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Dr. Kurt Eckernkamp und Matthias Bauer im SMM-Interview 120 Jahre SMM – 85 Jahre Dr. Kurt Eckernkamp

Redakteur: Matthias Böhm

Der Schweizer Maschinenmarkt wurde 1930 durch den Vogel-Verlag vom Gründer und Werkzeugmaschinenhersteller Friedrich Lutz übernommen. Dr. Kurt Eckernkamp (Verleger) feierte in diesem Jahr seinen 85. Geburtstag und hat die Geschichte des Vogel-Verlags massiv mitgeprägt. Im Interview bewerten Dr. Kurt Eckernkamp und Matthias Bauer (CEO, beide Vogel Communications Group GmbH & Co KG) die bisherigen Meilensteine des Vogel-Verlags und wo die Reise in der B2B-Kommunikation hingeht.

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Heute gibt es viel mehr Formate, Techniken, Tools und Adressaten und die unternehmenseigene Kommunikation spielt heute eine viel grös­sere Rolle. Doch auch hier geht es mehr denn je um wirkungsvolle effiziente Kommunikation. Dr. Kurt Eckernkamp (Verleger), Vogel Communications Group GmbH & Co KG.
Heute gibt es viel mehr Formate, Techniken, Tools und Adressaten und die unternehmenseigene Kommunikation spielt heute eine viel grös­sere Rolle. Doch auch hier geht es mehr denn je um wirkungsvolle effiziente Kommunikation. Dr. Kurt Eckernkamp (Verleger), Vogel Communications Group GmbH & Co KG.
(Bild: Vogel Communications Group)

SMM: Herr Eckernkamp, Sie sind seit 1970 in führenden Positionen bei Vogel tätig. Damals war Vogel ein klassischer Verlag mit einem breiten Zeitschriften-Portfolio. Welche Rolle spielten damals Fachzeitschriften?

Dr. Kurt Eckernkamp: Die Fachzeitschriften waren damals die Wurzel und das Herz unseres Unternehmens. Sie spielten immer die Hauptrolle. Auch die «Chip» war bei ihrer Gründung 1978 zunächst ein reines Fachmagazin. Damals, Ende der 1970er, war das Thema Personalcomputer ja zunächst noch ein reines Expertenthema.

Was war für Sie der bedeutsamste Moment in Ihrer Vogel-Karriere?

Dr. K. Eckernkamp: Da gab es einige sehr besondere Momente, aber sicher war es für mich etwas ganz Besonderes, die erfolgreiche Markteinführung der «Chip» zu sehen, die sich binnen weniger Jahre zur grossen Computerzeitschrift entwickelte. Mit der explosionsartigen Popularisierung des Computers wurde die «Chip» ein Kiosktitel und startete in den 1980ern eine beachtliche Internationalisierung.

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Vogel konnte noch im Jahr 2000 relativ einfach als Verlag beschrieben werden. Heute, 20 Jahre später, hat sich Vogel Communications Group diversifiziert. Können Sie die wesentlichen Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte kurz umreissen?

Dr. K. Eckernkamp: Eigentlich liegt unserem Tun und Schaffen seit Anbeginn genau ein Prinzip zugrunde: effiziente Fachkommunikation für unsere Leser und Werbepartner. Das begann 1894 mit dem MM Maschinenmarkt, der für die Industrie eine Plattform zum direkten Austausch von Marktinformationen war und eine zielgruppenspezifische Werbekommunikation von Unternehmen zu Unternehmen ermöglichte. Einziger Unterschied zu heute: Heute gibt es viel mehr Formate, Techniken, Tools und Adressaten und die unternehmenseigene Kommunikation spielt heute eine viel grössere Rolle. Doch auch hier geht es mehr denn je um wirkungsvolle effiziente Kommunikation.

Welche Meilensteine mussten aus Ihrer Sicht in der Vergangenheit erfolgen, um die Vogel Communications Group so stark im Markt zu etablieren?

