Weserstahl: Flexibler konfektionieren und kommissionieren Automatisiert lagern, sägen und kommissionieren

Redakteur: Konrad Mücke

Die Stahlhandelsgesellschaft Weser Stahl hat mit einer Kombination aus Lager, Transportsystem, Sägen und Robotern ihren internen Materialfluss automatisiert. So kann sie effizienter, flexibler und kurzfristiger individuell gesägte Abschnitte einer Vielzahl an Stahlprofilen bereitstellen.

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Personal entlastet: An den Kreissägen entnehmen Roboter die Abschnitte und kommissionieren diese auftragsbezogen auf Paletten.
Personal entlastet: An den Kreissägen entnehmen Roboter die Abschnitte und kommissionieren diese auftragsbezogen auf Paletten.
(Bild: Kasto)

Mehr als die Hälfte aller von Weser Stahl für Auftraggeber bereitgestellten Halbzeuge werden inzwischen individuell abgelängt und kommissioniert. Dazu berichtet Dr. Markus Krummenerl, geschäftsführender Gesellschafter von Weser Stahl: «Unsere Kunden lagern immer mehr Bearbeitungsschritte aus, um eigene Kapazitäten einzusparen. Daher erweitern wir unser Portfolio auf diesem Gebiet stetig, um so viele Wünsche wie möglich zuverlässig erfüllen zu können.» Das bedeute aber auch, dass die Aufträge immer individueller werden, erklärt Dr. Markus Krummenerl. «Die Anzahl der Bestellungen steigt, während gleichzeitig die Losgrössen sinken. Das stellt unsere Fertigungs- und Logistikprozesse natürlich vor eine grosse Herausforderung», erläutert er weiter.

Lagern und Sägen

Um diesen Forderungen zu begegnen, verfügt die Weser Stahl über eine grössere Anzahl an
Band- und Kreissägen von Kasto. Die Maschinen dieses Herstellers haben sich bestens bewährt. Wie Dr. Markus Krummenerl sagt, schätze er diesen Hersteller als kompetenten Partner, der auch für individuelle Forderungen geeignete Konzepte, Maschinen und Anlagen verwirkliche. Deshalb habe man auch beim Optimieren der internen Abläufe mit diesem Unternehmen zusammengearbeitet. Installiert hat man eine kombinierte Anlage zum automatisierten Lagern, Sägen und Kommissionieren von Halbzeugen.

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Personal entlasten

Ziel war es, die Versorgung der Sägen zu automatisieren und einen weitgehend bedienerlosen Betrieb zu ermöglichen, um die zunehmende Anzahl an Aufträgen zu bewältigen und die immer umfangreicheren Anarbeitungswünsche der Kunden zu erfüllen. «Ein weiterer wichtiger Aspekt für uns war die Arbeitssicherheit. Wir wollten das Umfeld für unsere Mitarbeiter ergonomischer gestalten und ihnen die tägliche Arbeit erleichtern – damit beugen wir aktiv Unfällen und Verletzungen vor», ergänzt Dr. Markus Krummenerl. Bislang wurden Stäbe und Profile manuell mit Hilfe des Hallenkrans auf die Sägen transportiert. Das ist allerdings aufwendig und riskant für das Fachpersonal. Um die Abläufe zu automatisieren, erachteten die Spezialisten beim Lager- und Sägenhersteller ein vollständig automatisiertes Kragarmlager für bestens geeignet. Installiert wurde das System Kasto center vario­plus 4. 1398 Fächer im knapp 8 m hohen Regal nehmen bis zu 7000 mm lange Stäbe und Profile auf. Die nutzbare Ladehöhe der Kragarmfächer beträgt zwischen 50 und 430 mm. Jedes Fach trägt bis 4000 kg schwere Lasten. Ein Regalbediengerät (RGB) lagert Stangen, Abschnitte und Reststücke ein und aus. Es fährt 60 m/min schnell über dem Regalblock. An das Lager sind zwei vollständig automatisch arbeitende Produktionskreissägen Kasto variospeed und eine Bandsäge der Baureihe Kasto tec angebunden.

Schneller ein- und auslagern

Etwa ein Fünftel der gesamten bei Weser Stahl bevor­rateten Stahlprodukte befindet sich im automatisierten Lager. Das betrifft speziell häufig benötigte Produkte. Das Langgut wird in der Regel bundweise per LKW angeliefert, entladen und mithilfe eines Transportwagens eingelagert. Dabei wählt die Software des Lagers selbsttätig die passenden Lagerfächer. Sie sorgt dafür, dass das RBG zeit- und wegeoptimiert arbeitet, und minimiert somit die Zugriffszeiten. «Darüber hinaus haben wir zum Schutz vor Rost getrennte Lagerbereiche für Blank- und für Walzstahl», erläutert Verkaufsleiter Stieven Harder. Die Vorgaben dafür sind in der Software hinterlegt. Zudem ist die Software Kasto logic über eine eigens geschaffene Schnittstelle an das übergeordnete ERP-System bei Weser Stahl angebunden. Somit sind die Bestände an Halbzeugen und Reststücken transparent. Das vereinfacht auch, Auftragsdaten intern zu übermitteln, und es minimiert Fehler.

Roboter sortieren und stapeln

Aus dem Lager gelangen Stäbe, Profile und Rohre zur jeweiligen Säge. Vor ihnen befindet sich eine Wechselstation. Sie dient als zusätzlicher Puffer, um Wartezeiten zu vermeiden. Die beiden Kreis­sägen schneiden bis zu 150 mm hohe Stäbe und Profile, die Bandsäge Profile und Rohre bis 430 mm Durchmesser. Die zuvor bereits bei Weser Stahl betriebene Bandsäge wurde nachträglich in das automatisierte System integriert. Abgeführt werden die Abschnitte mit einem Scheibenwende- und Stapel­system. Nach dem Sägen auf den Kreissägen nehmen Roboter die Abschnitte auf und sortieren sie auftragsbezogen auf Paletten. Die von Kasto installierten Automationskomponenten sind in ihrer Mechanik, Elektrik und in der Software perfekt auf die Sägen und das Lagersystem abgestimmt. Dazu erläutert Stieven Harder: «Wir haben damit einen durchgängigen Materialfluss geschaffen, der bei Bedarf auch komplett mannlos funktioniert – und das rund um die Uhr.» So kann Weser Stahl deutlich effizienter arbeiten und dabei die Arbeitsbedingungen für das Personal verbessern.

Individualisiert

Reststücke fördert das Regalbediengerät zurück in das Kragarmlager. Es ist dazu speziell modifiziert. Es kann mehrere Stäbe gleichzeitig transportieren. Das war in der Standardausstattung nicht vorgesehen. «Der Sägen- und Lagerhersteller hat das Gerät entsprechend unseren Wünschen umgebaut. In seiner jetzigen Form ist es weltweit einzigartig», berichtet Stieven Harder.

Weitere Automation geplant

Aktuell planen Weser Stahl, Kasto und der Transportspezialist Jungheinrich, die Sägen an ein fahrer­loses Transportsystem (FTS) anzubinden. Letzteres soll die Paletten mit den darauf gestapelten Abschnitten aus dem Arbeitsbereich der Roboter transportieren und im Versandlager bereitstellen. Die Sägen verfügen dazu über die erforderliche Peripherie. Die Schutzumhausungen der Sägen sind jeweils mit einem Rolltor und Lichtschranken ausgestattet. So können die FTS gefahrlos ein- und ausfahren. Die Software wird entsprechend aufeinander abgestimmt und koordiniert. - kmu - SMM

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