Die Pfanzelt Maschinenbau GmbH, Rettenbach im Allgäu, die für Forstwirtschaft und kommunale Landschaftspflege Geräteträger und Anbaugeräte produziert, investierte in eine Produktionshalle mit automatisierter Blechfertigung aus Hochregallager, Handling, Schneidanlagen und Biegezelle.
Automatisiert: Vom Hochregallager (links) transportiert das Handlingsystem «MS Load» Blechtafeln zur Laser- und zur Plasmaschneidanlage.
(Bild: Microstep)
Das Programm des im Jahr 1991 gegründeten Herstellers umfasst aktuell ein umfassendes Spektrum an Geräten und Maschinen. Das betrifft unter anderem Forstseilwinden, Rückewagen sowie als selbst fahrende Raupen und als Traktoren ausgeführte Geräteträger mit deren meist individuell konzipierter Ausrüstung. Diese werden im Forst, in der Landschaftspflege und auch in Skigebieten zum Präparieren von Skipisten eingesetzt.
Derzeit beschäftigt das Unternehmen im Allgäu etwa 180 Fachkräfte. Eine Vielzahl an Bauteilen und Komponenten werden auf Forderungen von Auftraggebern individuell abgestimmt. Deshalb sind zunächst jeweils nur Einzelstücke, später auch nur kleine Serien zu fertigen. Dazu erläutert Fertigungsleiter Roland Sterk: «Wir benötigen manchmal nur ein oder zwei Bauteile, um etwas zu testen. Das funktioniert mit einem Zulieferer nicht. Deswegen waren wir gezwungen, selbst zu fertigen. Hinzu kommt die Wertschöpfung. Man erweiterte deshalb die eigene Fertigung.»
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Umfassendes Gesamtkonzept
Sichtbarstes Zeichen des aktualisierten, weitgehend automatisierten Maschinenparks ist eine jüngst errichtete Fertigungshalle, die im Jahr 2023 in Betrieb genommen wurde. Auf 100 × 30 m Grundfläche wurden teils zweistöckig Warenein- und -ausgang, Vormontage, Lager und ein Teil der Fertigung aufgestellt. Das Konzept erläutert Roland Sterk: «Uns hat es initial an Lagerkapazitäten gefehlt. Entstanden ist ein logistisches Gesamtkonzept, das mehr kann als nur Bleche bearbeiten. Die Automation hat mehrere Hintergründe. Einerseits aus einer Technikaffinität heraus und einer dünner werdenden Personaldecke. Andererseits aus der Notwendigkeit heraus, in unserer Vielseitigkeit auch weiter wettbewerbsfähig produzieren zu können.» Bei Pfanzelt werden überwiegend 10 und 12 mm dicke Bleche bearbeitet. Die Bauteile haben bis 4500 mm Kantenlängen.
Entstanden ist ein logistisches Gesamtkonzept, das mehr kann als nur Bleche bearbeiten.
Roland Sterk, Fertigungsleiter bei PM Pfanzelt Maschinenbau GmbH
Lagern, transportieren, schneiden, biegen
Im jüngst erstellten Produktionsgebäude befindet sich ein Regallager (Stopa). Es ist 18 m hoch und enthält 2679 Lagerplätze. Bleche mit mehr als 8000 t Gesamtmasse können dort eingelagert werden. Über ein Materialhandlingsystem «MS Load» von Microstep gelangen die Blechtafeln an zwei Schneidanlagen. Bereits geschnittene Blechstücke werden auch zurück ins Lagerregal gebracht. Integriert in das Schneidareal sind eine 2D-Laserschneidanlage der Baureihe «MSF Pro» und eine 3D-Plasmaschneidanlage der Baureihe «MG». Der CNC-Faserlaser ist exklusiv zum Schneiden von Blechen ausgelegt. Die Plasmaschneidanlage kann auch Rohre bearbeiten. Zudem ist eine Technologie zum Bohren, Gewinden und Senken integriert. In die Portalanlage ist auch ein Plasmarotator zum 3D-Fasenschneiden integriert. Er schwenkt bis 50° und dient dazu, beispielsweise Schweissnähte vorzubereiten. Eine automatische Kalibriereinheit «ACTG» sorgt für gleichbleibend genaues Schneiden. Die Plasmaquelle «Hi Focus 280i neo» von Kjellberg ist mit automatischer Gaskonsole und Contour-Cut-Speed-Technologie ausgestattet. Die gesamte Peripherie – Filter, Plasma- und Lasertechnik – ist auf einem Podest oberhalb der Schneidanlage angeordnet. Dieser Aufbau und die Kombination aus Laser- und Plasmatechnologie wurden von Microstep individuell entwickelt und verwirklicht.
Maschinenbau, Steuerung und Schnittstellen zum Lagersystem mussten entwickelt und installiert werden. Zudem wurde das ERP-System angebunden. Dabei profitierten die Experten bei Microstep von ihren umfassenden Erfahrungen in Bezug auf Sondermaschinen und hinsichtlich einer Digitalisierung. Zusätzlich werden aus dem Lagerregal auftragsbezogen Bleche direkt zu Biegepressen und einer mit Roboter automatisierten Biegezelle gebracht.
Integrierte Automatisierung von qualifiziertem Partner
Zum Gesamtkonzept der neu errichteten Produktionshalle mit automatisierter Blechfertigung berichtet Roland Sterk: «Die Investition in den Zuschnitt ist im Zuge des Hallenneubaus mit entstanden. Man hat immer damit geliebäugelt, auch Fasen schneiden zu können. Hier hat der Hersteller Microstep enorme Erfahrungen und super Referenzen. Wir hatten ehemals auf einem Bearbeitungszentrum Bleche für Schweissnähte vorbearbeitet. Das erforderte, grosse Mengen an Blechen innerbetrieblich zu transportieren.» Zunächst war eine Schneidanlage mit integriertem Fasenaggregat geplant. Ausführliche Beratungen ergaben, dass der Hersteller Microstep eine umfassende Automatisierung für sämtliche erforderlichen Blechbearbeitungen verwirklichen kann. Somit hat man bei Pfanzelt nunmehr zwei Schneidmaschinen installiert, die über ein gemeinsames Materialhandlingsystem verbunden sind. Dazu sagt Roland Sterk: «Wir wollten einen Ansprechpartner, auch was die Schnittstellen anbelangt. Wir wollten nicht einen Automatisierer haben, einen Plasmaanbieter und einen Laseranbieter. Deshalb haben wir uns für Microstep entschieden.»
Stand vom 30.10.2020
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Die gesamte Anlage zum Schneiden und Umformen von Blechen ist seit dem Frühjahr des Jahres 2024 in Betrieb. Auf der Laserschneidmaschine werden 2 bis 8 mm dicke Bleche, auf der Plasmaschneidanlage 10 bis 30 mm dicke Bleche geschnitten. Wegen der vollständig automatisierten Abläufe kann die gesamte Anlage auch in unbeaufsichtigten Schichten in die Nacht und in Wochenenden hinein produzieren.
Zu den wirtschaftlichen Vorteilen berichtet Roland Sterk: «Unser Hauptziel war, dass wir Bleche möglichst wenig manuell bewegen müssen, dass wir einen ausreichenden Lagerbestand an Blechen haben und dass wir Bleche auch zurück ins Regal einlagern können. Wir können nun exakt planen, wann wir was schneiden können; die Übersicht ist viel besser geworden. Und wir können mit weniger Personal arbeiten.»