Suchen

Fischer Spindle Group: Corona mit weitreichenden Folgen Auf die Zeit nach Corona vorbereiten

Redakteur: Konrad Mücke

Die Unternehmensgruppe Fischer mit Stammsitz in Herzogenbuchsee ist von der aktuellen Situation in allen Unternehmensbereichen unterschiedlich betroffen. Zu den Auswirkungen und geeigneten Massnahmen für die Zukunft sprachen wir mit Dr. Tobias Moser, CEO der Fischer Spindle Group AG.

Firma zum Thema

Tobias Moser
Tobias Moser
(Bild: Fischer Spindle Group)

SMM: Wie wirkt sich die Covid-19-Pandemie insgesamt auf Ihr Unternehmen aus? Wie haben Sie reagiert?

Dr. Tobias Moser: Der konjunkturelle Abschwung hat sich bereits im Jahr 2019 mit einem Rückgang des Auftragseingangs im Stammgeschäft angekündigt. Corona hat die Krise dann aber massiv beschleunigt und verstärkt. Bisweilen waren einige Lieferketten komplett zusammengebrochen. Investitionen wurden gestoppt. Die globale Pandemie, der Zusammenbruch der sonst sehr krisenresistenten Luftfahrtindustrie und der gesamten Reisebranche bringen eine neue Grösse und Art einer weltweiten Krise. Mit einer kurzfristigen Erholung konnten wir nicht mehr rechnen. Daher haben wir früh Massnahmen in allen unseren Unternehmen und Bereichen beschlossen und verwirklicht. Dazu gehört, alle Kostenstellen zum sparsamen Wirtschaften anzuhalten, die Supply Chain zu prüfen, Kurzarbeit einzuführen, die Wertschöpfung zu optimieren, konsequentes Cash-Management in allen Bereichen einzuhalten.

Neben dem kurzfristigen Krisenmanagement war für uns immer zentral wichtig, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens zu gewährleisten. Wir beabsichtigten ganz klar, uns auf die Situation «Nach-Corona» mit einem «neuen Normal» einzustellen.

Bildergalerie

Welche wirtschaftlichen Folgen hat die aktuelle Situation? Können Sie konkrete Zahlen nennen?

T. Moser: Fischer ist global tätig in unterschiedlichsten Märkten und Anwendungen. Die Krise wirkt sich daher unterschiedlich auf jeden Teil der Unternehmensgruppe aus. Übergreifend sind die Umsätze um 20 bis 30 Prozent eingebrochen. Die Auftragseingänge sind in einigen Bereichen sogar mehr zurückgegangen.

Nach meiner Einschätzung ist eine kurzfristige Erholung nicht absehbar. Wir erwarten keine komplette Erholung im Jahr 2021. Gewisse Märkte werden erst in drei bis fünf Jahren wieder das Niveau wie vor Corona erreichen. Andere Märkte werden sich transformieren, speziell die Automobil- und die Luftfahrtbranche müssen sich auf die neuen Gegebenheiten einstellen. Dies hat auch Auswirkungen auf unsere Geschäfte und Businessmodelle.

Mit unserem Unternehmen Fischer Fuel Cell Compressor AG investieren wir umfassend in Kompressoren für die Brennstoffzellentechnologie. Im Gegensatz zu unserem Stammgeschäft ist das ein starker Wachstumsmarkt – Wasserstoff als Antwort zur Energiewende. Hier öffnet sich für uns ein neuer Markt mit disruptivem Potential.

Wie schützen Sie innerhalb Ihres Unternehmens Ihre Mitarbeitenden?

T. Moser: Die Gesundheit der Mitarbeitenden und Angehörigen geht vor. Wir haben uns international jeweils an die Empfehlungen der lokalen Behörden gehalten. Zusätzlich haben wir Erkenntnisse unter den globalen Standorten ausgetauscht. Unser spezieller Fokus gilt dem Schutz der Risikogruppen. Leadership ist in solchen Situationen gefragt, mit Beispiel vorangehen und die Belegschaft klar und transparent informieren. Solche Situationen sind nur gemeinsam lösbar. In allen unseren Unternehmen und Bereichen verfügen wir über grosszügige Platzverhältnisse. Somit können die Mitarbeitenden stets ausreichend Sicherheitsabstände einhalten. Darü­ber hinaus haben wir alles bereitgestellt, um die Gesundheit zu gewährleisten. Wir haben zum Beispiel in Desinfektionsspender, Masken, Plexiglas-Trennwände, Inventar für die Arbeit im Home­office und in Softwaretools grosszügig investiert.

