Die Schweizer Tech-Industrie durchlebte ein schwieriges Jahr 2023. Die weitere Geschäftsentwicklung sei laut Swissmem schwierig einzuschätzen. Erste Lichtblicke scheinen sich jedoch abzuzeichnen.
Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem, während der Jahresmedienkonferenz am 29.2.2024: «Der Grossteil der Firmen ist mit gut gefüllten Auftragsbüchern in den Abschwung gestartet. Davon zehrten sie im vergangenen Jahr, was den Umsatzrückgang in Grenzen gehalten hat. Der markante Rückgang bei den Auftragseingängen ist jedoch besorgniserregend. Die Firmen haben aber trotz dieser schwierigen Situation noch nicht in grossem Umfang mit Kurzarbeit oder gar Entlassungen reagiert. Sie brauchen ihre Fachkräfte, um weiterhin mit Innovationen, Automation und Schweizer Qualität dem widrigen Umfeld zu trotzen.»
(Bild: VCG / Nastassja Neumaier)
Die Umsätze in der Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metall-Industrie sowie verwandte Technologiebranchen) sanken 2023 im Vergleich zum Vorjahr um –0,8 Prozent. Dieser Rückgang sieht auf den ersten Blick nicht dramatisch aus. Inflationsbereinigt liegt er aber deutlich höher. Zudem akzentuierte sich der Umsatzrückgang gegen Ende 2023 und erreichte im vierten Quartal –2,7 Prozent im Vergleich zur Vorjahresperiode. Die generell noch guten Auftragsbestände aus dem Vorjahr sollen einen markanteren Umsatzeinbruch verhindert haben.
Die Auftragseingänge reduzierten sich im Vergleich zu Vorjahr um markante –8,4 Prozent. Die negative Dynamik bei den Auftragseingängen hat sich gegen Ende Jahr allerdings verlangsamt. Im vierten Quartal 2023 lagen sie –3,6 Prozent unter dem Stand der Vorjahresperiode und damit klar über dem Vorquartal.
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Die Kapazitätsauslastung erreichte im vierten Quartal 2023 87,1 Prozent und war damit noch leicht über dem langjährigen Mittel von 86,2 Prozent.
Die Anzahl der Mitarbeitenden in der Tech-Industrie betrug im vierten Quartal 2023 331 900. Die Beschäftigung lag damit +1,7 Prozent über der Vorjahresperiode und nur 500 Stellen unter dem Vorquartal.
Die Güterexporte der Tech-Industrie sanken 2023 im Vergleich zum Vorjahr um –2,6 Prozent und erreichten einen Wert von 70,5 Milliarden Franken. Bei den wichtigsten Warengruppen reduzierten sich die Exporte bei den Metallen um –9,0 Prozent, bei den Präzisionsinstrumenten um –2,0 Prozent und im Maschinenbau um –1,1 Prozent. Einzig bei der Elektrotechnik/Elektronik erfolgte ein leichtes Exportwachstum von +0,4 Prozent.
Alle wichtigen Absatzregionen entwickelten sich negativ. So reduzierten sich die Ausfuhren in die USA um –5,6 Prozent, nach Asien um –3,2 Prozent und in die EU um –2,4 Prozent. Besonders Deutschland, der wichtigste Absatzmarkt, schwächelte. Sein Anteil an den Gesamtexporten ist im vierten Quartal auf unter 23 Prozent gefallen. Nur wenige Märkte legten zu. So stiegen z. B. die Ausfuhren nach Indien um +7,9 Prozent. Auch die jüngste Entwicklung der Güterausfuhren nach China sei erfreulich. Sie erhöhten sich im vierten Quartal 2023 gegenüber der Vorjahresperiode um +9,3 Prozent.
