Mikrotechnologie

Bundesrat trifft Unternehmer aus dem Jura

| Autor / Redakteur: Pierre-Yves Kohler, Direktor SIAMS / Sergio Caré

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(Bild: Pascal Crelier)

Im April hatte Bundesrat Johann Schneider-Amann einen Besuch bei der Mikrotechnik Fachmesse SIAMS geplant. Krankheitshalber fiel der Besuch des Wirtschaftsministers an besagten Tag aus. Um das Verpasste nachzuholen, traf er sich einen Monat später mit Unternehmern aus dem Jurabogen in Moutier.

Der oberste Vorsteher des eidgenössischen Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung, Johann Schneider-Ammann, weiss, dass der Informationsaustausch mit der Industrie wichtig ist. Deswegen traf er sich Ende Mai in Moutier im Restaurant «Les Deux Tours», um die Probleme und Herausforderungen der lokalen Industrie im Jurabogen aus erster Hand zu erfahren. Neben dem Bundesrat nahmen ein Dutzend Wirtschaftsführer aus verschiedenen Bereichen der Mikrotechnik teil. Organisator der Gespräche war die Faji SA, welche die Mikrotechnikmesse SIAMS veranstaltet.

Eine entspannte Ankunft – eine konstruktive und positive Atmosphäre

Kurz vor sieben Uhr landete der bundesrätliche Hubschrauber auf dem Fussballplatz direkt hinter dem Arc-Forum, wo auch die diesjährige SIAMS stattfand. Direktor Pierre-Yves Kohler nutzte die wenigen Minuten vor dem offiziellen Teil, um über den Erfolg der SIAMS 2018 zu berichten. Kohler bestätigte dem Bundesrat, dass die Planung für die Ausgabe 2020 schon beinahe beendet sei. Er lud darum Schneider-Ammann herzlich ein, an der nächsten Messe beizuwohnen, obwohl dieser dann nicht mehr im Amt sein werde. Ende April dieses Jahres kündigte der 66-jährige Wirtschaftsminister an, spätestens im Herbst 2019 aus der Landesregierung zurücktreten zu wollen.

Bevor Raymond Stauffer, Präsident der Faji SA, ihn offiziell willkommen hiess und Tornos für die Gastfreundschaft dankte, begrüsste Schneider-Ammann alle anwesenden Wirtschaftsführer der Mikrotechnik. Nach dem gemütlichen Apéritif wechselten die Gespräche rasch auf die wichtigen Wirtschaftsanliegen des Abends. BR Schneider-Ammann brachte dazu mehrere Diskussionsthemen auf, wie z. B. die Auswirkungen der Digitalisierung auf die Ausbildung der Mitarbeiter.

«In schwierigen Zeiten muss man investieren»

Bundespräsident Johann Schneider-Ammann zur aktuellen wirtschaftlichen Lage des Werkplatzes Schweiz.

«In schwierigen Zeiten muss man investieren»

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Die Digitalisierung und ihre Auswirkungen auf Forschung und Ausbildung

Auch wenn die Grundausbildung der Schweizer Lehrlinge, Techniker und Ingenieure in der Schweiz hervorragend sei, so seien ihre Fähigkeiten schnell veraltet. Dies wegen des rasch fortschreitenden technologischen Wandels der Digitalisierung. Eine wiederkehrende Weiterbildung sei darum erforderlich und unerlässlich, hob der BR hervor. Marc Schuler, CEO von DIXI Polytool, und Olivier Haegeli, Co-CEO von Willemin-Macodel, betonten, dass die Digitalisierung kein künstlicher Effekt ist, bei dem man einfach sagen könne «Ich mach mal Industrie 4.0.» Es sei eher eine fortwährende Entwicklung, die eng mit den Prozessen des Unternehmens verbunden sind. Und natürlich sei dabei die Weiterbildung der Mitarbeiter von grosser Bedeutung. Philippe Scemama, Präsident von LNS, erklärt, dass viele Weiterbildungseinrichtungen, wie das CIP in Tramelan (Anm. ein Interregionales Ausbildungs- und Entwicklungszentrum), weit und breit für die Qualität der dort angebotenen Weiterbildung anerkannt seien. Doch, nicht alle Unternehmen wären sich der Bedeutung der fortwährenden Weiterbildung heute unbedingt bewusst.

Der BR nutzte darum die Gelegenheit und informierte die Gesprächsteilnehmer, dass für die Jahre 2019 und 2020 seinem Departement ein Fonds in der Höhe von 213 Mio. CHF für Forschung und Ausbildung zur Verfügung stehe. Die anwesenden Chefs wiesen darauf hin, dass es bereits jetzt viele Instrumente gebe, monierten jedoch, dass das Beantragen von Hilfsprogrammen für sie bisweilen zu kompliziert seien. Der Bundesrat ermutigt die Unternehmer dennoch nicht zu zögern. Denn, die Darstellung dieser Programme sei oft viel komplexer als sie in Realität sind. Félix Arrieta, Generaldirektor von Mikron, brachte die allgemeine Situation auf den Punkt: Es gebe zwar viele Möglichkeiten, aber es sei nicht immer einfach, diese umzusetzen. Schneider-Ammann stimmt dieser Aussage zu. Er betonte jedoch, dass sich der Aufwand dennoch lohne. Als Beispiel zog er seine eigene Abteilung heran: Rund 700 Mitarbeiter wurden an einem Nachmittag in das Programm eingeweiht. Die Neugier und das Engagement seiner Mitarbeiter sei sehr ausgeprägt gewesen. Es sei also auch für ein KMU machbar, das Programm zu verstehen.

