Die United Grinding Group hat auf der diesjährigen Grinding Hub eine neue Automatisierungslösung im Bereich der Werkzeugbearbeitung präsentiert. Der Messeauftritt stand unter dem Motto «Stay Connected» und legte den Fokus auf Lösungen zur Konnektivität.
ATP-System von Walter mit der Schleifmaschine Helitronic Vision 400 L und der Messmaschine Helicheck Plus (beide mit ATP Robocell) sowie dem mobilen Transportroboter ATP AMR.
(Bild: United Grinding Group)
Zahlreiche Besucherinnen und Besucher haben sich am ersten Messetag zur Enthüllung der Walter-Neuheit auf dem Messestand der United Grinding Group eingefunden. Um 10 Uhr fielen die Hüllen und gaben den Blick frei auf einen mobilen Transportroboter, der völlig autonom zwischen der High-End-Werkzeugschleifmaschine Helitronic Vision 400 L und der vollautomatischen Messmaschine Helicheck Plus pendelte. Diese innovative Automatisierungslösung trägt den Namen «Automated Tool Production (ATP)» und erlaubt die automatische Be- und Entladung von zylindrischen Präzisionswerkzeugen. Das System besteht mindestens aus einer von vorne zugänglichen Roboterzelle und einem mobilen Transportroboter, der Werkstückpaletten und Einzelteile zwischen den Lager- und Bearbeitungsstationen transportiert. Das neue System lässt sich problemlos in bestehende Anlagen integrieren und kann nicht nur mit Walter-Maschinen, sondern auch mit Maschinen von Drittanbietern verbunden werden.
«Automated Tool Production (ATP)»
Effizienzsteigerung, Wettbewerb und Fachkräftemangel machen einen höheren Automatisierungsgrad in der industriellen Produktion zwingend erforderlich. Das neue System «Automated Tool Production (ATP)» von Walter benötigt keine zusätzlichen Stellflächen, ist in bestehende Anlagenlayouts integrierbar und eignet sich ebenso als Schnittstelle für Maschinen anderer Hersteller. Für die Entwicklung dieser Automatisierungslösung setzte Walter auf die Zusammenarbeit mit starken Partnern. Die Steuerung des Systems basiert auf dem OPC-UA-Datenmodell Flames. Es besteht aus mindestens einer von vorne zugänglichen Roboterzelle (ATP Robocell) für die automatische Be- und Entladung der Maschinen und wenigstens einem autonomen, mobilen Transportroboter (ATP AMR) zum Transport der Werkstückpaletten und Einzelteile zwischen den Lager- und Bearbeitungsstationen. Dazu zählen auch ein standardisiertes Kommunikationsmodell zwischen Maschinen und Transportroboter ATP AMR sowie ein Leitsystem für die übergeordnete Daten- und Prozesssteuerung.
Maximale Flexibilität
Kunden von Walter können das ATP-System problemlos in ihre bestehenden Produktionen nachrüsten, ohne das bestehende Anlagenlayout zu ändern und unabhängig vom Automatisierungsanbieter. Werkzeughersteller, deren Produktion bisher ohne Maschinen von Walter arbeitet, können das ATP-System ebenfalls in die bestehende Produktion einbinden lassen.
Die von vorn zugängliche ATP Robocell bietet 3 Schleusen und somit zusätzliche Pufferplätze für eine Produktion ohne Wartezeiten, oder sogar Stillstand. Ein separater Entnahmeplatz zum Inprozess-Austausch von Einzelteilen zwischen Mess- und Bearbeitungsmaschine ermöglicht die automatische Korrektur und somit komplette Closed-Loop-Prozesse. In der ATP Robocell trägt ein Mehrbereichsgreifer zur hohen Flexibilität des Systems bei. Er deckt ohne Wechsel der Greifereinheit einen grossen Werkstückdurchmesserbereich ab und kann gleichzeitig die Spannzangen austauschen.
«In enger Zusammenarbeit mit starken Partnern haben wir dieses innovative System entwickelt. Unser Know-how in der Werkzeugbearbeitung und -vermessung und das Know-how unserer Partner in der Automatisierung bieten nun den Kunden eine Automatisierungslösung, die in jeder Hinsicht State of the Art ist», erklärt Simon Kümmerle, Strategic Product Manager Grinding Technology bei Walter.
Darüber hinaus überrascht Walter mit einer weiteren Innovation und eröffnet ein neues Kapitel in der Geschichte der Werkzeugbearbeitung mit der Einführung der Lasertechnologie auf Basis der neuen Vision-Laser-Maschine. Das Hauptanwendungsgebiet der neuen Maschine ist die Bearbeitung von plattenbelegten Schneidwerkzeugen. Durch Einsatz eines innovativen, hochgradig zuverlässigen und industrieerprobten Lasersystems gepaart mit gekapselten Optik-Modulen wird eine sehr hohe Verfügbarkeit der Maschine im Alltagsbetrieb ermöglicht.