Dr. K. Eckernkamp: Immer wieder in der Geschichte hatten wir den Mut, uns technologischen, gesellschaftlichen und strukturellen Veränderungen sehr frühzeitig zu stellen. Das war oft – als Pionierleistung – zuweilen anstrengend. Dafür wurden wir letztlich aber immer belohnt. Denken Sie an den Aufbau unserer digitalen Geschäftsmodelle zur B2B-Leadgenerierung bereits im Jahr 2005! Damals waren wir die ersten in Deutschland, die so etwas einführten; und das erkennen unsere Kunden noch heute an. Aber auch der Umbau unserer ehemaligen Druckereihallen in ein modernes hauseigenes Kongresszentrum, Vogel Convention Center, hat ab 2005 unser Geschäftsfeld B2B-Events immens beflügelt.

Herr Bauer, welche Rolle spielen für Sie die Fachzeitschriften zukünftig und was heisst das im Hinblick auf die zukünftige Strategie der Schweizer Vogel Communications Group AG?

Matthias Bauer: Wir bei Vogel werden unsere rund 100 Fachmedien für unsere Zielgruppen kontinuierlich weiterentwickeln – sowohl im Print- als auch im Digitalbereich. Wir leben in Zeiten einer massiven, unstrukturierten Vervielfältigung von Informationen. Genau deshalb sind wir uns sicher, dass ein kompetenter und richtungsweisender Fachjournalismus, sprich Editorial Media, sogar noch an Bedeutung gewinnen wird. Unser Anspruch ist, dass wir sehr nah an den Akteuren in den Märkten sind und über grösstmögliche inhaltliche Expertise verfügen. Dank unserer Fachmedien haben wir in vielen Bereichen schon seit über 100 Jahren das Vertrauen der Leser und die Akzeptanz unserer Werbepartner erworben. Mit unseren Print- und Digitalprodukten erreichen wir monatlich weit über eine Million Fachentscheider allein im deutschsprachigen Raum. Darüber hinaus erreichen wir eine weitere Million unterschiedlichster relevanter Branchenakteure. Diese Zielgruppen wollen wir auch künftig mit hochrelevanten, weil ausgewählten Fachinformationen bedienen, denn dies ist die Grundlage für berufliche Entscheidungen. Wir arbeiten stärker denn je daran, unseren Lesern/Usern über unsere Fachmedien bestmögliches Fachwissen und glaubwürdige Informationen zu liefern.

Wenn Sie die Rolle der Fachzeitschriften im historischen Vergleich betrachten, von 1970 bis heute. Wie würden Sie deren Bedeutung einordnen?

Dr. K. Eckernkamp: Die Fachzeitschriften spielen auch heute im Konzert der Medien eine wichtige Rolle, aber sie stehen eben nicht mehr alleine. Ein hervorragend gemachtes Printmagazin bleibt für viele ein wichtiger Teil der Fachkommunikation. Vor allem, wenn es um Premiuminhalte geht, etwa Branchenanalysen, Orientierung gebende Kommentare oder Überblicksbeiträge. Bei News, Personalien und Verknüpfungen zu Bewegtbild etc. haben die digitalen Medien einen Geschwindigkeitsvorteil und sind daher meist besser geeignet.

Stichwort Digitalisierung: Wann und wie hat Vogel auf die Digitalisierung reagiert und wie schätzen Sie die zukünftigen Möglichkeiten ein?

Dr. K. Eckernkamp: Wir erleben in der Medienbranche bereits die vierte Phase der Digitalisierung: Die erste war in den 1970ern der Digitaldruck, dann kam Ende der 1980er das Internet. Mit dem Web 2.0 kamen die sozialen Netzwerke und aktuell erleben wir eine neue, intensive Phase der digitalen Transformation. Das alles hat uns verändert und weiter vorangebracht. Ich bin mir sicher, dass unser Haus auch die nächste Phase offen und mutig angehen wird, denn gerade die sogenannte Künstliche Intelligenz birgt viele positive Überraschungen. Da bin ich sicher.

Die Vogel Communications Group treibt ihre Digitalisierungsstrategie massiv voran. Was sind die wesentlichen Eckpfeiler der aktuellen und zukünftigen Digitalisierungsstrategie?

