung der Spannvorrichtungen komplett», betont Kreuzberger. «Was früher mehrere Stunden gedauert hat, erledigt die Zelle in wenigen Minuten. Zusätzlich verbraucht die ‹S-Cell› nur wenig Stellfläche – und macht die Lagerung vorhandener grosser Vorrichtungen obsolet.» Wie schnell das System eine Spannvorrichtung zusammenbauen kann, zeigte SW auf der EMO in Live-Demonstrationen.
Neue Maschine für aktuelle Trends
Dank hybridem Maschinendesign eignet sich die neue Werkzeugmaschine «BF 12-21D» ideal für die wirtschaftliche Bearbeitung von druckgegossenen Aluminium-Karosserieteilen.
(Bild: Schwäbische Werkzeugmaschinen GmbH)
Der Messestand von SW bot aber nicht nur Lösungen für kleine Losgrössen: Mit der «BF 12-21D» wartete das Unternehmen auch mit einer neuen Werkzeugmaschine für hohe Fertigungsvolumina auf. Als Teil von SWs «BF»-Baureihe ist die Anlage dabei speziell auf die schnelle Bearbeitung von Rahmen- und Strukturbauteilen ausgerichtet. «Im Automobilbau sehen wir eine klare Entwicklung hin zur Verwendung von Aluminium-Druckgussteilen für die Fahrzeugkarosserie», erklärt Kreuzberger. «Diese Teile benötigen eine geringere Fertigungsgenauigkeit als beispielsweise Getriebe- oder Statorgehäuse. Mit der ‹BF 12-21D› bieten wir ein wirtschaftliches und dynamisches Maschinenkonzept für genau diese Anwendungen.»
Dabei unterscheidet sich die «BF»-Maschinenreihe in ihrem Aufbau von anderen Maschinen SWs: Um den speziellen Marktbedingungen gerecht zu werden, arbeitet sie mit einem hybriden Design, bei dem die X-Achse mit Linearantrieb, die Y- und Z-Achse durch Kugelrollspindeln angetrieben wird. Um auch hohe Anforderungen an die Produktivität problemlos zu erfüllen, setzt SW zudem auf bewährte Doppelspindligkeit: Mit zwei Drei-Achs-Einheiten und je einer Spindel pro Arbeitsraum kann die «BF 12-21D» zwei herkömmliche Einspindler ersetzen – und auf geringerer Stellfläche höheren Output erzielen. Bei Bauteilwechsel in einem Arbeitsraum kann die zweite Spindel im anderen Arbeitsraum für noch höhere Produktivität unterstützen.
Maximaler Output pro Stellfläche
Für maximale Produktivitätsansprüche stellte SW auf der EMO zudem ein bewährtes Bearbeitungszentrum aus: Die «BA 442» zählt zu den schnellsten und nachhaltigsten Maschinen SWs, mit vier Spindeln bringt sie höchste Effektivität pro Fläche bei gleichzeitiger Energieeffizienz. Im Vergleich zu vier Einspindlern können Anwender mit der «BA 442» rund die Hälfte der benötigten Energie sparen und benötigen dabei auch noch deutlich weniger Hallenstellfläche. Dabei sorgt SWs patentierte Monoblockbauweise für hohe Maschinensteifigkeit und entsprechend hohe Genauigkeit. Das Werkzeugmagazin ist mit bis zu 232 Werkzeugen eines der grössten im ganzen SW-Portfolio.
Auf der EMO zeigte die «BA 442» ihre Leistung an zwei unterschiedlichen Anwendungen: Während die eine Tischseite ein Hydraulikventil bearbeitete, präsentierte die andere Tischseite das Freiformflächenfräsen per 5-Achs-Simultanbearbeitung. «Die ‹BA 442› ist für alle Branchen geeignet, in der höchste Produktivität auf hohe Qualitätsansprüche trifft», betont Kreuzberger.
Stand vom 30.10.2020
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