Mitarbeiterführung

Wie kann man Mitarbeiter zum Bleiben motivieren?

| Autor / Redakteur: Joachim Schönberger* / Susanne Reinshagen

Plant ein Mitarbeiter das Unternehmen zu verlassen, sollte der Vorgesetzte das Gespräch mit ihm suchen.
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Plant ein Mitarbeiter das Unternehmen zu verlassen, sollte der Vorgesetzte das Gespräch mit ihm suchen. (Bild: Photo by Ben White on Unsplash)

Zuweilen bekommen Führungskräfte mit, dass ein Leistungsträger das Unternehmen verlassen möchte. Dann empfiehlt es sich, mit dem Mitarbeiter ein Bleibe-Gespräch zu führen. Das ist keine leichte Aufgabe. Deshalb einige Tipps zum Vorbereiten und Führen solcher Gespräche.

Deuten Warnsignale darauf hin, dass ein wichtiger Mitarbeiter kündigen möchte, sollte sein Chef oder Vorgesetzter ein Bleibe-Gespräch mit ihm führen. Ein solches Gespräch hat drei Ziele:

  • erkunden, ob die Vermutung richtig ist, dass der Mitarbeiter das Unternehmen verlassen möchte. Und wenn ja:
  • herausfinden, wie weit sich der Mitarbeiter mental bereits vom Unternehmen entfernt hat und ob er überhaupt noch „zurückgeholt“ werden kann. Und erneut, wenn ja:
  • ihn zum Bleiben motivieren.

Vorbereitung des Gesprächs

Vor dem Gespräch sollten Sie als Führungskraft und/oder Arbeitgeber eine Selbstanalyse durchführen und sich zum Beispiel fragen: „Was habe ich als Führungskraft dazu beigetragen, dass der Mitarbeiter eventuell nicht im Unternehmen bleiben will?

  • Gab ich ihm zum Beispiel ein Versprechen und hielt es nicht?
  • Bin ich selbst überlastet und gab ich meinen Stress an den Mitarbeiter weiter?
  • Wie viel Zeit widmete ich ihm?“

Denn nicht selten sind emotionale Verletzungen der Grund, warum Mitarbeiter ein Unternehmen verlassen möchten. Und haben Sie (unbewusst) diese bewirkt, beeinflusst dies auch die Atmosphäre im Bleibe-Gespräch und seine Erfolgsaussichten.

Erst danach sollten Sie Ihren Blick auf den Mitarbeiter richten und sich fragen:

  • Welche (weiteren) Ursachen könnte eine eventuell beabsichtigte Kündigung von ihm haben?
  • Warum könnte er geneigt sein, sich eine Job-Alternative zu suchen?
  • Was weiss ich über seine Präferenzen und Ziele im Beruf sowie sein Privatleben?

Manchmal ist die Erkenntnis dieser Selbstbefragung ernüchternd – zum Beispiel, dass das Unternehmen dem Mitarbeiter keine angemessene Entwicklungsperspektive bieten kann. Oder, dass aufgrund der quälenden Zusammenarbeit in den zurückliegenden Monaten bereits zu viel Porzellan zerschlagen wurde. Dann empfiehlt sich, den Mitarbeiter ziehen zu lassen – so schade und teuer dies aufgrund der damit verbundenen Stellenvakanz auch ist.

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Einladung zum Gespräch

Angenommen dies ist nicht der Fall. Dann sollten Sie den Mitarbeiter zu einem Bleibe-Gespräch einladen. Sprechen Sie diese Einladung auf keinen Fall spontan oder en passant auf dem Flur oder in der Kantine aus. Am besten gehen Sie zu ihm, wenn er alleine ist, und bitten ihn, um ein persönliches Gespräch.

Vermutlich fragt er daraufhin: „Warum?“. Nennen Sie den Anlass nicht. Erwidern Sie stattdessen zum Beispiel mit einem freundlichen Lächeln „Nichts Schlimmes, doch darüber würde ich gerne in Ruhe mit Ihnen unter vier Augen sprechen“ und vereinbaren sie hierfür einen Termin.

Das Bleibe-Gespräch sollte in einem Raum geführt werden, der Ruhe und Vertraulichkeit gewährleistet. Und nehmen Sie sich hierfür Zeit, denn solche Gespräche nehmen oft einen unverhofften Verlauf. Zum Beispiel, wenn der Beschäftigte „auspackt “ und Ihnen Dinge erzählt, die Sie zuvor nicht wussten.

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Das Gespräch beginnen

Teilen Sie zu Beginn des Bleibe-Gesprächs dem Mitarbeiter zunächst Ihre Gedanken und Befürchtungen kurz mit. Denn der Mitarbeiter kennt den Gesprächsanlass ja noch nicht. Reden Sie dabei nicht um den heissen Brei. Vermeiden Sie lange Vorreden und Smalltalk, kommen Sie gleich zum Thema.

Beginnen Sie das Gespräch jedoch keinesfalls mit einer Aussage wie „Ich habe gehört, dass Sie erwägen, das Unternehmen zu verlassen“, denn dann fragt der Mitarbeiter fast automatisch zurück: „Von wem?“. Und schon sind Sie in Teufels Küche. Einfach ist der Einstieg, wenn der Mitarbeiter um ein Zwischenzeugnis bat. Denn dahinter steckt in der Regel der Wunsch, sich beruflich zu verändern.

Ansonsten empfiehlt es sich, mit einer Ich-Aussage ins Gespräch einzusteigen, also zum Beispiel folgenden Sätzen:

  • „Ich hatte in der letzten Zeit den Eindruck, dass Sie sich zurückziehen. Deshalb befürchte ich, dass Sie sich mental von uns verabschieden.“ Oder:
  • „Ich musste Ihnen in den letzten Monaten primär stressige Aufgaben übertragen. Deshalb befürchte ich, dass sich bei Ihnen Unzufriedenheit angestaut hat und Sie erwägen könnten, das Unternehmen zu verlassen.“ Oder:
  • „Unser Unternehmen ist zurzeit in einem grossen Umbruch. Deshalb befürchte ich, dass Sie den Eindruck haben könnten, Ihr Arbeitsplatz bei uns sei nicht sicher und Sie sich deshalb nach einer Job-Alternative umschauen könnten.“
  • Starten Sie also mit einer Ich-Aussage und äussern Sie dann Ihr Bedauern, falls Ihre Befürchtungen zuträfen: „Das fände ich schade, weil ich Sie als Mitarbeiter und Mensch sehr schätze und deshalb gerne halten möchte.“

Warten Sie anschliessend, auch wenn es Ihnen schwer fällt, ab, bis der Mitarbeiter antwortet und hören Sie ihm geduldig zu, was er Ihnen zu sagen hat. Stellen Sie maximal Verständnis-Fragen.

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