Spectros: Optische Industrie profitiert von Digitalisierung und Industrie 4.0 Aus- und weiterbilden verhindert Fachkräftemangel

Autor / Redakteur: Das Interview führte Konrad Mücke / Konrad Mücke

Die optische Industrie erlebt ein Comeback durch zunehmende Automatisierung und Digitalisierung. Der schon immer schwierigen Suche nach Fachkräften begegnet man mit interner Aus- und Weiterbildung. Edgar Sporer, Geschäftsführer beim Optikhersteller Spectros AG, erläutert Details.

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Der Optikspezialist in Ettingen verfügt über innovative Messtechnik, um die hohe Qualität seiner optischen Komponenten zu sichern.
Der Optikspezialist in Ettingen verfügt über innovative Messtechnik, um die hohe Qualität seiner optischen Komponenten zu sichern.
(Bild: Spectrios AG)

SMM: Herr Sporer, wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der Schweiz im weltweiten Aufschwung? Können Sie als Schweizer Unternehmen und Hersteller davon profitieren?

Edgar Sporer: Nach den Schwierigkeiten der letzten Jahre durch die Euro-Krise erlebt die Schweiz in diesem weltweiten Aufschwung ein erfolgreiches Come­back. Besonders im industriellen Bereich hört man allerorts von vollen Auftragsbüchern und sehr gut ausgelasteten Produktionen. Auch unser Unternehmen profitiert von diesem starken Aufschwung. Im letzten Jahr konnten wir umsatzseitig ein überdurchschnittliches Wachstum erzielen und schlossen das Geschäftsjahr 2017 mit einem neuen Umsatzrekord ab.

Auch auf der Ertragsseite hat sich die Situation stark verbessert. Das gibt uns die Möglichkeit, unsere Investitionen zu erhöhen. Neben dem weltweiten aktuellen Aufschwung machen sich für viele Schweizer Unternehmen auch die Optimierungsmassnahmen bemerkbar, die durch die Aufwertung des Schweizer Frankens in den meisten Unternehmen umgesetzt wurden.

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Wie begegnen Sie dem aktuellen Mangel an Fachkräften? Welche Folgen sehen Sie für Spectros?

E. Sporer: In der Tat bereitet uns der Fachkräfte­mangel Probleme. Allerdings sind wir es in unserem Industriezweig, der optischen Industrie, gewohnt, mit dieser Situation umzugehen. Im Bereich der optischen Industrie war es schon immer sehr schwierig, gut ausgebildete Fachkräfte zu rekrutieren. Neu ist in den letzten Jahren für uns hinzugekommen, dass nun auch unsere anderen Unternehmensbereiche vom Fachkräftemangel betroffen sind. Als Gegenmassnahme haben wir die interne Ausbildung sehr stark forciert. Wir haben aktuell in unserem Hause einen Rekordstand an Lernenden und werden dies weiter zu verstärken versuchen. Aber auch die interne Weiterbildung für unsere Hilfskräfte haben wir vorangetrieben. Diese erledigen heute Tätigkeiten, die in der Vergangenheit noch von Fachkräften durchgeführt wurden. Der vermehrte Einsatz von Automatisierungstechnik zahlt sich zusätzlich für uns aus. Die Verbesserung des Bekanntheitsgrades, gute Arbeitsbedingungen und ein gutes Betriebsklima lassen uns auch in diesem Bereich für die Zukunft optimistisch sein.

Werden Sie künftig den Standort Schweiz weiter ausbauen oder sich wegen des internationalen Wettbewerbs und der Kosten­situation anders orientieren?

E. Sporer: Unser Geschäftsmodell basiert auf der Herstellung von präzisen, qualitativ hochwertigen und somit zuverlässigen optischen Systemen. Diese fertigen wir kostenoptimiert durch den Einsatz von Automatisierungstechnik und mit hochtechnologischen Fertigungsmitteln. Neben unseren hochwertigen Produkten legen wir grossen Wert auf Nachhaltigkeit, Flexibilität und Kundenzufriedenheit. Der Standort Schweiz bietet uns hierfür die besten Voraussetzungen. Swiss made ist nach wie vor der Garant für Präzision und Qualität. Die stabilen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in der Schweiz unterstützen uns hierbei genauso wie der Technologiestandort Schweiz mit seinem erstklassigen Ausbildungssystem.

Welche Entwicklungen sehen Sie hinsichtlich der Optik? Wird es wegweisende Innovationen geben?

E. Sporer: Besonders im Bereich der Entwicklung Industrie 4.0 sehen wir für die optische Industrie ein grosses Potenzial. Die eingesetzten Sensoriken müssen sehr schnell, zuverlässig und ohne auf den Prozess einzuwirken, also berührungslos, die Daten erfassen und übermitteln. Hier haben optische Sensoren klare Vorteile. Aber auch im medizinischen Bereich sehen wir sehr grosses Potenzial, unter anderem in der Analyse und Tumorbekämpfung. Unter Einsatz optischer Systeme werden dort grosse Fortschritte und Erfolge erzielt. Die Branchen mit entsprechendem Potenzial sind sehr weitläufig, zum Beispiel der Automotivebereich oder auch andere Industriebereiche.

Welche Auswirkungen haben neue Technologien, zum Beispiel das Additive Manufacturing oder die Digitalisierung, auf Ihr Unternehmen Spectros? Werden Schweizer Unternehmen profitieren oder eher einen Nachteil haben?

E. Sporer: Ich kann nur das wiederholen, was alle Experten ständig anmahnen. Die Digitalisierung der Produktion, also Industrie 4.0, wird weltweit die Industrie in einem ähnlichen Mass prägen wie in der Vergangenheit die Einführung der EDV und das Internet. Hier stellt sich für uns nicht die Frage des Vorteils oder Nachteils. Die Digitalisierung der Produktion ist ein Muss, um auf dem Markt bestehen zu können. Neben dem absatztechnischen Potenzial, das die Digitalisierung für uns bringt, ist die Digitalisierung neben der Rationalisierung der Hauptbestandteil für uns, um unsere Konkurrenzfähigkeit auszubauen.

Für die Schweiz als Gesamtes bietet die Digitalisierung aussergewöhnliche Chancen, da die Schweiz in allen notwendigen Bereichen wie Informatik, Sensorik und Prozessoptimierung über ein enormes Potenzial verfügt.

Wie nutzen Sie selbst Additive Manufacturing oder Digitalisierung?

E. Sporer: Wir planen für dieses Jahr den Einstieg in das Additive Manufacturing. Allerdings sind hier die Anwendungen für uns noch begrenzt auf die Herstellung von Fertigungswerkzeugen und Erst­muster­stücken. Für unsere Komponentenfertigung sehen wir hier noch keinen Einsatz, da unsere Komponenten mit Genauigkeiten im Mikrometer-Bereich gefertigt werden müssen. Die Digitalisierung unterstützt uns sehr stark bei der Rückverfolgbarkeit unserer Produkte. Hier erfassen wir Maschinenparameter und treiben die digitalisierte Vernetzung unserer Prüfvorrichtungen voran. Das Intensivieren der Digitalisierung unserer Fertigung ist für uns eine permanente und priorisierte Aufgabe, bei der wir alle unsere Mitarbeitenden einbinden.

Herr Sporer, herzlichen Dank für Ihre ausführlich dargestellte Meinung und Information. SMM

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