In Teilbereichen ist Homeoffice zu verwirklichen. Aber in der Produktion muss das Personal doch eng zueinander arbeiten. Wie sorgen Sie hier für die Gesundheit der Mitarbeitenden?

T. Moser: Wir halten die Mitarbeitenden dazu an, Abstand zu halten und regelmässig zu desinfizieren, sowohl ihre Hände als auch die immer wieder benutzten Gegenstände. Wir haben Teams geteilt, damit weniger Personen auf engem Raum gleichzeitig arbeiten. Seit kurzer Zeit besteht auch eine Maskenpflicht an allen Arbeitsplätzen. Die Platzverhältnisse in der Produktion sind ansonsten grosszügig, die Räume hoch, die Lüftung optimiert. Unsere Produktionsbereiche zu schlies­sen, käme einer vorübergehenden Firmen­schliessung gleich. Dies müssen wir unter allen Umständen vermeiden.

Wie haben die Mitarbeitenden auf diese weitreichenden Massnahmen reagiert?

T. Moser: Alle haben das verstanden. Wir pflegen eine offene Diskussionskultur. Natürlich gibt es auch unterschiedliche Ansichten zu den präventiven Schutzmassnahmen und damit auch Diskussionen.

Was ist aus Sicht Ihres Unternehmens zu tun, um die Pandemie so gut wie möglich zu überstehen?

T. Moser: Wir sind in der Investitionsgüter­industrie tätig. Aktuell lähmt grosse Unsicherheit die Unternehmen und verhindert Investitionen. Wichtig ist, dass der Konsum und in Folge die Wirtschaft wieder anziehen. Mit realistischen Perspektiven für die nächsten Wochen und Monate muss man wieder eine Planungssicherheit bekommen. Essentiell sind beispielsweise Geschäftsreisen, speziell für den Service und die Inbetriebnahmen von Maschinen.

Wir befinden uns derzeit in einer absoluten Ausnahmesituation. Welche positiven Aspekte können Sie den Bedingungen abgewinnen?

T. Moser: Wir haben in kürzester Zeit unsere Kommunikation erfolgreich digitalisiert. Ich bin aber überzeugt, dass der fehlende persönliche Kontakt mit Kunden, Mitarbeitenden und Partnern mit Videokonferenzen nicht zu ersetzen ist.

Welche Massnahmen und welche Unterstützung erwarten Sie von der Politik und der Gesellschaft, um die Pandemie möglichst unbeschadet zu bewältigen?

T. Moser: Politik muss Klarheit schaffen. Das betrifft vor allem die geforderten Schutzmassnahmen. Wir fordern, dass weder die Unternehmen noch die Grenzen geschlossen werden. Selbstverständlich erhoffen auch wir und wünschen uns einen lang ersehnten Impfstoff. Die Politik kann hier Weichen stellen, damit wir möglichst bald einen Impfstoff bekommen. Für die bisherige Unterstützung, zum Beispiel die Entschädigung in Form von Kurzarbeitergeld und die finanziellen Hilfen für Innovationsprojekte im Kanton Bern, sind wir sehr dankbar. Die Gesellschaft ist gefordert, die nötigen Massnahmen auch im Privaten einzuhalten. Wichtig und entscheidend ist, einen zweiten Lockdown zu verhindern.

Als Familienunternehmen müssen wir nach vorne schauen. Wir wollen wieder unsere Ressourcen investieren, um unsere Wertschöpfung zu optimieren, die Digitalisierung und Innovationen voranzutreiben und neue Geschäftsmodelle zu erschliessen. Die Welt nach Corona wird anders sein – wir wollen bereit sein.

Herr Dr. Moser, vielen Dank für diese Informationen. SMM

(ID:46959884)