Werkplatz Schweiz: Quo vadis? Interview mit Blaser Swisslube-Geschäftsführer Marc Blaser Dank Know-how und Digitalisierung nachhaltig fertigen

Von Konrad Mücke 4 min Lesedauer

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Kühlschmierstoffe tragen wesentlich dazu bei, effizient, wirtschaftlich und produktiv zu fertigen. Sie verursachen aber auch Aufwand und Kosten. Wir sprachen mit Marc Blaser, Geschäftsführer der Blaser Swisslube AG in Hasle-Rüegsau, wie ein Hersteller beides in Einklang bringt.

Marc Blaser, Geschäftsführer der Blaser Swisslube AG: «In Zeiten globaler Unsicherheit ist Know-how unser grösstes Kapital.»(Bild:  Felix Schmidli)
Marc Blaser, Geschäftsführer der Blaser Swisslube AG: «In Zeiten globaler Unsicherheit ist Know-how unser grösstes Kapital.»
(Bild: Felix Schmidli)

SMM: Derzeit sehen sich produzierende Unternehmen in Europa mit einigen besonderen Forderungen konfrontiert. Die Kosten für Energie sind hoch, die Umwelt soll deutlich weniger belastet werden, häufig mangelt es an (qualifizierten) Arbeitskräften. Inwieweit sehen Sie, dass sich das auch auf Unternehmen in der Schweiz auswirkt? Wie sind Sie mit Ihrem Unternehmen betroffen?

Marc Blaser: Hohe Energiekosten, der Fokus auf Umweltschutz sowie eine Vielzahl an Regulierungen betreffen auch uns in der Schweiz erheblich. Als Familienunternehmen sehen wir darin jedoch nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance zur Transformation. Und dies nicht nur bei uns im Haus, sondern genauso auch bei unseren Kunden. Als Unternehmen sind wir seit unserer Gründung bestrebt, einen respektvollen Umgang mit Mensch und Umwelt zu leben. Deshalb haben wir uns schon immer und stetig erneut mit diesem Aspekt in unserer Entwicklung und Produktion auseinandergesetzt. Die Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften treibt uns dazu an, in Automatisierung und digitale Technologien zu investieren. Wesentliches Ziel dabei ist und bleibt, die Effizienz und die Produktivität unserer Kunden nachhaltig zu steigern. Weiter müssen in der Schweiz attraktive Arbeitsbedingungen für Fachkräfte geschaffen werden und erhalten bleiben.

Experten sehen zumindest für das kommende Jahr eine weltweite Schwäche in der konjunkturellen Entwicklung. Der internationale Waren- und Güteraustausch ist gebremst durch aktuelle Bedingungen – politische Uneinigkeit, Kriege und regionale Krisen. Wie begegnen Sie dieser Situation speziell in der Schweiz als einem ausgeprägt am Export orientierten Land?

M. Blaser: In Zeiten globaler Unsicherheit ist Know-how unser grösstes Kapital. Immer mehr metallverarbeitende Unternehmen wenden ganzheitliche Sichtweisen an. Sie erkennen, dass vor allem niedrige Kosten in der Fertigung dazu beitragen, wettbewerbsfähig zu bleiben. Das betrifft nicht primär möglichst niedrige Kosten in der Beschaffung erforderlicher Produkte und Betriebsmittel.

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Wir selbst sehen Chancen für die Zukunft vor allem darin, unsere Märkte und unsere Lieferketten zu diversifizieren, um Risiken zu minimieren. Wir setzen auf die Stärkung unserer globalen, regionalen und lokalen Partnerschaften rund um die Welt. Damit können wir die Abhängigkeit von einzelnen volatilen Märkten wirksam reduzieren. Darüber hinaus fokussieren wir darauf, innovative Produkte zu entwickeln, unsere Anwendungsexpertise zu erweitern und zuverlässige Prozesse bei uns in der Produktion und bei unseren Anwendern zu verwirklichen. Damit steigern wir kontinuierlich unsere Wettbewerbsfähigkeit in einem sich stetig wandelnden Marktumfeld.

