Unterschätzte Sparchancen bei den Druckluftkosten Verlustfreie Druckluftversorgung

Autor / Redakteur: Thomas Lang, Projektleiter Kampagne effiziente Druckluft / Silvano Böni

Das Wissen für eine sichere und energieeffiziente Druckluftversorgung in der Maschinenindustrie ist vorhanden. Woran es hapert, ist, im richtigen Moment die Effizienzpotenziale beim Schopf zu packen.

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Druckluft ist eine wertvolle Energieform, umso wichtiger ist es, dass sie nicht unnötig verschwendet wird.
Druckluft ist eine wertvolle Energieform, umso wichtiger ist es, dass sie nicht unnötig verschwendet wird.
(Bild: Romolo Tavani - Fotolia.com)

Steigende Wartungskosten bei einem Kompressor sind ein untrügliches Zeichen, dass die Druckluftversorgung früher oder später erneuert werden muss. Etwas weniger offensichtlich sind steigende Energiekosten, da viele Unternehmen den Stromverbrauch ihrer Druckluftanlage nicht ermitteln oder systematisch auswerten. Zudem können die wenigsten Unternehmen den effektiven Druckluftverbrauch den einzelnen Verbrauchern zuordnen. In der Maschinenindustrie kann dieses «Unwissen» ganz schön ins Geld gehen, entfallen doch im Schnitt 10 Prozent des ganzen Elektrizitätsbedarfs auf die Druckluft. Ein mittelgrosser Betrieb mit einer Anlage von 30 kW Leistung muss mit jährlichen Energiekosten zwischen 10 000 und 15 000 Franken rechnen.

Das wäre längst nicht in diesem Ausmass nötig. Dies zeigt eine Studie des Bundesamts für Energie, die beachtliche Chancen zur Senkung der Druckluftkosten ortet. Die Ergebnisse zeigen: In der Maschinenindustrie verpufft rund 15 Prozent der Druckluft-Energie durch Leckagen. Insgesamt ortet die Studie schweizweit ein Einsparpotenzial von 23 GWh/a – das entspricht über 20 Prozent der Energiekosten für die Druckluft. Ganz abgesehen davon, dass an vielen Orten die Abwärme der Kompressoren nicht oder nur ungenügend genutzt wird – ebenfalls ein brachliegendes Potenzial in der Grössenordnung von rund 34 GWh/a in der gesamten Branche.

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Druckluftkosten sind Energiekosten

Bei der Druckluft übersteigen die Energiekosten nach zwei Jahren die Kosten für ihre Anschaffung. Über den gesamten Lebenszyklus betrachtet bestehen die Gesamtkosten einer Druckluftanlage zu 70 Prozent aus Energiekosten. Der anstehende Ersatz des Druckluftkompressors ist daher der ideale Zeitpunkt, die Druckluftversorgung unter die Lupe zu nehmen, um die vorhandenen Effizienzpotenziale zu nutzen: Ist die Luftmenge an den Verbrauchern auf den effektiven Bedarf eingestellt? Wie wird sich dieser Bedarf in den nächsten Jahren entwickeln? Ist das Leitungsnetz möglichst dicht und entsprechen Druckniveau und Druckluftqualität noch den effektiven Anforderungen? Fragen, die sich auch das Berner Maschinenbauunternehmen Jorns AG – Hersteller von Schwenkbiegemaschinen für die Langblechverarbeitung – im Vorfeld einer Kompressorerneuerung gestellt hat.

Effiziente Kompressoren …

Antworten auf diese Fragen lieferte zum einen die erste Grobanalyse eines auf Druckluft spezialisierten Energieberaters, welche das Einsparpotenzial aufzeigte. Genauso wichtig wie dieser «erste Eindruck» war die anschliessende Detailanalyse durch den Anlagenlieferanten. Während einer Woche wurden der Luftverbrauch, das Ein- und Ausschalten des Kompressors sowie die Lastspitzen genau gemessen und anschliessend ausgewertet.

Das Resultat zeigte, dass der alte Kompressor mit einer Leistung von 26 kW – abgesehen von wenigen Bedarfsspitzen – überdimensioniert war. Aus diesem Grund wurde der alte Kompressor durch zwei 15-kW-Kompressoren ersetzt. Der eine Kompressor deckt die Grundlast ab, der zweite kommt für Bedarfsspitzen zum Einsatz. Die zwei kleineren Kompressoren decken den Bedarf zuverlässig ab. Zudem hat dies den Vorteil, dass beim allfälligen Ausfall eines Kompressors ein Ersatzgerät schon parat steht.

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