«Stay Connected»
Neben diesen Neuheiten konnten sich Interessierte an insgesamt 12 ausgestellten Maschinen aus den Bereichen Schleifen, Erodieren, Lasern, Messen und additive Fertigung über die neuesten Technologien der Gruppe informieren. Im Bereich Flach- und Profilschleifen präsentierte Blohm mit dem Werkzeugwechsler für die Planomat XT eine in diesem Marktsegment einmalige und kosteneffiziente Lösung für den automatischen Wechsel der Schleifscheiben. Auch Studer zeigte ihr neues Automatisierungssystem «insertLoad», das die Vorteile von Standardisierung und grosser Flexibilität vereint und die automatische Be- und Entladung der Rundschleifmaschinen S31, S33 und S36 erlaubt. Daneben präsentierte IRPD ausserdem ihre revolutionäre Maschinenentwicklung im Bereich der additiven Fertigung: die Impact 4530. Diese erste industrietaugliche additive Werkzeugmaschine «Made in Switzerland» zeichnet sich insbesondere durch hohe Wiederholgenauigkeit und Benutzerfreundlichkeit bei der Fertigung von Metallteilen aus. Die Maschine setzt ausserdem in puncto Genauigkeit, Qualität und Skalierbarkeit neue Massstäbe in ihrem Marktsegment.
Stand vom 30.10.2020
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Der Messeauftritt stand unter dem Motto «Stay Connected» und so konnte sich das Fachpublikum über zahlreiche Lösungen zur Konnektivität informieren. Dazu gehörten verschiedene digitale Customer-Care-Lösungen, die digitalen Assistenzsysteme der United Grinding Digital Solutions, sowie die universelle herstellerunabhängige Datenschnittstelle Umati, über die sich die Maschinen der Gruppe miteinander, mit Maschinen von Drittanbietern und mit ihrem Produktionsumfeld verbinden lassen.
Geschäftsverlauf der Gruppe
Ausserdem fand zur Grinding Hub eine Pressekonferenz der Gruppe statt, bei der Stephan Nell, CEO der United Grinding Group, Einblicke in den Geschäftsverlauf gab. «Das zurückliegende Jahr war eines der drei besten seit Bestehen unserer Gruppe», überraschte Nell das Publikum, bestehend aus geladenen Vertreterinnen und Vertretern der internationalen Fachpresse. Trotz des schwierigen wirtschaftlichen und geopolitischen Umfelds konnte sich die Gruppe 2023 nicht nur behaupten, sondern ihre führende Marktstellung ausbauen. Die Aussichten für 2024 sind für die Industrie allerdings weniger rosig: «Wie die gesamte Werkzeugmaschinenbranche müssen auch wir im laufenden Jahr mit einem Umsatzrückgang rechnen», erklärt Nell. Die Prognosen seien aufgrund des nicht vorhersehbaren Weltgeschehens jedoch schwierig. «Die externen Faktoren, die den Markt aktuell prägen, können wir wenig oder gar nicht beeinflussen. Je nach Region und Abnehmerindustrie gibt es wiederum unterschiedliche Dynamiken, was die Prognose zusätzlich erschwert. Insgesamt hoffen wir auf einen Anstieg im Auftragseingang gegen Ende des Jahres», beendet Nell seine Ausführungen und gibt einen vorsichtig optimistischen Ausblick in die Zukunft.
Auch berichtet Stephan Nell über eine regionale Verschiebung des prozentualen Marktvolumens im Werkzeugmaschinenbau, gemäss externen Marktanalysen. Global gesehen lässt sich ein Rückgang in China beobachten, bei gleichzeitig wachsendem anteiligen Volumen in Nordamerika. In Asien ohne China und in Europa verändert sich das relative Marktvolumen aktuell nur leicht. Innerhalb Europas wiederum zeichnet sich eine deutliche Verschiebung von der DACH-Region hin zu Osteuropa ab. Zentraleuropa verliert am relativen Marktvolumen nur wenig. «Diese Verschiebungen im Volumen und in der Nachfrage spüren wir als Gruppe auch sehr genau», sagt Nell. «Neben unseren klassischen Heimatmärkten Europa, und hier insbesondere die DACH-Region, Nordamerika und China, intensivieren wir unsere Aktivitäten daher nun in Südostasien und haben unsere eigene Gruppenniederlassung in Singapur gegründet. Und auch Osteuropa ist in unseren strategischen Fokus gerückt. Unsere Vertriebsaktivitäten haben wir dort bereits vor geraumer Zeit intensiviert», erklärt Nell weiter und beendet seine Ausführungen mit den Worten: «Die regionale Diversität unserer Gruppe, die immer eine unserer grossen Stärken war, werden wir sukzessive ausbauen, um auch in Zukunft nah bei unseren Kunden zu sein und die stabile Basis der Gruppe zu erhalten. So wie wir unterwegs sind, sehe ich der Zukunft optimistisch entgegen».