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CES 2020 Bosch strebt Technologieführerschaft bei Künstlicher Intelligenz an

| Redakteur: Jürgen Schreier

Künstliche Intelligenz wird bei Bosch ganz gross geschrieben. Auch auf der CES 2020 will der Technologiekonzern Massstäbe setzen. So nutzt z.B. die digitale Auto-Sonnenblende Virtual Visor KI für smarten Blendschutz. Zu sehen ist in Las Vegas ausserdem ein Smartglasses-Light-Drive-System, das alltägliche Brillen smart macht.

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Im Rahmen der Bosch-Pressekonferenz auf der CES 2020 wurden diverse Messehighlights vorgestellt.
Im Rahmen der Bosch-Pressekonferenz auf der CES 2020 wurden diverse Messehighlights vorgestellt.
(Bild: ELITE Photography Group)

Künstliche Intelligenz (KI) ist Kernthema CES 20202 die vom 7. bis 10. Januar die digitale Welt in der Spielerstadt Las Vegas vereint. Auch der Bosch Konzern ist vor Ort und präsentiert sich als Vorreiter in Sachen KI und tut das natürlich nicht ohne Grund.

Ob beim automatisierten Fahren, im smarten Heim oder in der Produktion: Künstliche Intelligenz (KI) ist schon jetzt aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. So nutzt Bosch KI und das Internet der Dinge, um unter dem Motto „Beneficial AI. Building trust together“ dem Menschen das Leben zu erleichtern und sicherer zu gestalten.

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Der Fokus des Technologiekonzerns liegt dabei auf robuster und sicherer KI zur Herstellung smarter Produkten. Ein Bild davon kann man sich auf der CES machen. Darunter ist auch eine veritabel Weltneuheit - der Virtual Visor, eine KI-basierte, digitale Fahrzeugsonnenblende. Das Bosch-Produkt hat einen CES Innovation Award gewonnen, ebenso das 3D-Display fürs Auto der Stuttgarter Technologieschmiede.

Zu den weiteren KI-Highlights von Bosch auf der CES 2020 zählen eine Anwendung für die vorausschauende Wartung der Raumstation ISS und ein System zum Beobachten des Fahrzeuginnenraums.

Markt für KI-Anwendungen wächst rasant

Und so möchte man in Sachen Künstliche Intelligenz eher Klotzen statt Kleckern. „Bosch will auch im Bereich der KI zum Innovationsführer werden“, verkündet Bosch-Geschäftsführer Michael Bolle. Er verspricht: „Ab 2025 enthält jedes Bosch-Produkt künstliche Intelligenz oder wurde mit ihrer Hilfe entwickelt beziehungsweise produziert.“

Das weltweite Marktvolumen für KI-Anwendungen soll nach Analysen des Market-Insights-Spezialisten Tractica in diesem Zeitraum bei rund 120 Milliarden US-Dollar liegen. Das wäre zwölf Mal so viel wie 2018. Und dieses Potenzial will Bosch nutzen. Schon heute investiert das Unternehmen nach eigenen Angaben jedes Jahr 3,7 Milliarden Euro in die Software-Entwicklung und beschäftigt derzeit mehr als 30.000 Software-Entwickler. 1000 Mitarbeiter beschäftigen sich bei Bosch mit KI.

Darüber hinaus hat Bosch ein umfangreiches Schulungsprogramm ins Leben gerufen: „Innerhalb der kommenden zwei Jahre werden wir annähernd 20.000 Mitarbeiter fit für KI machen“, erklärt Bolle. „Wir müssen nicht nur in die künstliche, sondern auch in menschliche Intelligenz investieren.“ Das Programm beinhaltet Trainingsformate für Führungskräfte, Entwicklungsingenieure und KI-Entwickler auf drei unterschiedlichen Niveaus und schliesst Leitlinien für den verantwortungsvollen Umgang mit KI ein.

KI macht das Autofahren sicherer

Doch nun zum ersten CES-Highlight von Bosch, dem Virtual Visor. Bei diesem handelt sich um eine transparente digitale Sonnenblende. Ein durchsichtiges LCD-Display wird mit der Insassenbeobachtungskamera verbunden. Diese erkennt die Position der Augen des Fahrers. Anhand intelligenter Algorithmen wertet die virtuelle Sonnenblende diese Informationen aus und verdunkelt auf dem Display ausschliesslich den Teilbereich, in dem die Sonne den Fahrer blenden würden.

