Berufsmeisterschaften «Wir haben den Jungs gezeigt was wir können»
>> Melani Skaljac ist die erste Frau, die in der Kategorie CNC-Drehen an den Schweizermeisterschaften teilnimmt. In Ihrem Lehrbetrieb Sulzer Mixpac in Haag war sie die erste Polymechanikerin in Ausbildung und damit ein Vorbild. Zwischenzeitlich gab es im Betrieb an die 50 Prozent weibliche Lernende in technischen Berufen. SMM und Swissmechanic sprachen mit ihr über die Besonderheiten von Frauen in männerdominierten technischen Berufen.
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SMM: Wie alt waren Sie als Sie anfingen, sich für technische Dinge zu interessieren?
Melani Skaljac: Das war ungefähr mit zehn Jahren. Mein Vater und mein Bruder haben in der Garage geschraubt und ich habe zugesehen. Mit 14 hatte ich mein eigenes Töfli und konnte selber daran rumschrauben. Anfang der Oberstufe war ich mir dann ziemlich sicher, dass ich die Ausbildung zur Polymechanikerin machen möchte.
Und wie deckt sich die Realität der Ausbildung mit Ihren Vorstellungen vor Lehrbeginn?
M. Skaljac: Mein Bruder ist Produktionsmechaniker und er hat mir immer wieder Teile gezeigt, die er gefertigt hatte. Das hat mich sehr begeistert. Und somit wusste ich auch schon ungefähr worum es in dieser Ausbildung geht. Vom ersten Lehrjahr an hat es mir Spass gemacht und ich habe mich immer gefreut wenn ich neue Sachen lernen konnte. Besonders gefällt mir, dass der Beruf sehr abwechslungsreich ist, und ich nicht immer diesselben Sachen machen muss.
Und wie ist Ihre Berufswahl bei Freunde und, Kollegen angekommen?
M. Skaljac: Die die mich kennen wussten schon immer, dass ich mich für technische Sachen interessiere. Nur wenn ich Leute neu kennenlerne, dann sind einige sehr erstaunt, dass ich als Frau einen technischen Beruf habe.
Wie war Ihre Familie zu Ihrer Berufswahl eingestellt?
M. Skaljac: Eigentlich hatte ich ja die Noten gehabt, den gymnasialen Weg einzuschlagen. Mein Vater wollte sehr gern, dass ich die Matura mache und anschliessend studiere. Aber ich wollte lieber mit Kopf und Händen arbeiten und konnte mich schlussendlich durchsetzen.
Gab es etwas in der Ausbildung, was nicht so einfach oder eine besondere Herausforderung war?
M. Skaljac: Die praktische Lehrabschlussprüfung ist mir nicht leicht gefallen. Ich musste ein komplettes Spritzgusswerkzeug fertigen, komplett alle dazugehörigen Teile fräsen, bohren, hartfräsen, flachschleifen und zum Schluss alles montieren. Die besondere Herausforderung war der zeitliche Druck und dass am Ende alles perfekt sein muss.
Was begeistert Sie am meisten an diesem Beruf?
M. Skaljac: Am meisten bereitet mir Freude, wenn ich verschiedene Sachen machen kann und wenn Abwechslung gegeben ist.
Ist Ihnen bewusst gewesen, dass Sie einen für eine Frau ungewöhnlichen Beruf ergreifen? Wie sind Sie damit umgegangen?
M. Skaljac: Mir ist schon bewusst gewesen, dass dieser Beruf für eine Frau eine Seltenheit ist. Wir sind auch nur vier Frauen im Jahrgang der Berufsschule gewesen (Anmerkung: unter 80 Männern) . So war es am Anfang schon etwas komisch, wenn man auch nicht weiss ob man jemanden zum Schwätzen findet. Auch beim Schnuppern habe ich mich anfangs unsicher gefühlt. Aber schlussendlich habe ich mich gut integriert und mit den Buben angefreundet.
Wie kann man aus Ihrer Sicht Frauen für technische Berufe interessieren?
M. Skaljac: Ich habe schon probiert Kolleginnen für technische Themen zu begeistern. Aber meiner Erfahrung nach ist das schwierig wenn sie das nicht von alleine will. Wenn sie aber nur zu schüchtern ist und sich nicht traut, dann kann man Mut machen.
Wie war Ihre Anerkennung im Ausbildungsbetrieb und bei Kollegen in der Schule?
M. Skaljac: Im Betrieb bin ich immer gleichberechtigt gewesen, da habe ich nie gemerkt, dass ich anders behandelt werde, nur weil ich eine Frau bin. In der Schule haben die Mitschüler mich anfangs schon komisch angeschaut und sich gefragt was ich und eine Kollegin da machen. Aber haben wir den Buben dann schon gezeigt, dass wir was können – durch bessere Noten aber auch in der praktischen Teilprüfung haben wir teilweise besser abgeschnitten.
Was hat Sie dazu bewogen an den Schweizermeisterschaften teilzunehmen?
M. Skaljac: Einer meiner Mitschüler hat sich für die Berufsweltmeisterschaften in London qualifiziert. Zur Vorbereitung hat er bei uns trainiert. Und dann hat mich mein Ausbilder Günther Scheel gefragt, ob ich nicht in diesem Jahr an den Meisterschaften teilnehmen möchte. Da musste ich nicht lange nachdenken, denn es ist ja schon eine Ehre daran teilzunehmen.
Was ist Ihr Ziel für die Schweizermeisterschaften?
M. Skaljac: Ich möchte nach Leipzig, mich für die Weltmeisterschaften qualifizieren. Dafür mache ich das alles. Ich muss mich darauf vorbereiten, vor allem dass ich auch mental fit bin, dass ich mich nicht so einfach demotivieren lassen.
Was sind Ihre weiteren beruflichen Ziele?
M. Skaljac: Im November mache ich den Lehrmeisterkurs und im nächsten Jahr werde ich eine berufspädagogische Ausbildung machen. Mein Ziel ist es, später in der Lehrlingsausbildung tätig zu sein.
Vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei den Schweizermeisterschaften. <<
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