Vernetzung und Zusammenarbeit oder bürokratische Hilfsprogramme

Gilles Robert, CEO von Ceramaret, brachte in der Folge die Entwicklung von neuen Technologien ins Gespräch. Sie haben einen Einfluss auf die Art und Weise, wie das Wirtschafts- und Wettbewerbsumfeld neu betrachtet werden sollte. Der Jurabogen besitzt mit seiner Mikrotechnik ein aussergewöhnliches Know-how. In der heutigen Zeit sei es zudem einfacher, in einem Netzwerk zu arbeiten und über die traditionelle Sichtweise von Auftraggeber und Subunternehmer hinauszugehen. So könne der technologische Fortschritt breit gefächert durch viele getragen werden. Olivier Haegeli fügte dem hinzu, dass die Kosten neuer Technologie eine Hürde seien. Schneider-Ammann hielt sich jedoch zum Thema Kooperation zurück. Aus seiner langjährigen Erfahrung wisse er, dass die Vernetzung oftmals schwierig sei, vor allem wenn die beteiligten Unternehmen den gleichen Konjunkturzyklen folgten. Er gratulierte jedoch den anwesenden Unternehmern zu den Ideen und ihrer Bereitschaft, in ihrem Geschäftsbereich immer weiter vorankommen zu wollen.

Der Bundesrat stellte in der Folge die Dienstleistungen von Innosuisse vor, welche wissenschaftsbasierte Innovationsprojekte von Unternehmen gemeinsam mit Forschungspartnern fördere. Er erklärte, dass diese Struktur sehr leicht und weit entfernt von der erwähnten Bürokratie sei. Philippe Scemama stellte jedoch fest, dass sich die Innosuisse den KMU gegenüber besser und stärker verkaufen sollte. Johann Schneider-Ammann nahm dies zur Kenntnis und ermutigte die Unternehmer, sich mit der Institution und ihrem Präsidenten André Kudelski in Verbindung zu setzen. Die Schweiz und insbesondere der Jurabogen seien reich an Kleinodien und kleinen Genies. Innosuisse können ihnen einen weiteren und sicherlich willkommenen Schub ermöglichen.

Swiss Entrepreneurs Foundation – ein neues Instrument für Start-ups

Pierre-André Bühler, Präsident der Uhrenmanufaktur ETA und Mitglied der Konzernleitung der Swatch Group, betonte noch einmal den Reichtum der Schweiz und die Präsenz zahlreicher kleiner und mittlerer Unternehmen mit aussergewöhnlichem, technologischem Know-how; Insbesondere im Bereich des 3D-Drucks und der additiven Fertigung. Dauerte es vor einigen Jahren noch sechs Monate, um einen Prototyp herzustellen, sind es heute lediglich sechs Wochen. Er wies darauf hin, dass die Swatch Group mehr als 400 Lehrlinge ausbildet und dass qualifizierte Arbeitskräfte eine absolute Priorität bleiben, sei es in der Aus- oder Weiterbildung. Cédric Monin, CEO von Tavadec, teilt diese Beobachtung und betont auch die Bedeutung der Ausbildung zum Polymechaniker. Er wies auf die Bedeutung des Programms #bepog zur Förderung des technischen Handwerks hin. Marc Schuler (DIXI Polytool) wies zusätzlich auf die notwendigen besonderen Anstrengungen hin, um eine bestimme Hälfte der Bevölkerung besser zu erreichen und zu informieren: Dass technische Berufe auch Arbeitsplätze für Frauen bieten.

Im Anschluss stellte der Wirtschaftsminister die erst wenige Monate alte Stiftung «Swiss Entrepreneurs Foundation» (SEF) vor. Finanziert aus privaten Mitteln, soll sie Start-ups und Existenzgründern in der Industrialisierungsphase unterstützen. Dies solle die Braindrain nach Kalifornien vermeiden. Wenn Unternehmen in der Schweiz bleiben, sei dies nicht nur ein Plus für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes, sondern auch zur Sicherung der Vollbeschäftigung. Der Finanzrahmen der SEF beträgt laut BR etwa eine halbe Milliarde.

Über Bauern, Freihandel, Grenzarbeiter und Iran

Die Diskussion befasste sich gegen Ende des Abends um verschiedene Angelegenheiten der anwesenden Unternehmer. Michael Hauser, CEO von Tornos, ging auf die Frage des Marktzugangs im Iran ein und hob die Effektivität des Staatssekretariats für Wirtschaft hervor. Schneider-Ammann betonte hierzu, dass die Situation in dieser Frage nach wie vor sehr heikel sei und dass viel von der Position der EU abhinge.

Zu den anderen angesprochenen Themen unterbreitete der Bundesrat allen Teilnehmern interessante Lösungen. Er wies zum Schluss noch auf die Bedeutung des Unternehmertums für den Erfolg der Schweiz hin. Diese Leistungsbereitschaft der Unternehmen versuche auch er in seinem eigenen Departement umzusetzen.

Pünktlich um neun Uhr, nach zwei Stunden intensiven Gedankenaustauschs, verabschiedete sich dann der Wirtschaftsminister von den Anwesenden und verschwand in den noch hellen jurassischen Himmel. Dieser Abend sei wie die Fachmesse SIAMS gewesen, folgerte SIAMS-Chef Pierre-Yves Kohler im Anschluss der Veranstaltung: Entspannt, freundlich, aber auch sehr professionell und wertschöpfend. Er hoffe, dass sie auch in Zukunft die Gelegenheit haben werden, eine solche Veranstaltung mit Unternehmern und wichtigen Vertretern aus der Politik realisieren zu dürfen. SMM

Aus dem Französischen übersetzt Sergio Caré

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