M. Bauer: Die Basis der Unternehmenskommunikation ist heute digital. Dafür bieten wir unseren rund 5000 Kunden im DACH-Raum nahezu alle wesentlichen Kompetenzen, von Apps und digitalen Kundenmagazinen über Chatbots bis hin zu Social-Media-Kampagnen und Employer-Branding-Strategien. Mit unseren vier Berliner Agenturen sind wir gerade in den Bereichen Technologie, Kreation und Content sehr gut aufgestellt. Das Thema Künstliche Intelligenz wird sich z. B. an der Schnittstelle «Sprache» ganz wesentlich auswirken. Deswegen beschäftigen wir uns intensiv mit der Digitalisierung und Virtualisierung der Corporate Communication von Unternehmen. Hier sehen wir erhebliche Chancen.

Am Hauptsitz in Würzburg verfügt Vogel derzeit über 450 Mitarbeiter. In den vergangenen zehn Jahren wurde ein massiver Ausbau in Berlin mit heute über 150 Mitarbeitern vorangetrieben. Können Sie die Berliner Entwicklung der Vogel-Gruppe kurz umschreiben?

M. Bauer: Wir haben unsere Agenturkompetenzen ganz strategisch ausgebaut. Begonnen haben wir bereits 2010 mit der Übernahme von ngn – new generation network, einem digitalen Dienstleister für Messen und Messegesellschaften. Das Team hat aktuell mit «industrial generation network» eine internationale Business-Matching- und Präsentationsplattform für Unternehmen entwickelt, unter anderem als Antwort auf den Corona-bedingten Ausfall von Messen. Dann haben wir mit Schoesslers PR seit 2015 eine dynamische Kommunikationsagentur mit nationalen und internationalen Kunden vor allem aus der digitalen Wirtschaft in der Gruppe. Und unsere 2012 gegründete Agentur Vogel Corporate Media begleitet umfassend die unternehmensspezifische digitale Customer Journey, von strategischer Kommunikationsberatung über Corporate Publishing bis hin zu Social-Media-Marketing. Übrigens sind wir zum Thema Market Research und Market Insights seit 2014 an Atheneum Partners beteiligt, einem internationalen Expertennetzwerk mit über 450 000 Experten und über 200 Mitarbeitern weltweit. Das ist eine gewaltige Erfahrungsquelle für Unternehmen, die sich strategisch weiterentwickeln wollen.

Das heisst, dass Vogel sich verstärkt diversifiziert? Können Sie das genauer erläutern? Auch was das für die Kunden von Vogel Communications zukünftig bedeuten kann?

Durch die explosionsartige Entwicklung von Kommunikationskanälen und Plattformen sind die Anforderungen an das Marketing sowie die Unternehmenskommunikation in den vergangenen Jahren exponentiell gewachsen. Wir wollen unsere Kunden hier bestmöglich mit unseren vielfältigen Kompetenzen unterstützen und sorgen für eine kohärente, wirkungsvolle Kommunikation, die in den Märkten auch ankommt. Letztlich entwickeln wir mit vielen unserer Kunden ganzheitliche Kommunikations- und Marketingstrategien und helfen anschliessend dabei, diese auch operativ umzusetzen. Dabei ist unser Anspruch: Wir wollen uns in der Praxis am operativen Erfolg der entwickelten Strategien messen lassen.

Darüber hinaus setzen Sie verstärkt auf eine Strategie der Vernetzung zwischen den Fachredaktionen der Fachportale und den Agenturen. Was heisst das konkret und welche Vorteile sehen Sie hier auch für die Kunden?

M. Bauer: Unsere Fachredaktionen kennen die Unternehmen, Trends, Produkte und Techniken in den Märkten bestens. Sie sprechen die Sprache der Branche. Und unsere Medien haben ein sehr hohes Renommee in ihren Zielgruppen. Unsere Agenturen können diese Assets nutzen, um Unternehmen und ihre Produkte in diesen Märkten – auch unabhängig von unseren Medien – zu platzieren. Das dreifache Zusammenspiel aus Branchen-Know-how, Kommunikationsexpertise und direktem Zielgruppenzugang ist für viele unserer Kunden die entscheidende Erfolgsformel und der Grund, warum sie mit uns zusammenarbeiten.