Auch in der Schweiz – ähnlich wie in weiteren hochentwickelten Industrieländern – besteht derzeit eher ein Mangel an Arbeits- und Fachkräften. Wie agieren Sie, um weiterhin ausreichend produktiv arbeiten zu können? Was unternehmen Sie konkret, um die Leistungsfähigkeit Ihres Unternehmens aufrechtzuerhalten?

M. Blaser: Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, investieren wir intensiv in die Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeitenden. Wir fördern zudem Arbeitsmodelle, die eine bessere Work-Life-Balance ermöglichen, um als Arbeitgeber attraktiv zu bleiben. Die Automatisierung von Routineaufgaben und der Einsatz digitaler Werkzeuge zur Effizienzsteigerung helfen uns, mit weniger Personal mehr zu erreichen und gleichzeitig die Arbeitsqualität zu verbessern.

Künftig soll auch in der Schweiz die Industrie möglichst neutral hinsichtlich der Emissionen arbeiten – vor allem in Bezug auf CO2 in der Luft. Welche Massnahmen treffen Sie, um auf dieses Ziel hinzuarbeiten hinsichtlich der angebotenen Produkte und der Produktion im Haus?

M. Blaser: Unser Engagement für die CO2-neutrale Produktion manifestiert sich in mehreren Bereichen. Zum einen entwickeln und fördern wir Produkte und Fertigungsprozesse, die den Energieverbrauch in der metallverarbeitenden Industrie reduzieren. Zum anderen optimieren wir unsere eigenen Produktionsabläufe. Wir erschliessen unterschiedliche Energiequellen und verwirklichen zahlreiche Massnahmen, um Energie effizienter zu nutzen. Darüber hinaus arbeiten wir eng mit unseren Lieferanten und Partnern zusammen, um die Nachhaltigkeit entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu verbessern.

Welche Produkte (aus Ihrem Portfolio) und Strukturen können dazu beitragen, um künftig «nachhaltig» zu produzieren?

M. Blaser: Dank unserer langjährigen Erfahrung in der metallverarbeitenden Industrie haben wir mit unseren Kühlschmierstoffen Konzepte erarbeitet, damit Fertigungsbetriebe den Verbrauch an Kühlschmierstoffen deutlich vermindern können. Weiter sind unsere Produkte langlebig und durch unsere unterstützenden Dienstleistungen auch nachhaltig im Einsatz. Dies minimiert die Entsorgungskosten.

Welchen Beitrag können nach Ihrer Einschätzung digitale Technologien bis hin zur KI leisten, um die gesteckten Ziele hinsichtlich einer energieeffizienten und nachhaltigen Produktion zu erreichen?

M. Blaser: Digitale Technologien sind für uns Schlüsselkomponenten, um unsere Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Durch die Digitalisierung in der Produktentwicklung können wir beispielsweise die Effizienz unserer Schmierstoffe weiter steigern.

Im Bereich der Produktion ermöglichen digitale Überwachungs- und Steuerungssysteme eine präzisere Kontrolle der Prozesse. Das vermindert den Energieverbrauch und sorgt dafür, Ressourcen effizienter zu nutzen. Zudem verbessern wir durch digitale Technologien den Einsatz unserer Produkte und Dienstleistungen. So können wir den CO2-Ausstoss bei Fertigungsbetrieben um ein Vielfaches weiter reduzieren, verglichen mit den bei uns bereits erwarteten und verwirklichten Optimierungen.

In welchen Branchen und Märkten sehen Sie Chancen, Ihre Geschäftstätigkeit auszubauen?

M. Blaser: Wir sehen grosses Potenzial in Branchen, die besonders auf Wettbewerbsfähigkeit, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz fokussiert sind. Durch unsere Expertise in der Entwicklung nachhaltiger flüssiger Werkzeuge und unser Engagement für digitale Technologien können wir gemeinsam messbare Wettbewerbsvorteile realisieren.

Unser flüssiges Werkzeug ist mehr denn je gefragt. Die vermeintlich naheliegenden Optimierungen in allen Industrien der Metallbearbeitung haben nicht die notwendigen substanziellen Verbesserungen gebracht, welche für nachhaltigen Erfolg nötig sind. Deshalb sind wir auch in einem schwierigen Umfeld sehr zuversichtlich und positiv der Zukunft gegenüber eingestellt.

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