Ungewisse Aussichten für die Tech-Industrie
Die Schwierigkeiten im vergangenen Jahr seien primär auf die Industrierezession in praktisch allen wichtigen Märkten zurückzuführen. Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem, schätzt die Lage wie folgt ein: «Der Grossteil der Firmen ist mit gut gefüllten Auftragsbüchern in den Abschwung gestartet. Davon zehrten sie im vergangenen Jahr, was den Umsatzrückgang in Grenzen gehalten hat. Der markante Rückgang bei den Auftragseingängen ist jedoch besorgniserregend. Die Firmen haben aber trotz dieser schwierigen Situation noch nicht in grossem Umfang mit Kurzarbeit oder gar Entlassungen reagiert. Sie brauchen ihre Fachkräfte, um weiterhin mit Innovationen, Automation und Schweizer Qualität dem widrigen Umfeld zu trotzen.»
Wie sich das laufende Jahr entwickeln wird, sei schwierig einzuschätzen. Martin Hirzel, Präsident Swissmem, kommentiert: «Der Rückgang bei den Auftragseingängen hat sich im vierten Quartal 2023 abgeschwächt. Zusammen mit dem leicht positiven Trend bei den Einkaufsmanagerindices und den jüngsten Korrekturen bei der Währung schürt dies die Hoffnung, dass die Talsohle des Abschwungs Mitte dieses Jahres erreicht sein könnte, wenn sich diese Entwicklungen fortsetzen.»
Diese vorsichtig positive Erwartung teilen auch die Swissmem-Mitgliedfirmen. Für die kommenden zwölf Monate rechnen 27 Prozent der befragten Firmen mit steigenden Aufträgen aus dem Ausland. Das sind sieben Prozentpunkte mehr als noch im vergangenen Herbst. Wachstumsimpulse erwarten sie vor allem aus Indien, China, Deutschland und den USA. Dem gegenüber rechnen weiterhin 37 Prozent der Unternehmen mit sinkenden Aufträgen.
«Die Lage ist sehr fragil», warnt Hirzel. «Der Schweizer Franken ist gegenüber dem Euro im Vergleich zur Kaufkraftparität nach wie vor um rund 5 Prozent überbewertet. Ein erneuter Aufwertungsschub oder ein durch politische Ereignisse ausgelöster Schock könnte die Abwärtsspirale umgehend wieder verstärken.»
Marktzugang, Marktzugang, Marktzugang!
Die Schweizer Tech-Industrie exportiert fast 80 Prozent ihrer Produkte. Der Zugang zu den globalen Absatzmärkten ist für sie die Schlüssel-Rahmenbedingung.
Mit dem Freihandelsabkommen mit Indien (siehe Infokasten) fügt sich ein grosses und wichtiges Element in das Netzwerk der Schweizer Freihandelsverträge ein.
Stand vom 30.10.2020
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Swissmem wird den Bund bei Verhandlungen zu möglichen weiteren FHA unterstützen. Der nächste wichtige Schritt sei der Abschluss eines Abkommens mit den Mercosur-Staaten. «Wenn die USA und die EU auf Protektionismus und Subventionen setzen, ist dies der pragmatische Ansatz für die Schweiz mit ihrer kleinen, offenen Volkswirtschaft», ergänzt Hirzel.
Zudem seien Fortschritte im Verhältnis zur EU unerlässlich. «Swissmem unterstützt mit Nachdruck die Verhandlungen der Schweiz mit der EU über die Bilateralen III», unterstreicht Hirzel. «Die EU bleibt auch auf lange Sicht der wichtigste Handelspartner der Schweiz. Die Tech-Industrie ist auf stabile Beziehungen zur EU angewiesen.»
Freihandelsabkommen mit Indien
Riesige Chance für die Schweizer Tech-Industrie
Swissmem begrüsst den Abschluss des Freihandelsabkommens (FHA) mit Indien. Es verbessere die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Tech-Industrie in diesem wichtigen Wachstumsmarkt erheblich, da Zölle von bis zu 22 Prozent wegfallen.
Dies gilt insbesondere gegenüber den Konkurrenten aus China, Grossbritannien, der EU und den USA, die noch kein solches Abkommen abschliessen konnten. Das FHA eröffne zusätzliche Marktchancen in einem Land mit 1,4 Milliarden Einwohnern. Davon sollen auch KMU profitieren, die nicht die Möglichkeit haben, vor Ort eine Produktion aufzubauen. Das FHA stärke so den Werkplatz Schweiz und sichere dessen Arbeitsplätze. Zugleich stütze es über den Export von Hochtechnologie-Produkten den Fertigungshub Indien und schaffe dort neue Jobs.
