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Seit vielen Jahren engagiert sich die Swissmechanic-Dachorganisation mit einem Gemeinschaftsstand von beachtlicher Grösse an der Swisstech in Basel. Wäre nicht die Überlegung prüfenswert, ob sich Swissmechanic nicht vermehrt für seine KMU-Unternehmen einsetzen sollte, um in Zusammenarbeit mit der SGE (Switzerland Global Enterprise – ehemals Osec) einen Auftritt mit einem Gemeinschaftsstand an wichtigen ausländischen Messen anzubieten?
St. Schelker: Ich sehe dies geradezu als ein Muss, dass sich Swissmechanic als Kooperationspartner von SGE verstärkt für die Teilnahme an Auslandmessen engagiert. Ich gehe davon aus, dass zurzeit noch eine beachtliche Zahl der kleineren KMU Exportaktivitäten eher als Wagnis denn als grosse Chance betrachten. Etwas anders sieht die Situation in unserer grenznahen Sektion aus. Viele unserer Betriebe exportieren schon heute in die angrenzenden Länder wie Frankreich und – speziell auch aus sprachlichen Gründen – nach Deutschland. Grundvoraussetzungen zur eigenen Marktöffnung in den Export sind die eigene positive Einstellung und klare strategische Unternehmensziele.
Vielfach haben gerade die kleineren Betriebe Angst vor den zusätzlichen administrativen Umtrieben, den gesetzlichen Bestimmungen des Bestimmungslandes sowie den anfallenden Zollformalitäten, die sie vor einer direkten Exporttätigkeit abhalten. Wäre es nicht eine Aufgabe des Dachverbandes, den exportwilligen KMU-Betrieben mit einer entsprechenden Schulung die notwendige Hilfestellung anzubieten?
St. Schelker: Ich würde dies sehr begrüssen. Nach meiner Erfahrung sind die Formalitäten in der täglichen Umsetzung weniger aufwendig als allgemein befürchtet. Dies könnte ein Ansatz für die SM-Dachorganisation sein, mit entsprechenden Schulungen den Swissmechanic-Unternehmern diese Ängste und Befürchtungen abzubauen und sie zu ermuntern, den Schritt in den direkten Export zu wagen.
Mit dem Rücktritt des langjährigen Verbandsdirektors vor zwei Jahren haben sich beinahe zwangsläufig auch Neuerungen in der Zusammenarbeit zu den Sektionen ergeben. Spüren Sie als Präsident bereits einige Veränderungen in der Zusammenarbeit?
St. Schelker: Grosse Veränderungen sind zurzeit nicht auszumachen. Seitens der Dachorganisation spürt man die Überzeugung, den Verband zunehmend als Arbeitgeberverband zu positionieren. Die vom «alten» Direktor Robert Z. Welna bereits eingeleiteten Massnahmen, weg vom reinen Berufsverband zu einem Arbeitgeberverband, werden vom neuen Verbandsdirektor Oliver Müller und dem Verbandspräsidenten Felix Stutz verstärkt wahrgenommen. Ebenfalls möchte die neue Verbandsleitung vermehrt Einfluss auf die Politik nehmen und beim Entstehungsprozess von neuen Gesetzen und Verordnungen eine aktivere und direktere Position einnehmen. Da diese Aktivitäten zugunsten der Verbandsmitglieder nicht kostenlos zur Verfügung gestellt werden können, wird voraussichtlich mit einer Beitragserhöhung zu rechnen sein, so wie sie bereits von der Zentrale in Weinfelden angekündigt wurde.
Die alten Differenzen zu Swissmem sind hinlänglich bekannt. Trotzdem sollte es möglich sein, in gewissen Bereichen, wie dem Export, mit Swissmem Synergiepotenzial und Gemeinsamkeiten auszuloten, damit ein gemeinsamer Auftritt zur Stärkung des Werkplatzes Schweiz beitragen würde. Viele unserer Mitglieder sind Doppelmitglieder, da sie im Bereich des Exports von den Dienstleistungen des ehemaligen VSM profitieren konnten. Dazu kommt, dass diese ehemaligen VSM-Mitglieder, die heute rund die Hälfte des Bestandes von Swissmem ausmachen, keinem GAV unterstellt sind. Diesbezüglich wäre eine engere Zusammenarbeit zwischen den beiden Verbänden durchaus denkbar.
St. Schelker: Eigentlich müsste eine Zusammenarbeit oder eine Kooperation bereits vorhanden sein. Ich glaube, die heutige wirtschaftliche Situation erfordert eine vermehrte Gemeinsamkeit, insbesondere in sämtlichen Wirtschafts- und wirtschaftspolitischen Belangen. Animositäten, wie sie seit vielen Jahren bestanden, sollten zugunsten unserer Unternehmen endlich und endgültig begraben werden. Vergleiche, welcher Verband nun grösser oder stärker sei, sind je länger je mehr obsolet und müssen zugunsten unserer Wirtschaft und des Werkplatzes Schweiz wegfallen.
Viele SWISSMECHANIC-Betriebe sind heute noch primär Zulieferer für die schweizerische Grossindustrie. In den letzten Jahren stellt man speziell in den Grossbetrieben einen starken Strukturwandel fest. Unternehmen wurden verkauft und teilweise Werkplätze aufgelöst, andere haben Teile der Produktion in Billiglohnländer verlagert. Was bedeutet dies längerfristig für unsere Swissmechanic-Zulieferbetriebe?
St. Schelker: Dieser Feststellung kann ich mich anschliessen. Grössere Betriebe verlagern die Produktion oder Teile der Produktion ins Ausland. Dies bedeutet, dass diese Unternehmen die gesamte Beschaffungsstrategie den neuen Voraussetzungen anpassen werden. Dies wiederum kann bedeuten, dass in Zukunft der eine oder andere SWISSMECHANIC-Zulieferer aus logistischen oder preislichen Gründen auf der Strecke bleiben wird. Dies bedeutet wiederum, dass es unseren Zulieferbetrieben gelingen muss, sich den Veränderungen der wirtschaftlichen Globalisierung anzupassen und preislich konkurrenzfähig zu bleiben.
Wichtig scheint mir vor allem, dass unsere Unternehmen sich ständig weiterentwickeln und die Geschehnisse auf dem Weltmarkt professionell mitverfolgen. Dazu gehört auch die Bereitschaft zur permanenten Innovation, zum Willen, technologisch und qualitativ stets an der Spitze mithalten zu können, zur Wahrung des hohen beruflichen Ausbildungsstandes sowie zu einer hohen Liefertreue und Kontinuität in der Beziehungspflege zu den Kunden. <<
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