Tornos wieder auf Kurs
>> Die Tornos-Gruppe sieht die Wirtschaftskrise überstanden. Das Unternehmen musste im Zeitraum von 2007 bis 2009 Umsatzeinbrüche von 60% verkraften. Nun steigen die Umsätze und Ergebnisse wieder, sind aber noch stark durch die Krise geprägt.
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Per 31. Dezember 2010 liess die Tornos-Gruppe die dreijährige Rezession hinter sich, unter der sie seit Anfang 2008 gelitten hatte. Die Talsohle des Konjunkturzyklus war Mitte 2009 erreicht. Seit dem ersten Quartal 2010 war ein positiver Trend zu verzeichnen, der sich im Laufe des Geschäftsjahres kontinuierlich fortsetzte, so dass das Jahr mit einer Geschäftstätigkeit auf einem ähnlichen Niveau wie vor der Rezession abschloss. Die Krise ist inzwischen überwunden und der Aufschwung ist robust. 2010 gingen 2,5-mal so viele Aufträge ein wie 2009. Unter Berücksichtigung der Verzögerung zwischen Auftragseingang und Fakturierung wurden die Auswirkungen der konjunkturellen Erholung auf die Finanzergebnisse bedauerlicherweise erst gegen Jahresende spürbar. Angesichts dieser Rahmenbedingungen war das Geschäftsjahr 2010 stark defizitär. Die Umsätze nahmen um 40 % zu und stiegen von CHF 114,4 Mio. im Jahre 2009 auf CHF 160,1 Mio. im Jahre 2010. Der absolute Vergleichswert liegt jedoch nur knapp über der Hälfte des Jahresumsatzes von vor der Krise. Unter finanziellen Gesichtspunkten herrschte in den ersten drei Quartalen also noch ein von der Rezession geprägtes Klima. Erst das vierte Quartal konnte von der konjunkturellen Erholung profitieren und wies einen leicht positiven EBIT aus. Die EBIT-Marge profitierte von der Zunahme der Geschäftstätigkeit, blieb jedoch mit –8,4 % stark negativ im Vergleich zu –26,7 % im Jahre 2009. Das Geschäftsjahr schloss mit einem Verlust von CHF 18,1 Mio. im Vergleich zu einem Verlust von CHF 29,6 Mio. im Jahre 2009. Das Eigenkapital entsprach per 31.12.2010 mit CHF 111,5 Mio. 53,0 % der Bilanzsumme von CHF 210,5 Mio. Zu diesem Datum belief sich die Nettoverschuldung der Gruppe auf CHF 38,7 Mio.
Alle Märkte legen wieder zu
Das Jahr 2010 war von einem beschleunigten Wachstum der Geschäftstätigkeit geprägt. Dieser positive Trend zeichnete sich bereits Anfang 2010 ab. Der Aufschwung war zuerst in Asien spürbar, dann dank der Medizintechnik in den USA, gefolgt von den südlichen Ländern Europas dank der Automobilindustrie. Im zweiten Halbjahr wurde der Aufschwung auch in den anderen europäischen Ländern deutlich und zum Ende des Jahres entwickelten sich alle Regionen in einem günstigen konjunkturellen Rahmen. Bei den verschiedenen Marktsegmenten war eine ganz ähnliche Entwicklung zu beobachten, wenngleich mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung. Der von der Rezession am wenigsten betroffene Medizinbereich war schon zu Beginn des Jahres wieder auf ein normales Niveau zurückgekehrt. Im Automobilbereich war die Geschäftstätigkeit bereits im ersten Quartal zufriedenstellend und entwickelte sich stark während der folgenden Quartale. Die Elektronik- und Mikrotechnikmärkte, insbesondere die Uhrenindustrie, erholten sich erst gegen Ende des Jahres wieder. So endete der Berichtszeitraum mit einer allgemein positiven Konjunktur.
Konjunktur und Strategie
Die Konjunkturkrise, die die Gruppe nunmehr gemeistert hat, hatte nie gekannte Ausmasse; die Umsätze gingen zwischen 2007 und 2009 um über 60 % zurück. Tornos definierte vier Hauptziele als Antwort auf diese Krise: Aufrechterhaltung des Know-hows, der Produktionskapazität, der geografischen Präsenz und der gleichzeitigen Fortführung der Entwicklungstätigkeit der Gruppe. Diese Strategie verlangte massive Kurzarbeit und ging mit Verlusten in den Geschäftsjahren 2009 und 2010 einher. Im Gegenzug bot sie aber auch die Möglichkeit, bei den ersten Anzeichen eines Aufschwungs die Geschäftstätigkeit unverzüglich anzukurbeln und mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit der Gruppe sichern zu können.
Wie stellt sich nun 2010 dar? Mitte des abgelaufenen Jahres setzte die konjunkturelle Wende ein und der Aufschwung erfolgte tatsächlich nahezu ebenso plötzlich wie zuvor der Absturz. Die erneute Ingangsetzung der Produktion verlief problemlos. Seit dem vierten Quartal läuft sie auf Hochtouren und trotzdem können die Lieferfristen und Qualitätszusagen gegenüber den Kunden eingehalten werden. Die Krisenzeit wurde für die Entwicklung neuer Produktplattformen genutzt, so dass die Produktpalette bereits 2011 um mehrere Maschinen erweitert werden wird.
Die Krise 2008–2010 hat jedoch ganz klar gezeigt, dass das Globalisierungszeitalter Krisen in bisher ungekanntem Ausmass auslöst, die auch für die Zukunft nicht ausgeschlossen werden können. Die Gruppe hat daraus gelernt und arbeitet an einem immer flexibleren Geschäftsmodell, mit dem künftig Fluktuationen zwischen zwei Geschäftsjahren von 60 % bewältigt werden können statt der 40 %, mit denen bisher geplant und gerechnet wurde.
Prognosen 2011
Unter der Annahme einer stabilen Konjunktur auf dem Niveau des Jahresendes 2010 liegt das Umsatzziel der Gruppe für 2011 in einer Bandbreite von CHF 250 Mio. bis CHF 300 Mio. Im Rahmen dieses Szenarios und unter dem Vorbehalt, dass die Geschäftstätigkeit der Gruppe sehr zyklisch und volatil ist, werden stark positive Ergebnisse erwartet, die jedoch durch die Entwicklung der Wechselkurse in hohem Masse beeinflusst werden können. <<
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