Wenn man Ihre Ausführungen näher betrachtet, dann wird die Unternehmensstruktur erheblich umgebaut. Die Mitarbeiter des Unternehmens müssen diese Veränderung mitmachen und tragen. Wie bewältigt man diesen Wandel gemeinsam mit den Mitarbeitern?

M. Bauer: Ein zeitgemässes Führungsverständnis im Zusammenspiel mit einer modernen Unternehmenskommunikation sind meiner Meinung nach zwei wesentliche Schlüsselaspekte zum Gelingen der Transformation. Dazu gehört zunehmend selbstbestimmtes, eigenverantwortliches Arbeiten in flachen Hierarchien mit agilen Prozessen. Direkte, schnelle und transparente interne Kommunikation muss hierbei bestmöglich unterstützen. Aber auch eine starke Unternehmensmarke mit klar definierten Markenwerten, die wirklich gelebt werden, ist wichtig. Die Unternehmensstruktur muss natürlich immer – möglichst weitsichtig – an kommende Marktveränderungen angepasst werden. Da wir uns in sehr dynamischen Märkten befinden, kommt eine Unternehmensgruppe wie die Vogel Communications Group wohl nie «aus der Bewegung».

Wie ist das internationale Engagement der Vogel- Gruppe zu bewerten? Und welche Tradition hat es?

Dr. K. Eckernkamp: In der Schweiz hatten wir unseren ersten internationalen Verlag in 1930 gegründet, doch schon bald waren wir mit unserer Zeitschrift «Der Exportmarkt» in fünf Sprachen in rund 130 Ländern präsent. Das ging bis in die 1970er so. In den 1980ern starteten wir mit der «Chip» eine zweite Internationalisierungswelle. Das war sehr erfolgreich und wir schufen einen internationalen Media-­Brand. Heute sind wir vor allem mit Lizenzpartnern in einigen Emerging Markets aktiv. In den USA haben wir einen Standort und in China seit nun über 25 Jahren ein erfolgreiches Joint Venture.

Wie will sich Vogel Communications Group zukünftig international positionieren?

M. Bauer: Nahezu alle unsere Kunden in der DACH-Region sind als Unternehmen international aufgestellt und wollen mit unserer Hilfe den Zugang in neue Märkte finden. Gerade Asien spielt hier eine grosse Rolle. Umgedreht gibt es etwa in China viele Unternehmen, die über unseren chinesischen Verlag eine Brücke in die DACH-Region wollen. Der Wille ist also da, gleichwohl sind die Rahmenbedingungen oft komplex und die Weltwirtschaft scheint unberechenbarer denn je. Zum 01.01.2020 haben wir eine eigene Director-Stelle für den Bereich «International Business & Strategy» geschaffen, damit wir die sich bietenden Chancen möglichst konsequent nutzen können.

Herr Bauer, ein Blick in die Glaskugel: 2020 ist der SMM 120 Jahre alt geworden. Wie muss sich der SMM zukünftig positionieren, dass er auch 2050 noch eine so grosse Nachfrage hat wie in 2020?

M. Bauer: Auch in Zukunft wird die einfache Regel gelten: Unternehmen benötigen nutzwertige, hochrelevante und passgenaue Informationen und Dienstleistungen, um ihr Geschäft bestmöglich zu entwickeln. Und sie wollen effizient und wirkungsvoll mit ihren Zielgruppen kommunizieren. Gerade starke Medienmarken wie der SMM müssen dieser Tugend folgen, dann bleiben sie auch dauerhaft sowohl für ihre Leser/User als auch für ihre Werbepartner von grosser Relevanz. Davon bin ich überzeugt.

M. Bauer und Dr. K. Eckernkamp: Jetzt aber gratulieren wir beide dem gesamten SMM-Team zum Jubiläum und wünschen ein erfolgreiches Jahr, dies gerade in der Nach-Corona-Phase und mit den damit verbundenen Herausforderungen. SMM

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