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Beschichtungen sind im Werkzeugsektor nicht mehr wegzudenken, welche Rolle spielen sie in der modernen Fertigung bezüglich Prozesssicherheit.
Dr. J. Rechberger: Beim Thema Prozesssicherheit und Verschleiss habe ich die Beschichtungen bereits angesprochen. Sie sind integraler Bestandteil des modernen Werkzeuges. In der Branche ist bestens bekannt, dass die heute ausgewiesenen Zerspanleistungen ohne Beschichtungen bei Weitem nicht mehr erreicht werden könnten. Die Wirkungsweise der Beschichtungen ist aber sehr vielfältig und im Detail ziemlich komplex. Der ganze Spanbildungsprozess wird durch die Beschichtung beeinflusst und erst in zweiter Linie wird die Schneide vor zum Beispiel Oxidation, abrasivem oder adhäsivem Verschleiss geschützt.
Und wie finden die Anwender die richtigen Beschichtungen für die konkreten Anwendungen?
Dr. J. Rechberger: Ich glaube die Formulierung, dass der Anwender die richtige Schicht auswählt, ist vielleicht nicht zielführend. Bei der Werkzeugentwicklung werden Schichten heute mit eingebunden und sind nicht eine Option, welche am Schluss noch über eine fertige Geometrie gelegt wird. Trivial, aber wichtig ist, dass die Beschichtung in keinem Fall versagen darf, ansonsten in den meisten Anwendungsfällen katastrophales Werkzeugversagen auftritt. Das heisst die Beschichtung muss durch eine möglichst prozesssichere Verfahrenskette aufgebracht werden. Damit meine ich neben der eigentlichen Beschichtung auch die nötigen Vor- und Nachbehandlungen, Reinigungen, Chargierungen und Prozessparameter, sprich Schichtdichte, Schichtverteilung, Kantenbeschichtung etc. Auch dies ist wieder ganz einfach formuliert, in der industriellen Umsetzung aber ziemlich aufwendig. Sichtbar werden Schwachstellen erst in der Anwendung und meistens nicht am Neuwerkzeug.
Ein weiterer Faktor ist das Zusammenspiel zwischen Maschine und Werkzeug. Kann man Werkzeuglösungen empfehlen, wenn man auf Maschinen fertigt, die weniger stabil konzipiert sind und zu Schwingungen neigen?
Dr. J. Rechberger: Eine Bearbeitungsaufgabe muss in der Umsetzung immer auf die Maschine abgestimmt werden. Das Schlüsselwort heisst Wirtschaftlichkeit. Der Anwender muss mit dem bestehenden Maschinenpark wirtschaftlich fertigen, das heisst, die richtigen Werkzeuge mit der passenden Strategie auswählen, angepasst an das Maschinenumfeld. Ich glaube hier kommen für den Anwender die Kompetenz und das Produktportfolio eines Werkzeugherstellers wirklich zum Tragen. Es hilft nichts, vor der Maschine zu stehen und zu klagen, dass die Maschine zu schwach oder zu unstabil ist, wenn für die Bearbeitungsaufgabe momentan einfach keine anderen Betriebsmittel zur Verfügung stehen. Es ist unser Bestreben und unser Ziel als Werkzeughersteller, kompetent Lösungen anzubieten, damit in breiten Bereichen eine wirtschaftliche Fertigung möglich ist.
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