Swissmem Symposium als Impulsgeber

Redakteur: Redaktion SMM

Im August findet zum siebten Mal das Swissmem Sympo­sium statt. Der SMM führte ein Gespräch mit Christo­ph Blättler, Leiter der Fachgruppe Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik vo­n Swissmem, über Sinn und Zweck des Sympo­siums und was der Besucher erwarten darf.

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SMM: Herr Blättler, als Einstieg zwei Sätze zu Ihrem Schlussredner: Sie konnten zum 7. Swissmem Symposium Nicolas G. Hayek als Key-Note-Speaker gewinnen, braucht es wieder vermehrt solche Leitfiguren in der Schweizer MEM-Industrie?Christoph Blättler: Wir sind sehr froh, dass es uns gelungen ist, ihn als Gastredner für das Swissmem Symposium zu gewinnen. Dass er kommt zeigt auch, welche Bedeutung das Symposium hat. Nicolas G. Hayek ist eine Galionsfigur in der Schweizer Wirtschaft. Er verfügt über ausgewiesene Kompetenzen um Unternehmen unter veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Weiter wirkt er stark als ein Motivator und weiss etwas zu bewegen und zu drehen, wenn eine Sache nicht gut läuft. Er sagt vor allem seine Meinung, so hat er auch im Rahmen der Finanzkrise klar Position bezogen. Als Schlussredner wird er mit Sicherheit einige Impulse vermitteln können. Die Uhrenindustrie ist ein ganz wichtiger Industriesektor in der Schweiz, das darf man nicht vergessen.Warum veranstalten Sie das Swissmem Symposium?Blättler: Swissmem ist klar die Institution in der Schweiz, die an den Werkplatz glaubt und ihn fördert. Wir glauben an seine Zukunft. Aber der Werkplatz ist nichts Gottgegebenes. Die ausländische Konkurrenz schläft nie. Wir sollten die Konkurrenz nicht mit künstlichem Protektionismus schwächen, das wäre, wenn wir ehrlich sind, in der kleinen Schweiz auch gar nicht realisierbar. Deshalb muss unsere Industrie der Konkurrenz immer ein zwei Schritte voraus sein, als technologisch hochentwickelter Werkplatz. Wir verfügen in diesem Zusammenhang über eine Tradition die uns hilft, Dinge zu erwirtschaften, die in anderen Kulturkreisen nicht möglich wären. In Anbetracht der derzeitigen Lage müssen die Unternehmen einen besonderen Effort leisten. Wir möchten mit dem Symposium einen unterstützenden Beitrag beisteuern und den Teilnehmern die Möglichkeit geben, sich über erfolgversprechende Ansätze auszutauschen. Wie schätzen Sie die gegenwärtige Lage ein?Blättler: Derzeit ist es eine Navigation im Nebel. Es gibt unterschiedlichste Prognosen. Im Moment kann man noch nicht sagen, ob wir den Tiefpunkt bereits erreicht haben. Gut, es gibt Anzeichen in einigen wenigen Märkten, die darauf hinweisen, dass man wohl unten angekommen ist. Aber das ist mit Vorsicht zu geniessen.

Können Sie da konkreter werden?Blättler: Den Verlauf der wichtigsten chinesischen Werkzeugmaschinenmesse CIMT im April 2009 (China International Machine Tool Show) möchte ich in diesem Zusammenhang erwähnen. Die Resultate der Schweizer Aussteller waren sehr positiv. Einige Aussteller sagten sogar, die Messeresultate wären besser als vor zwei Jahren gewesen. Solche Aussagen kamen von Schweizer WZM-Herstellern, die von der Grösse her nicht ganz unrelevant sind. Ich habe die positive Stimmung in China richtig wahrnehmen können. China traue ich eine Potenz zu, die für die weltweite Wirtschaft erstens relevant und zweitens derzeit absolut positiv ist. China gehört mit Indien aber auch Russland zu Ländern, bei denen andere ordnungspolitische Zustände herrschen, als wie wir es von den USA oder Europa beispielsweise gewohnt sind. Ich denke, das kann für die aktuelle Situation eine Chance sein. Apropos Russland, auch ein russischer Industrievertreter wird einen Vortrag halten. Blättler: Der Direktor des Verbandes der russischen Industriellen und Unternehmer, Andrey Kuznetsov, wird uns einen Einblick geben, was Russland im industriellen Sektor braucht, gerade im Rahmen der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Welche Themengebiete werden zudem aufgegriffen?Blättler: Das übergeordnete Thema ist «Vorwärts in Zeiten des Wandels». Angesichts der aktuellen Wirtschaftslage müssen wir uns Gedanken machen, wie wir in diesem Zusammenhang die Zukunftschancen unseres Werkplatzes Schweiz optimieren. Ganz wichtig in diesem Zusammenhang ist, die Fähigkeit der Unternehmen zur Transformation zu erhöhen, dass sie sich den verändernden Rahmenbedingungen schneller anpassen können. Die Referenten des Swissmem Symposiums 2009 haben wir auf diese Thematik hin spezifisch ausgewählt. Einige Redner erichten aus ihrer eigenen Erfahrung, wie sie in der Vergangenheit mit ähnlich schwierigen Situationen, wie sie derzeit vorherrschen, umgegangen sind. Das beleuchten wir aus unterschiedlichsten Perspektiven.Können Sie uns ein Beispiel nennen?Blättler: Einer unserer Referenten ist Dr. Patrick Hofer-Noser, der CEO des Solartechnologie-Unternehmen 3S (Swiss Solar Systems AG, Lyss). Wie das Unternehmen (Produktionsanlagen für Solarsysteme und Produktion von Solarsystemen) in den Energie-Markt gegangen ist, ist hoch interessant. Dr. Hofer-Noser wird uns in seinem Vortrag aufzeigen, wie man aus einem kleinen ETH-Spinoff ein Unternehmen mit mehr als CHF 300 Millionen Umsatz aufbauen kann, das heute Marktführer in diesem Segment ist. Diese Erfahrungen können für andere CEO durchaus von Interesse sein, auch wenn sie völlig andere Märkte bedienen. Wir sollten Geschäftsführer ermutigen, Ideen aus anderen Anwendungsgebieten seriös auf ihre Tauglichkeit im eigenen Geschäftsfeld zu prüfen.

