Interview mit Pirmin Zehnder

Werkplatz Schweiz nimmt Herausforderung an

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Wohin entwickeln sich die Anforderungen an Werkzeugmaschinen? Was sind die Herausforderungen in der heutigen Zeit?

P. Zehnder: In der Zukunft werden wir verstärkt auf kleine Stückzahlen optimierte Werkzeugmaschinen-Lösungen benötigen, bei denen dann kurze Umrüstzeiten usw. im Fokus stehen. Hinzu kommt die ganze Thematik Konnektivität, Maschinen, die kommunizieren und wirklich relevante Informationen zur Verfügung stellen. Ausserdem wird die Einbindung der Maschinen in ein gesamtheitliches Energiekonzept für viele Unternehmen immer bedeutsamer.

Wie sehen Sie das Thema Industrie 4.0 und Digitalisierung? Welche Antworten gibt es darauf?

P. Zehnder: Eines der grossen Schlagwörter der heutigen Zeit ist Industrie 4.0. Die Entwicklung gibt es schon viel länger, als es diesen Begriff gibt. Doch in der letzten Zeit hat es noch einmal einen Schub gegeben, dass die Hersteller die Werkzeugmaschinen und ihre Produkte mit dem Ziel weiterentwickeln müssen, effizientere und schlankere Prozesse zu ermöglichen bis hin zur selbstlernenden, sich selbst optimierenden Fabrik. Das bringt einen generellen Entwicklungsschub in Bezug auf Durchgängigkeit der Daten und Kommunikationsfähigkeit der Maschinen und Anlagen. Heute ist das nur partiell möglich.

Welche Rolle spielen neue Verfahren wie beispielsweise additive Fertigung?

P. Zehnder: Ein weiterer wichtiger Punkt ist die additive Fertigung. Dieses Verfahren ist zwar nur ein Nischenmarkt, aber einer, der sich festigt. Trend dabei ist eine Verfahrensintegration von additiver und abtragender Fertigung, wie man das bei der Hybridmaschine von Matsuura sehen kann. Bei der additiven Fertigung sind die erzielten Oberflächen und Toleranzen nicht optimal, so dass häufig eine Nachbearbeitung notwendig ist. Deshalb ist eine Kombination beider Verfahren sinnvoll. Die besonderen Chancen der additiven Fertigung liegen in der Möglichkeit, jede Form herstellen zu können. Dadurch kann bei der Bauteilentwicklung nur von der Funktion ausgegangen werden. Das ist eine ganz neue Herangehensweise. Bisher war fertigungsgerechtes Design gefordert. Diese Entwicklung kann zu völlig neuen Formen führen.

Was sind aus Ihrer Sicht weitere wichtige Entwicklungstrends in der Werkzeugmaschinenbranche?

P. Zehnder: Ein weiterer Trend ist die Verfahrensintegration. Dabei handelt es sich vorrangig um Fräsmaschinen, die auch drehen können, bzw. um Drehmaschinen, die auch fräsen können. Hinzu kann noch eine Integration der Schleifbearbeitung kommen, wie Matsuura eine Fräsmaschine anbietet, die zusätzlich drehen und schleifen kann. Auf dieser Maschine kann ein Bauteil komplett bis zum Fini­shing bearbeitet werden. Doch der Kunde muss auch die entsprechenden Produkte haben, bei denen es sinnvoll ist. Das wiederum setzt eine entsprechende Prozessanalyse voraus. In Kombination mit der heutigen Maschinentechnik können heute aufwändige und teure Prozessschritte weggelassen werden, was früher undenkbar gewesen ist. In der Medizintechnik beispielsweise erreichen die heutigen 5-Achs-Maschinen Oberflächenqualitäten, die es erlauben, das Schleifen wegzulassen. Dadurch fällt ein Prozessschritt weg und die Produktivität ist entsprechend höher.

Was sind die Themen der Zukunft für Händler und Hersteller von Werkzeugmaschinen?

P. Zehnder: Auf dem Gebiet Industrie 4.0 müssen wir uns alle befähigen, dass wir ein Teil der Lösung sind. Das beinhaltet auch den ganzen Themenbereich «Predictive Maintenance», also vorausschauende Wartung. Die Maschinen sollen nicht nur in Bezug auf Produktivität miteinander kommunizieren, sondern sie sollen auch sich anbahnende Probleme melden, bevor grössere Schäden angerichtet werden. Das können warm laufende Lager sein, die zwar noch funktionieren, aber deren Betriebstemperatur zu hoch wird. Das Bauteil kann vorbeugend ersetzt werden, ohne dass es zu grösseren Problemen oder Stillständen kommt. Hier können wir als Partner sicher auch einen Mehrwert bieten. Wichtig für uns sind zusätzlich kurze Reaktionszeiten und schnelle Lieferfähigkeit. Die Zyklen sind viel kürzer geworden und wir müssen uns befähigen, schnell reagieren zu können. Auch unsere Kunden erfahren viel kurzfristiger, ob sie bestimmte Aufträge erhalten oder nicht – das stellt die entsprechenden Anforderungen an uns. Um schnell reagieren zu können, leisten wir uns nicht nur ein Maschinenlager, sondern auch ein Ersatzteillager. Unser Anspruch ist es, ein qualifizierter Partner zu sein. Der Kunde schätzt es heute umso mehr, wenn ein guter und schneller Service geboten wird.

Was erwarten Sie sich für das Jahr 2017?

P. Zehnder: Für das Jahr 2017 erwarten wir einen anziehenden Markt. Daraus müssen wir und unsere Kunden die richtigen Konsequenzen ziehen und die Projekte umsetzen, die notwendig sind. Schweizer Firmen sind absolut in der Lage, mit Konkurrenz umzugehen und erfolgreich zu fertigen. Jetzt braucht es Fokussierung, einen gewissen Mut und konsequentes Umsetzen. Dann kämpft der Werkplatz Schweiz weiter auf hohem Niveau mit.

Vielen Dank für das Gespräch. SMM

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