Interview mit Dr. Adriaan Spierings, Swissmem-Ressortleiter «Medical Manufacturing» Knotenpunkt der Schweizer Medtech-Branche

Von Marina Hofstetter 4 min Lesedauer

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Am 14. Januar 2025 wurde der neue Swissmem-Industriesektor «Medical Manufacturing» ins Leben gerufen. Nach dem ersten Jahr zieht Ressortleiter Dr. Adriaan Spierings Bilanz und spricht im Interview darüber, wie Swissmem die medizintechnische Fertigungsindustrie gezielt fördert.

Dr. Adriaan Spierings, Swissmem-Ressortleiter «Medical Manufacturing»: «Vernetzung ermöglicht Innovation, was für die Schweizer Industrie, und insbesondere auch die fertigende Industrie im Medtech-Bereich, der Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg darstellt.»(Bild:  Swissmem)
Dr. Adriaan Spierings, Swissmem-Ressortleiter «Medical Manufacturing»: «Vernetzung ermöglicht Innovation, was für die Schweizer Industrie, und insbesondere auch die fertigende Industrie im Medtech-Bereich, der Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg darstellt.»
(Bild: Swissmem)

Dr. Spierings, der Swissmem-Industriesektor «Medical Manufacturing» wurde im Januar 2025 gegründet. Welche Lehren ziehen Sie aus dem ersten Jahr? Welche Erfolge oder Schwierigkeiten haben diese Startphase geprägt?

Dr. Spierings: Das erste operative Jahr war sehr erfolgreich, sind doch inzwischen 29 industrielle sowie vier assoziierte Partner Mitglied im Sektor. Auch die ersten thematischen Aktivitäten wurden gut besucht. Dies zeigt, dass die Vernetzung der Medtech-Branche mit dem umfassenden Knowhow-Pool im Rahmen der anderen 24 Swissmem-Industriesektoren einem echten Bedürfnis entspricht. Denn gerade diese Vernetzung ermöglicht Innovation, was für die Schweizer Industrie, und insbesondere auch die fertigende Industrie im Medtech-Bereich, der Schlüssel für wirtschaftlichen Erfolg darstellt.

Innovationen vorantreiben

Der Industriesektor «Medical Manufacturing» fördert die Vernetzung seiner Mitglieder mit dem Know-how und den Unternehmen anderer Swissmem-Industriesektoren. Das Ziel besteht darin, dass sie von neuen fertigungstechnischen Lösungen und Technologien für die Medizintechnik profitieren.(Bild: ©  Parilov (Adobe Stock))
Der Industriesektor «Medical Manufacturing» fördert die Vernetzung seiner Mitglieder mit dem Know-how und den Unternehmen anderer Swissmem-Industriesektoren. Das Ziel besteht darin, dass sie von neuen fertigungstechnischen Lösungen und Technologien für die Medizintechnik profitieren.
(Bild: © Parilov (Adobe Stock))

Das zentrale Ziel des Swissmem-Industriesektors «Medical Manufacturing» ist die Vernetzung seiner Mitglieder mit dem umfassenden Know-how der Swissmem-Mitgliedsunternehmen aus anderen Industriesektoren. Die Schweizer Unternehmen, die sich in den 25 Industriesektoren von Swissmem organisieren, treiben Innovationen in der Fertigungstechnik voran – ein enormes Potenzial, von dem insbesondere die Medizintechnikbranche profitieren kann. Denn Innovation zeigt sich nicht nur in neuen Produktfunktionen, sondern auch in fortschrittlichen Fertigungs- und Prozesstechnologien, die Optimierungsmöglichkeiten in Bereichen wie Struktur- und Oberflächenbeschaffenheit sowie in der gesamten Fertigungsprozesskette bieten – mit positiven Effekten auf Effizienz und Kosten.

Weitere Informationen

Inwieweit wirken sich die jüngsten Handelsspannungen, insbesondere im Zusammenhang mit den von den Vereinigten Staaten verhängten Zöllen, auf die Mitglieder des Industriesektors «Medical Manufacturing» aus, und welche Massnahmen ergreift Swissmem, um die Interessen dieses Sektors zu vertreten?