Haben es Unternehmen, die mit einem neuen Produkt auf den Markt kommen, nicht einfacher erfolgreich zu sein, als z.B. alteingesessene Werkzeugmaschinenhersteller mit jahrzehntelanger Tradition und Erfahrung und Strukturen?Blättler: Ja ganz sicher. Bei einem neu lancierten Produktsegment ist es einfacher auf die aktuellen Marktbedürfnisse zu antworten. Aber gerade mit einem Produktsegment, das bereits sehr gut den Markt durchdrungen hat, ist es wichtig, dass man mit neuen Ideen aufwarten kann, um im Verdrängungswettbewerb erfolgreich zu sein. Aus diesem Grund zeigen wir auch anhand eines klassischen Maschinenbau-Unternehmens auf, wie ein Traditions-Unternehmen sich - in diesem konkreten Fall - zu einem modernen Antriebstechnik-Spezialisten wandeln kann. Sie sprechen das Unternehmen Maag Gear AG an?Blättler: Richtig, mit Michael Kleisli, CEO der Maag Gear AG, wird ein Vertreter des traditionellen Schweizer Maschinenbaus aufzeigen, welche Höhen und Tiefen ein Maschinenbauunternehmen durchleben und gleichwohl erfolgreich und vor allem zukunftsfähig bleiben kann. M. Kleisli wird uns einen interessanten Einblick geben, wie sich das Unternehmen gewandelt hat und es heute noch tut. Dieser Wandel ist bemerkenswert in vielfacher Hinsicht. Heute ist das Unternehmen wieder sehr profitabel, das war nicht immer so. Haben CH-Unternehmen gewisse Vorteile, weil sie eher klein sind und somit flexibler auf die Markt-Veränderungen reagieren können?Blättler: Schweizer Unternehmen sind grösstenteils KMU-geprägt, den Schwerpunkt bilden Unternehmen mit 100 Mitarbeitern oder kleiner. Dadurch sind sie idealerweise auf gewisse Nischen ausgerichtet. Die kleineren Strukturen können in Bezug auf Wandel als Vorteil angesehen werden. Die Unternehmen beherrschen oft sehr spezifische Anwendungen, die gegebenenfalls auf andere Industriebereiche angepasst werden müssen. Das können unsere KMU gut. Die Schweizer Wirtschaft ist sehr international orientiert. Eine Umsichtigkeit im wahrsten Sinne des Wortes, kann langfristig den Erfolg sichern. Die Vielseitigkeit der Schweiz ist sicher eine Art USP, was letztlich vielleicht auch unsere Stärke ausmacht. Bricht ein Ast weg, haben wir weitere Äste, an denen wir uns halten können. Und eine unserer ganz grossen Stärken ist unsere kulturelle Veranlagung, sowohl technologischer als auch linguistischer Art und darüber hinaus. Diese Kulturtechniken müssen wir nutzen, um den zukünftigen Erfolg der Schweizer MEM-Industrie sicherzustellen. Mit dem Swissmem Symposium wollen wir genau das fördern und unserer Schweizer Wirtschaft vielleicht auch ein wenig Mut zum Wandel zusprechen.

Werden auch technologische Trends aufgezeigt?Blättler: Neben einem Überblick über die aktuelle Wirtschaftslage, wie wir die nächsten 18 Monate speziell im Bereich der WZM- und Werkzeug-Branche einschätzen, wird sich ein Vortrag auch auf moderne Technologien konzentrieren. Im Bereich der Fertigungstechnik wird Prof. Konrad Wegener (ETH Zürich und Inspire AG) einige technologische Highlights heraus kristallisieren und aufzeigen, wohin sich die Fertigung entwickeln wird. Was nimmt der Besucher mit nach Hause?Blättler: Man sollte mit einer Handvoll neuer Ideen und mit einer positiveren Einstellung die derzeitigen Herausforderungen angehen können. Der nächste Aufschwung kommt bestimmt. Dann profitiert jenes Unternehmen am meisten, das die aktuelle Periode dafür genutzt hat, sich in eine möglichst optimale Position zu bringen. Wenn die Besucher mit dieser Message rausgehen aus dem Symposium und noch einige Ansätze mitnehmen können, dann haben wir einiges erreicht. Interview und Bilder: Matthias Böhm, Chefredaktor SMM

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