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Exportmärkte China braucht bessere Werkzeugmaschinen

| Autor / Redakteur: Vivian Zhu / Stéphane Itasse

Die Wirtschaft in der Volksrepublik China durchläuft derzeit eine Phase der Strukturanpassung. Dabei sind die Marktbedingungen insgesamt positiv, werden aber einerseits von einer Abschwächung der Wirtschaft und der Investitionen, andererseits einer generellen Nachfrage nach höherwertigen Maschinen beeinflusst.

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Die Herstellung von anspruchsvollen Produkten soll sich in nächster Zeit als Treiber für den chinesischen Werkzeugmaschinenmarkt erweisen.
Die Herstellung von anspruchsvollen Produkten soll sich in nächster Zeit als Treiber für den chinesischen Werkzeugmaschinenmarkt erweisen.
(Bild: Siemens)

Im vergangenen Jahr wies der Trend für den gesamten chinesischen Werkzeugmaschinenmarkt nach unten. Genauere Daten und Charts zeigte dann Chen Huiren, stellvertretender Vorsitzender und Generalsekretär der «Ständigen Institution» des Werkzeugmaschinenverbands, auf der Jahresversammlung der Organisation der ausländischen Werkzeugmaschinenhersteller. Er analysierte auch die relevanten Marktbedingungen für Zerspanungsmaschinen, Umformmaschinen und Messtechnik. Trotz des generellen Abwärtstrends im Jahr 2016 gab es einige Änderungen bei Importen und Exporten.

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Seit dem vierten Quartal 2016 erholt sich der Einkaufsmanagerindex für die chinesische Fertigungsindustrie rasch und hat mittlerweile einen Stand von mehr als 51 Punkten erreicht, was Wachstum zeigt. Auch der Caixin-Index für die Dienstleistungsbranche war im Dezember 2016 besser als erwartet und der Vertrauensindex für kleine und mittlere Unternehmen der Standard Chartered Bank, der zu Jahresbeginn 2017 veröffentlicht wurde, erholte sich rasch von 55 auf 56,1 Punkte. Alle diese Indikatoren zeigen, dass die chinesische Wirtschaft wieder aufwärts tendiert, was die lokalen Unternehmen stark ermutigt. Zugleich fassen viele Unternehmen in ausländischer Hand ebenfalls wieder Vertrauen in die vielversprechende chinesische Wirtschaft und bauen ihre Investitionen aus.

Grösste Produktionsbasis der Welt

China hat die grösste Produktionsbasis der Welt. Dazu hat das Land ein komplettes Industriesystem aufgebaut und beschäftigt eine riesige Zahl von Hilfsarbeitern von hoher Qualität. Diese Vorteile werden der chinesischen Fertigungsindustrie helfen, in Zukunft sowohl den heimischen als auch die ausländischen Märkte zu bedienen.

Was den Grad der Industrialisierung in China betrifft, so ist sie noch nicht abgeschlossen und viele grundlegende Querverbindungen sowie die Zustände in den Einrichtungen sind noch angreifbar. Dies bedeutet wiederum ein grosses Potenzial für die weitere Entwicklung und zieht mehr heimische und ausländische Unternehmen an, die von den Vorteilen des chinesischen Marktes profitieren wollen.

Ein Beispiel ist der deutsche Hersteller von High-End-Werkzeugmaschinen Schwäbische Werkzeugmaschinen GmbH. Das Unternehmen engagiert sich auf dem chinesischen Markt und hat ein neues Werk im Industriepark von Suzhou errichtet. Der Wettbewerber Emag hat zudem in Chongqing – einem der grossen Zentren der chinesischen Automobilproduktion – die Tochtergesellschaft Emag (Chongqing) Machinery Co., Ltd. gegründet. Sie ist innerhalb der Gruppe in China für den Gebrauchtmaschinenmarkt und den Service zuständig. Die Initiativen dieser Unternehmen zeigen, wie sehr sie den chinesischen Markt gewichten und wie entschlossen sie sind, dort erfolgreich zu sein.

Optimismus bei ausländischen Herstellern

Im Jahr 2016 konnten einige ausländische Werkzeugmaschinenhersteller wie Hurco, Mazak, Hardinge oder Doosan ein zweistelliges Wachstum erreichen. Manche legten sogar um 40 bis 50 % zu, darunter Starrag, THK oder Fanuc. Chen wies auch darauf hin, dass die Entwicklung der ausländischen Unternehmen in China 2016 vergleichsweise besser als 2015 war, auch wenn mehrere Unternehmen im vergangenen Jahr das gleiche oder ein schwächeres Wachstum als im Vorjahr verzeichneten.

Die meisten ausländischen Unternehmens sind nach den Ausführungen von Chen zuversichtlich angesichts der Marktaussichten für das Jahr 2017. Dafür nannte er drei Gründe:

  • Der Markt ist nahe bei oder an seinem Tiefpunkt angelangt; Investitionen in die Infrastruktur spielen weiterhin eine unterstützende Rolle.
  • Der Verbrauch wird mehr und mehr zum wichtigsten Markttreiber.
  • Luft- und Raumfahrt, Schiffbau, Triebwerksbau und Gasturbinen für die Schifffahrt werden zum wichtigsten Abnehmermarkt für hochqualitative Werkzeugmaschinen.

Daneben wies Chen auch darauf hin, dass es 2017 gegenläufige Faktoren gibt, zum Beispiel die kurzfristigen Auswirkungen auf den Markt, die durch die stärkere Kontrolle der Immobilienmärkte ausgelöst werden, ungewöhnliche Preisanstiege von Rohstoffen oder ein starker Anstieg der Unsicherheit bezüglich des internationalen Handelsaustausches.

In den vergangenen Jahren hat sich die Nachfrage der lokalen Anwenderunternehmen verändert. Sie hat eine Strukturanpassung durchlaufen und sich zu einem höheren Marktsegment hin verschoben. Davon wird in der Folge auch die Werkzeugmaschinenindustrie direkt oder indirekt beeinflusst. Unternehmen müssen sich an den veränderten Markt und die fortlaufenden Änderungen in der Nachfrage anpassen. Dies ist auch die neue Herausforderung auf dem chinesischen Werkzeugmaschinenmarkt.

* Vivian Zhu ist Redakteurin bei MM MaschinenMarkt China; Übersetzung aus dem Englischen und Bearbeitung: Stéphane Itasse

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