Der Virtual Visor hat beim CES Best of Innovation Award die höchste Punktzahl in seiner Kategorie gewonnen. Gleiches gilt für das neue 3D-Display von Bosch. Es erzeugt mithilfe einer passiven 3D-Technik einen real empfundenen dreidimensionalen Effekt von Bildern und Warnsignalen. Dadurch lassen sich Informationen schneller erfassen als auf herkömmlichen Bildschirmen. Die Verkehrssicherheit steigt.

Zusätzliche Sicherheit bietet auch das neue System zur Innenraumbeobachtung von Fahrzeugen. Ist der Fahrer müde oder wendet er seinen Blick ab, um zum Beispiel sein Smartphone zu bedienen, wird das vom System anhand der Bewegung der Augenlider, der Blickrichtung und der Kopfhaltung erkannt und warnt ihn vor kritischen Situationen. Darüber hinaus erfasst es den Fahrzeuginnenraum und stellt fest, wie viele Fahrgäste sich an Bord befinden, wo und in welcher Position sie sitzen. So können Sicherheitssysteme wie Airbags im Notfall optimal ausgelöst werden.

Mit Fahrerassistenzsystemen hat Bosch seinen Umsatz 2019 um zwölf Prozent auf rund zwei Milliarden Euro gesteigert. Sie ebnen den Weg zum automatisierten Fahren. Sind Fahrzeuge in Zukunft auf Teilstrecken wie der Autobahn teilautomatisiert unterwegs, wird die Fahrerbeobachtung zum unverzichtbaren Begleiter: Die Kamera achtet darauf, dass der Fahrer das Steuer jederzeit wieder sicher übernehmen kann. Bis 2022 wird das Unternehmen für das automatisierte Fahren rund vier Milliarden Euro aufwenden und mehr als 5 000 Ingenieure beschäftigen.

Um das Portfolio in diesem Bereich sensortechnisch zu vervollständigen, steigt Bosch in die Serienentwicklung von Lidarsensoren ein. Neben Radar und Kamera bilden sie die unabdingbare dritte Sensortechnik. Als Fernbereichslidar erkennt der Bosch-Sensor auch nichtmetallische Objekte in grosser Entfernung wie beispielsweise Steine auf der Strasse.

Smartglasses Light Drive macht alltägliche Brillen smart

Auch jenseits von KI-Anwendungen zeigt Bosch auf der CES zahlreiche Neuheiten. Beispielsweise mit dem Smartglasses-Light-Drive-System, der weltweit ersten sensorbasierten Lösung, die es ermöglicht, eine ganz "normale" Brille smart zu machen. Sie ist gut ein Drittel schmaler als auf dem Markt befindliche Lösungen und wiegt weniger als zehn Gramm. Die gestochen scharfen Bilder, die selbst bei direkter Sonneneinstrahlung gut erkennbar ins Sichtfeld projiziert werden, reichen von Navigationsinformationen und Textnachrichten über Kalendereinträge bis zu Betriebsanleitungen – je nachdem welche Informationen vom Smartphone oder der Smartwatch empfangen werden.

Mit dem Technologieträger IoT Shuttle zeigt Bosch auf der CES, welche Lösungen das Unternehmen Automobilherstellern und Mobility Service Providern für die Elektrifizierung, Automatisierung, Vernetzung und Personalisierung von Shuttlefahrzeugen anbietet. Das Angebot umfasst neben Komponenten nahtlos vernetzte Mobilitätsdienste. Mit diesen können Betreiber ihre Flottenfahrzeuge flexibel einsetzen, verwalten, laden und warten sowie jede Fahrt sicher machen. Auf dem Bosch-Stand zu sehen sind ausserdem verbesserte Antriebs- und Sensortechniken für die vernetzte und emissionsfreie Mobilität der Zukunft.

