Start-up kombiniert Design und Logistik Zonen-gesteuertes Fördersystem mit Design-Award

Redakteur: Sergio Caré

Das junge Schweizer Start-up Avancon SA will die Stückgutförderung in Verteil- und Logistikzentren verbessern. Ihr Fördersystem und das Design wurden von Dieter Specht entwickelt, dem Gründer der Interroll Gruppe – und haben bereits einige Preise eingeheimst.

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Die moderne Fördertechnik für Stückgut von Avancon nutzt das System, das von Dieter Specht – Gründer der Interroll Gruppe – entwickelt wurde.
Die moderne Fördertechnik für Stückgut von Avancon nutzt das System, das von Dieter Specht – Gründer der Interroll Gruppe – entwickelt wurde.
(Bild: Avancon)

Die Automobilindustrie, die Computerindustrie und selbst die Maschinenbauer bringen regelmässig neue Modelle heraus. Ihr Ziel: neue Märkte und neue Kunden ansprechen. Nur in der Fördertechnik laufen die Pakete auf alten Rollen. Die meisten Stückgutförderer stammen vom letzten Jahrtausend. Die Rollbahnen erinnern an das Patent des britischen Spielzeugherstellers Frank Hornby. Seine gelochten Profile mit durchsteckbaren Achsen und Rädern wurden bereits 1901 in Meccano-Baukasten eingebaut. Dass neues Design auch vor neuen Fördersystemen keinen Halt macht, das wollen die beiden jungen Gründer des Logistik-Start-ups Avancon SA aus dem Tessin zeigen. Ihre Grundidee: ein stromlinienförmig gestaltetes Förderkonzept. Am Ursprung zur Idee steht das System von Dieter Specht, welches er für Interroll entwickelte. Interroll ist ein weltweit agierender Schweizer Hersteller von Schlüsselprodukten für die Stückgutförderung, interne Logistik und Automation mit Sitz in St. Antonino im Kanton Tessin. Und hier ist der gemeinsame Nenner zwischen den beiden Firmen. Das Konzept von Specht passte nicht in die Philosophie von Interroll. Dafür den beiden Start-up-Gründern von Avancon. Der Wirtschaftsinformatiker Denis Ratz zeigte als Erstes das neue Fördersystem einigen potenziellen Kunden.

Regelbare Zonen

«Natürlich wollten wir zuerst mal hören, wie das Design dieses Fördersystems ankommt», erklärt Ratz. «Fast alle waren von der Ästhetik und den Funktionen der Zonensteuerung beeindruckt.» An diesem Punkt bestand das Konzept vor allem auf Papier. In der Zwischenzeit entstand eine Testanlage, die von potenziellen Kunden begutachtet wurde. «Wir haben alles getestet und können bei Bestell­eingang liefern», sagt Ratz und fügt hinzu, «ich bin davon überzeugt, dass die Zonen-Funktionen und deren Vorteile auf Interesse stossen werden.» Das Zonen-Konzept trägt den Namen «Zone Powered Conveyor» (ZPC), bei dem jede Zone separat gesteuert und angetrieben wird. Dadurch ist das Fördersystem enorm flexibel und anpassungsfähig. Die Fördergeschwindigkeit und -richtung kann angepasst werden und ermöglicht ein druckloses Stauen des Stückgutes. Ein weiterer Vorteil: Das System kommuniziert mit IT- oder Bus-Systemen bei reduzierten Installationskosten. Das System soll laut Avancon viel günstiger sein, als es aussieht.

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Partner und Patente

Das junge Unternehmen hat laut eigenen Angaben viel in die Entwicklung, in Maschinen und in die Fertigung investiert. Ausgewählte Hersteller von Förderanlagen und System-Integratoren weltweit können sein Fördersystem unter der eigenen Marke ihren Kunden anbieten. «Wir wollen den Herstellern von Intralogistik-Systemen und Förderanlagen etwas Neues bieten. Aber wir wollen unseren Kunden auch nicht ins Handwerk pfuschen», erklärt Ratz die Vorgehensweise von Avancon. «Wir werden keine Logistik- und Verteilzentren ansprechen, obwohl gerade sie das grösste Interesse zeigen.» Da Avancon weltweit agieren will, wurde ebenfalls in Patente investiert. Dies soll das Fördersystem rund um den Globus schützen.

Design-Award-Gewinner

Partner von Ratz und technischer Leiter von Avancon ist Maschineningenieur Daniele Gambetta. Er ist Spezialist für elektronische Steuerungen und verfügt über Patente für bürstenlose DC-Motoren. Diese sollen in Zukunft auch in das Fördersystem von Avancon eingebaut werden. «Der elektronischen Vernetzung kommt im Zeitalter der Digitalisierung eine besondere Bedeutung zu. Das aussergewöhnliche Design von Dieter Specht hat mich fasziniert. Darum bin ich als Gesellschafter eingestiegen», erzählt Gambetta. «So ein effizientes System sucht in der Fördertechnik seinesgleichen. Da ist alles anders, sicherer, besser und schöner.» Laut Avancon können mit ihrem Fördersystem 80 Prozent aller Güter bis 50 kg weltweit bedient werden.

Dass das Design überzeugt, davon zeugen die beiden Awards des Start-ups. Einerseits mit dem international bekannten Reddot-Award und andererseits durch den japanischen Good-Design-Award. Ach ja, und der Name Avancon ist ein Schöpfung aus den Wörtern «Avant-Garde» und «Conveyor» – die Spitze der Fördersysteme. -sc- SMM

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