Ergänzendes zum Thema
nachgefragt
Fragen an Marcel Bach, CEO der Bauberger AG
SMM: Bauberger zählt als Generalunternehmer für internationale Industrieumzüge beziehungsweise Produktionsverlagerungen weltweit – können Sie dazu ein Beispiel geben?
Marcel Bach: Wir haben Kunden, welche wegen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (z.B. Wechselkurssituation) oder im Rahmen von Effizienzsteigerungen (z.B. Zusammenlegung von Produktionslinien) Bereiche ihrer Produktion aus der Schweiz ins Ausland oder aus dem Ausland in die Schweiz verlagern. Diese Kunden beraten wir bereits in der Planungsphase der Verlagerung und übernehmen die Gesamtverantwortung vom Abbau der Anlage am aktuellen Einsatzort, die Verpackung, den Transport sowie die Einbringung und Remontage inklusive Inbetriebnahme am neuen Einsatzort. Für Aufgaben, welche wir bei diesen Projekten nicht selber wahrnehmen, können wir auf ein weltweites Partnernetzwerk zurückgreifen und somit dem Kunden eine gesamtheitliche Lösung mit einem Ansprechpartner anbieten.
Sie verfügen über ein ungewöhnliches Arsenal an Förder- und Hebemitteln – gibt es für Sie überhaupt technische Einsatzlimiten?
M. Bach: Man muss sich genau bewusst sein, wo die eigenen Grenzen liegen. Dank unserer sehr umfangreichen Auswahl an Hebe- und Verschiebewerkzeugen mit bis zu 360 Tonnen Hubkraft können wir die unterschiedlichsten fachlichen Knacknüsse lösen. Wir sind uns aber auch hier nicht zu schade, bei für uns nicht lösbaren Aufgaben weitere Spezialisten beizuziehen oder dem Kunden eine Lösung einer Partnerfirma zu empfehlen, wenn wir der Meinung sind, dass dies für den Kunden die beste Gesamtlösung darstellt.
In Elgg betreiben Sie ein ansehnliches Schwergutlager – für wen ist dieses Angebot interessant?
M. Bach: In unserem Schwergutlager lagern wir einerseits Maschinen und Anlagen ein, welche vor der Auslieferung zum Kunden zwischengelagert werden müssen. Andererseits lagern wir häufig gebrauchte Maschinen und Anlagen ein, welche beim Kunden einer Neuinvestition weichen mussten. Zudem bieten wir unseren Kunden auch einen Showroom an, in welchem Maschinen und Anlagen für Kundenvorführungen oder Tests komplett in Betrieb gesetzt werden können.
Welche Bedeutung hat Ihre internationale Geschäftstätigkeit? Wie sind Ihre mittelfristigen Erwartungen?
M. Bach: Um die Rolle als Generalunternehmer wahrnehmen zu können, muss man heute international aufgestellt sein; man muss den Kunden folgen, denn auch diese sind international tätig. Wir machen gegenwärtig zirka 20 % unseres Umsatzes im internationalen Umfeld, und wir gehen davon aus, dass dieser Anteil weiter wachsen wird. Auch wir beobachten seit mehreren Jahren eine gewisse Abwanderung der Industrie in Billiglohnländer. Und dieser Trend ist durch die Währungskrise natürlich weiter verstärkt worden.
Mit welchen Eigenschaften kann sich Bauberger in internationalen Projekten mit ihren grossen logistischen Herausforderungen gegen Mitbewerber durchsetzen?
M. Bach: Wir sind ein hochspezialisierter Nischenplayer; dank unserer überschaubaren Grösse sind wir sehr dynamisch und reaktionsschnell und können uns extrem schnell geänderten Rahmenbedingungen anpassen. Dank unserem globalen Partnernetzwerk sind wir zudem in der Lage, für jeden Kunden die massgeschneiderte Full-Service-Lösung aus einer Hand anzubieten, bei Bedarf inklusive Erstellen der benötigten Exportdokumente und Logistik-Koordination bis zum Aufstellungsort.
Was sehen Sie für Ihr Unternehmen ganz allgemein als die wichtigsten Erfolgsfaktoren?
M. Bach: Wir müssen den Kunden auch langfristig den besten Gegenwert für ihr Geld liefern können; auch wenn immer mehr Firmen nur noch den Preis einer Produktionsverschiebung ansehen, gibt es unverändert Unternehmen, welche den gesamten Produktionsausfall betrachten. Da können und müssen wir den Hebel ansetzen; denn für den Kunden ist es entscheidend, was der Produktionsausfall gesamtheitlich kostet, und nicht nur was Teilbereiche davon darstellen. Diese gesamtheitliche Betrachtung dem Kunden zu vermitteln, stellt den ersten Erfolgsfaktor dar. Der zweite Erfolgsfaktor wird darauf aufbauend sein, dieses Versprechen am Markt erfolgreich umzusetzen. Und da werden wir in Zukunft vermehrt Kooperationen zwischen den einzelnen Playern sehen, um dieses Gesamtpaket anbieten zu können.
Welche unternehmerischen Herausforderungen sehen Sie generell auf sich zukommen?
M. Bach: Der Markt ist in den letzten Monaten extrem unruhig und hektisch geworden. Es wird alles noch kurzfristiger geplant, verschoben, abgesagt, neu geplant, etc. Mit dieser Hektik und Dynamik umzugehen wird eine grosse Herausforderung bleiben, der Markt wird sich in den nächsten Monaten (wenn nicht Jahren) kaum beruhigen.
Wie sehen Sie die mittelfristige Entwicklung des Werkplatzes Schweiz?
M. Bach: Das wird zu einem grossen Teil von der weiteren Entwicklung des Euroraumes abhängen; auch wenn wir kein Mitglied der EU sind, hängen wir massgeblich von ihr ab. Sollte der Wechselkurs des CHF zum Euro nicht gehalten werden können und sich der CHF weiter stärken, dürfte vielen Firmen in der Schweiz der Schnauf ausgehen. Auch wenn wir eines der innovativsten Länder der Welt sind, dürfte es auf lange Sicht schwierig werden, mit einer zu starken Währung konkurrenzfähig zu sein.