Für die Schweizer Tech-Industrie (Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie sowie verwandte Technologiebranchen) ist Indien ein wichtiger Absatzmarkt. Kein anderer grosser Markt wies in den vergangenen drei Jahren eine vergleichbare Wachstumsdynamik auf. Das Exportvolumen ist zwischen 2020 und 2023 kumuliert um 60 Prozent gewachsen (2020: CHF 636 Mio. / 2023: CHF 1022 Mio.).
Stefan Brupbacher, Direktor Swissmem, ist sehr erfreut: «Das Freihandelsabkommen mit Indien ist für die Export-Unternehmen ein Lichtblick in einer schwierigen Phase. Es bringt eine konkrete und langfristig wirkende Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Schweizer Tech-Industrie. Es zeigt zudem, dass mehr Freihandel auch in Zeiten verstärkter globaler Blockbildung möglich ist. Das ist ermutigend.»
Aktuelle Zölle von 8 bis 22 Prozent
Heute seien Schweizer Exportfirmen auf dem indischen Markt mit erheblichen Marktzugangshürden konfrontiert. Aktuell bewegen sich die Importzölle auf Güter der Schweizer Tech-Industrie zwischen 8 und 22 Prozent.
Mit dem nun abgeschlossenen FHA werden die Zölle je nach Produkt beseitigt, innerhalb der nächsten Jahre schrittweise aufgehoben oder substanziell reduziert. Der Abdeckungsgrad bei den Industriegütern beträgt rund 95 Prozent. Das Vertragswerk bringe den Schweizer Firmen Wettbewerbsvorteile gegenüber Konkurrenten aus China, Grossbritannien, der EU und den USA, die alle noch kein FHA abschliessen konnten.
Martin Hirzel, Präsident Swissmem, betont: «Das Freihandelsabkommen mit Indien eröffnet insbesondere für KMU neue Marktchancen – dies primär über Exporte, mittelfristig aber auch durch den Aufbau einer eigenen Produktion vor Ort. Auch Indien wird profitieren, denn das Abkommen soll Investitionen von Schweizer Firmen in Indien fördern. Es schafft somit Arbeitsplätze und Wohlstand in beiden Ländern. Zudem kann Indien dank dem erleichterten Import von technologisch führenden Maschinen, Anlagen und elektronischen Geräten aus der Schweiz und Direktinvestitionen von Schweizer Tech-Firmen erfolgreich seinen Weg zum globalen Fertigungshub weitergehen.»
Freihandel stärkt den Werkplatz Schweiz
Die Schweizer Tech-Industrie exportiert fast 80 Prozent ihrer Güter und Dienstleistungen. Sie ist auf einen möglichst hindernisfreien Zugang zu den globalen Absatzmärkten angewiesen.
Der Heimmarkt sei viel zu klein, um den Fortbestand der Tech-Betriebe mit deren 330 000 Arbeitsplätzen in der Schweiz zu sichern. Deshalb sind Freihandelsabkommen von zentraler Bedeutung. Sie ermöglichen einen Abbau von Zollschranken und nicht-tarifären Handelshemmnissen. Schweizer Exportfirmen gewinnen dadurch in den jeweiligen Absatzmärkten an Wettbewerbsfähigkeit. Das eröffnet neue Marktchancen und sichert in der Schweiz die Arbeitsplätze in der Exportindustrie und deren zahllosen Zulieferbetrieben.
Gleichzeitig führen vertiefte Handelsbeziehungen zum Ausbau der Präsenz von Schweizer Firmen vor Ort. So beschäftigen Schweizer Tech-Industriefirmen bereits heute über 550 000 Mitarbeitende im Ausland. Gerade Indien mit seinem grossen Potential und seinem enormen Markt kann darauf zählen, dass mit guten Rahmenbedingungen Schweizer Investitionen vor Ort stark zunehmen werden. Damit schafft das Freihandelsabkommen eine Win-win-Situation.