Weltraum- und Teilchenphysikforschung als Innovationsmotor

Technologien von Cern und Esa nun zugänglich

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Hochpräzise Lokalisierung für Fussballfeld oder Logistik

Eine exakte Analyse von Ballkontakten, Laufwegen und Passquote – was bisher nur nach aufwendiger Nachbereitung durch die TV-Sender zu ermitteln war, kann künftig von Profi- und Amateurmannschaften erhoben und über eine Cloud-basierte App in Echtzeit auf dem Tablet oder dem Smartphone ausgegeben werden.

Möglich macht dies das auf den Ergebnissen der Weltraumforschung basierende Lokalisierungssystem «Kinexon One» der Münchner Kinexon GmbH. Kern des Systems ist ein kleiner Sensor, mit dem sich erstmals eine zentimetergenaue 3D-Lokalisierung und Bewegungserfassung, selbst in geschlossenen Räumen, realisieren lässt.

Über die Datenerhebung im Sport oder etwa den Drohnenflug im Logistikzentrum hinaus ist für das Lokalisierungssystem künftig eine Vielzahl weiterer Anwendungen denkbar. So wird es z. B. im industriellen Bereich möglich sein, Ort und Bewegung von Teilen und Werkzeugen zu erfassen, komplexe Produktionsprozesse zu automatisieren und somit die Effizienz in der Fertigung zu steigern.

Neue Sensortechnik

Gestochen scharfe Röntgenbilder mit einem handlichen Gerät erstellt – was gestern noch Zukunftsmusik war, wird heute durch die am Cern entwickelte Photonenmesstechnik (Medipix) marktfähig.

Das Freiburger Unternehmen X-Ray Imaging Europe GmbH realisierte auf dieser Basis hocheffiziente Sensoren, die Gamma- und Röntgenstrahlen messen können. Dadurch müssen bei Werkstoffprüfungen keine Materialien mehr zerstört werden. Zudem kann die mobile Technologie bei der Messung von Gammastrahlung in Kernkraftwerken eingesetzt und bei deren Rückbau verwendet werden.

Die Röntgendetektoren der Freiburger werden auch in der vom Fraunhofer Entwicklungszentrum Röntgentechnik (EZRT) entwickelten, tragbaren Computertomographieanlage «CTportable» eingesetzt. Die Geräte können flexibel verwendet werden und hochdetaillierte CT-Aufnahmen erstellen, bei einer nur geringen Strahlendosis.

UHV-Kollektoren ermöglichen Erwärmung und Kühlung

Einen wichtigen Durchbruch im Bereich Solarenergie hat SRB Energy erzielt. Die UHV(Ultra Hohes Vakuum)-Solarkollektoren der Genfer geben aufgrund ihrer hocheffizienten Vakuumtechnologie deutlich weniger Wärme nach aussen ab und können so trotz ihrer kompakten Bauweise wesentlich höhere Temperaturen erreichen als marktübliche Anlagen (bis zu 300 Grad).

Diese hohen Temperaturen machen es zudem möglich, dass nicht nur die Erwärmung, sondern auch die Kühlung von Räumen oder technischen Anlagen durch die UHV-Solarkollektoren realisiert werden kann (so praktiziert u. a. am Cern in Genf). «Die im Sommer durch die UHV-Kollektoren gesammelte Energie wird bei uns in einem Warmwasserreservoir bei 95 Grad Celsius gespeichert. Mit ihr erwärmen wir das Wasser, das wir im sanitären Bereich benötigen, und speisen damit gleichzeitig eine Absorptionskältemaschine, die unser Kaltwasserreservoir auf sechs bis ein Grad abkühlt», erklärt Dr. Helfried Burckhart, Energiekoordinator am Cern.

Solarthermielösungen: auch für die Industrie interessant

Grosse Hitze bei hoher Effizienz – diese Attribute machen die UHV-Kollektoren auch für die industrielle Anwendung interessant. Die Firma Colas in Lausanne nutzt die Kollektoren, um Teer, der für den Strassenbau genutzt wird, bei konstant 160 Grad flüssig zu halten. Auch auf dem Dach des Genfer Flughafens wurden UHV-Kollektoren mit einer Fläche von über 1200 Quadratmeter installiert, ebenfalls zur Erwärmung und Kühlung von Räumen und technischen Anlagen. <<

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