Auch in Sachen Umwelt- und Klimaschutz vertritt man bei Bosch klare Positionen. Dazu Geschäftsführer Michael Bolle: „Wir wollen ökonomische, ökologische und soziale Verantwortung in Einklang bringen." Dabei entwickle man nicht nur umweltfreundliche Lösungen, sondern gehe selbst mit gutem Beispiel voran. „Bis Ende 2020 werden alle unsere 400 Standorte weltweit klimaneutral gestellt sein und von der Entwicklung über die Produktion bis zur Verwaltung keinen CO2-Fussabdruck mehr hinterlassen. Für die deutschen Standorte haben wir das bereits realisiert“, so Bolle.

Auch in diesem Kontext kommt (natürlich) Künstliche Intelligenz zum Einsatz: An einzelnen Standorten nutzt beispielsweise eine unternehmenseigene Energieplattform intelligente Algorithmen, um Abweichungen im Energieverbrauch zu identifizieren. Allein dadurch konnte in einigen Produktionswerken der CO2-Ausstoss innerhalb der vergangen zwei Jahre um mehr als zehn Prozent gesenkt werden.

Bosch investiert 100 Millionen Euro in KI-Campus

Was KI anbelangt, so investiert Bosch aber nicht nur in die Software-Entwicklung, sondern weltweit auch in Fachkräfte und den Aufbau von Kompetenzzentren. So stellt das Unternehmen 100 Millionen Euro für den Bau eines neuen KI-Campus in Tübingen bereit. Beziehen will man den Forschungskomplex Ende 2022.

Der Campus wird dann rund 700 KI-Experten Raum für den kreativen und produktiven Austausch bieten. Die Experten stammen dabei von Bosch, von externen Start-ups sowie von öffentlichen Forschungseinrichtungen. Der neue Campus soll den Experten-Austausch im Cyber Valley stärken. Bosch ist Gründungsmitglied des 2016 ins Leben gerufenen Cyber Valley. In dieser Forschungskooperation bündeln Partner aus Industrie, Wissenschaft und Politik die Kräfte, um die KI-Forschung voranzutreiben und Erkenntnisse der Grundlagenforschung rasch in konkrete industrielle Anwendungen zu überführen.

Mehrere KI-Standorte in den USA

Zudem unterhält Bosch im Rahmen seines Bosch Center for Artificial Intelligence (BCAI) weltweit sieben Standorte – unter anderem in den USA in Sunnyvale (Kalifornien) und in Pittsburgh (Pennsylvania). Im BCAI arbeiten derzeit insgesamt rund 250 KI-Spezialisten an mehr als 150 Projekten aus den Bereichen Mobilität, Produktion, Smart Home und Landwirtschaft.

Cyber Valley - ein Ökosystem für KI

Cyber Valley ist Europas grösstes Forschungskonsortium im Bereich der Künstlichen Intelligenz mit Partnern aus Wissenschaft und Industrie. Das Land Baden-Württemberg, die Max-Planck-Gesellschaft mit dem Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme, die Universitäten Stuttgart und Tübingen sowie Amazon, BMW AG, Daimler AG, IAV GmbH, Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG, Robert Bosch GmbH und ZF Friedrichshafen AG sind die Gründungspartner der Initiative. Darüber hinaus ist die Fraunhofer-Gesellschaft seit kurzem als assoziierter Partner im Cyber Valley vertreten. Unterstützt wird das Cyber Valley zudem von der Christian Bürkert Stiftung, der Gips-Schüle-Stiftung, der Vector-Stiftung und der Carl-Zeiss-Stiftung.

Die Cyber Valley Partner haben mehrere Kernziele definiert, darunter die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses an der International Max Planck Research School for Intelligent Systems (IMPRS-IS). Von Anfang an gehörte diese einzigartige multidisziplinäre Graduiertenschule zu den weltweit besten Doktorandenprogrammen im Bereich der künstlichen Intelligenz und war ein Schlüsselelement der Cyber Valley Initiative. In nur zwei Jahren hat sich die IMPRS-IS verdoppelt und zählt heute über 110 Wissenschaftler.

Ein weiteres wichtiges Ziel ist es, einen Nährboden für Start-ups zu schaffen. Cyber Valley will Brücken zwischen Neugier getriebener Grundlagenforschung und angewandter Forschung schlagen, um einen regen Austausch zwischen akademischen und industriellen Partnern zu ermöglichen und ein ideales Umfeld für Spin-offs zu schaffen.

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