Dr. Spierings. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 stiegen die Medtech-Exporte in die USA gegenüber der Vorjahresperiode um 5,9 Prozent. Die am 7. August eingeführten Zusatzzölle in Höhe von 39 Prozent haben diese positive Entwicklung abrupt beendet. Insgesamt gingen die Medtech-Exporte in die USA im dritten Quartal 2025 gegenüber dem Vorjahresquartal um 8,1 Prozent zurück. Dies zeigt die zerstörerische Wirkung der US-Zölle.

Die Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte Technologiebranchen) ist auf einen möglichst hindernisfreien Zugang zu den Weltmärkten angewiesen. Auf die Zollpolitik der USA hat Swissmem keinen Einfluss. Hingegen setzt sich Swissmem vehement für neue Freihandelsabkommen ein. Derzeit stehen die Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten, Thailand und Malaysia im Vordergrund. Diese müssen rasch ratifiziert werden. Zudem müssen die bestehenden Abkommen mit China, Japan und Mexiko verbessert werden.

Wie ist der aktuelle Stand des Rahmenabkommens zwischen der Schweiz und der EU, und welche Rolle spielt Swissmem bei der Aufrechterhaltung eines reibungslosen Zugangs zum europäischen Markt?

Dr. Spierings: Die EU ist der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt der Schweizer Tech-Industrie. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 gingen 57 Prozent der Güterexporte in die EU. Für die Tech-Branche ist deshalb ein möglichst hindernisfreier Zugang zum EU-Binnenmarkt von zentraler Bedeutung. Swissmem setzt sich für die Weiterentwicklung des bilateralen Weges ein. Entsprechend hat der Swissmem-Vorstand dem neuen Vertragspaket mit der EU einstimmig zugestimmt. Diese Zustimmung ist jedoch an die Bedingung geknüpft, dass der liberale Arbeitsmarkt gewahrt bleibt.

Wie unterstützt Swissmem seine Mitglieder generell dabei, die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Branche zu erhalten?

Dr. Spierings: Swissmem unterstützt ihre Mitgliedsfirmen mit kostenloser Rechts- und Fachberatung in allen Sprachregionen. Sie erhalten exklusiven Zugang zu fachspezifischen Netzwerken und Informationen aus der Branche. Darüber hinaus profitieren die Mitgliedsfirmen von Aus- und Weiterbildungen zu Vorzugspreisen und erhalten massgeschneiderte Unterstützung bei der digitalen Transformation. Im Weiteren setzt sich Swissmem auf politischer Ebene für gute Rahmenbedingungen für die Tech-Industrie ein und stärkt das Image der Branche in den Medien und in der Öffentlichkeit. Um engagierte Berufsleute für die Branche zu gewinnen, investiert Swissmem viel in die Förderung von Fachkräften auf allen Bildungsstufen. Der Industriesektor «Medical Manufacturing» fördert die Vernetzung seiner Mitglieder mit dem Know-how und den Unternehmen anderer Swissmem-Industriesektoren. Das Ziel besteht darin, dass sie von neuen fertigungstechnischen Lösungen und Technologien für die Medizintechnik profitieren. Darüber hinaus engagiert sich der Industriesektor für die Anwendung digitaler Technologien in der Fertigung und Regulation, insbesondere im Rahmen des Vereins «Swiss Network for Digital Medical Regulation».

Zu Beginn des zweiten Jahres des Bestehens des neuen Industriesektors: Welche strategischen Prioritäten verfolgen Sie für 2026? Wo sehen Sie die grössten Wachstums- und Kooperationsmöglichkeiten für die Schweizer Medtech-Branche?

Dr. Spierings: Der Industriesektor «Medical Manufacturing» wird im Jahr 2026 seine Aktivitäten weiter verstärken. Insbesondere sind weitere thematische Netzwerkveranstaltungen mit Unternehmen aus anderen Swissmem-Industriesektoren geplant, beispielsweise zum Thema «Photonik in der Medizintechnik». Zudem steckt ein strategisches Potenzial in der Vernetzung der Schweizer Start-up-Szene mit den Mitgliedsunternehmen des Industriesektors, um deren Expertise, Methoden und Prozesse in neuen, innovativen Anwendungsfeldern und Produkten anzuwenden.

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