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Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf der ökonomischen und gleichzeitig ökologischen Automatisierung, die unter der griffigen Bezeichnung «Ecomation» zur Nachhaltigkeit von Fertigungsprozessen beitragen soll. Wie das funktioniert, erklärt Professor Heisel so: «Die ökonomische, d.h. unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtete Fertigung steht in ständiger Wechselwirkung mit der ökologischen Betrachtung der ihr zugrunde liegenden Fertigungsprozesse. Die ausschliessliche Betrachtung der wirtschaftlichen Verbesserung der Fertigungsprozesse hat voraussichtlich auch eine Verbesserung der ökologischen Zusammenhänge zur Folge und umgekehrt.» Daraus folge, dass die Automatisierung von Fertigungsprozessen unter Berücksichtigung sowohl ökonomischer als auch ökologischer Fragestellungen «eindeutig zur Nachhaltigkeit dieser Fertigungsprozesse beiträgt».
Umweltgerechte Fertigung durch Rekonfigurierbarkeit
Eine besondere Rolle komme dabei auch der Rekonfigurierbarkeit der Maschinen zu. Sie habe unter anderem zum Ziel, Schwankungen in der Auftragslage produzierender Unternehmen abzufedern: «Sie soll die ständige und rasche Veränderung der Fertigungsaufgaben, des Kapazitätsbedarfs und der eingesetzten Bearbeitungstechnologien ermöglichen – und natürlich auch die Planungs- und Reaktionszeiten bedarfsgerecht auf den jeweils vorliegenden Anwendungsfall verkürzen.» Jedoch stelle eine ökonomische und gleichzeitig ökologische Fertigung, so Heisel, «keine besonderen Anforderungen an die Rekonfigurierbarkeit von Maschinen, vielmehr ist die umweltgerechte Fertigung die Folge der Rekonfigurierbarkeit».
Um sowohl auf den Binnenmärkten als auch im asiatischen Wettbewerb langfristig bestehen zu können, ist die ökonomische und gleichzeitig ökologische Automatisierung von Werkzeugmaschinen, Fertigungssystemen und kompletten Fabrikstrukturen für europäische Hersteller nach Einschätzung des Werkzeugmaschinen-Professors «ein sehr guter Weg» – insbesondere deshalb, weil «das hierzu notwendige technische Wissen zur Umsetzung dieser doch recht komplexen Produktionssysteme zu einem grossen Teil in Europa vorhanden ist».
Fabrik als sozio-technisches System
Die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Produktion und die Nachhaltigkeit im Bereich Ökonomie und Ökologie aber auch im gesellschaftlichen Bereich seien die wichtigsten Anliegen unserer Zeit. Die veränderte Altersstruktur der Belegschaft sei hier ebenso ein Thema wie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf – auch für Männer: «Wir müssen die Produktion so gestalten, dass die Menschen sich jeweils optimal einbringen können. Die Fabrik muss als soziotechnisches System stets am optimalen Betriebspunkt arbeiten.»
Grundsätzliche Unterschiede zwischen den Fertigungsphilosophien Asiens und Europas – etwa «Chaku-Chaku vs. Verfahrensintegration» – sieht Heisel eher nicht: «Der japanische Begriff ‚Chaku-Chaku’ – frei übersetzt ‚Laden-Laden’ – hat sich auch in Deutschland als mögliche Variante der Fliess- oder Reihenproduktion eingebürgert.» Hier stehen alle an der Produktion eines Erzeugnisses beteiligten Arbeitsplätze dem Objektprinzip folgend so nebeneinander, dass möglichst kurze Wege zwischen ihnen möglich sind. Die Grundlage dabei ist eine Mehrmaschinenarbeit, d.h. der Maschinenbediener arbeitet an mehreren Maschinen, in der Regel indem er sie mit Material beschickt und Fertiges entnimmt. Die Maschinen selbst arbeiten im Übrigen selbständig ohne Zutun der Bediener. Der Unterschied zur Verfahrensintegration oder Komplettbearbeitung, so Heisel, «besteht lediglich darin, dass noch mehr Bearbeitungsverfahren im Sinne der Komplettbearbeitung in einer Maschine integriert werden. So werden die Wege zwischen den Maschinen noch kürzer, weil es schlicht weniger Maschinen gibt.»
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