Industrielles «Deep Learning» Den kleinsten Fehlern auf der Spur

Redakteur: Luca Meister

Sie sind winzig klein und von blossem Auge kaum zu erkennen. Qualitätprüfer wissen, wie schwierig es ist, Fehler oder Abweichungen im Produktionsprozess zu entdecken. Prüfverfahren sind zeitraubend und nicht immer erfolgreich. Mit Hilfe der «Deep-Learning»-Technologie verändert Industrie 4.0 nun diese Schwierigkeit.

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«Mit Vidi-Software lernen Computer auf dieselbe Weise, wie Kinder es tun.» Nicolas Corsi (l.), CEO, und Dr. Reto Wyss, CTO der Vidi Systems SA.
«Mit Vidi-Software lernen Computer auf dieselbe Weise, wie Kinder es tun.» Nicolas Corsi (l.), CEO, und Dr. Reto Wyss, CTO der Vidi Systems SA.
(Bild: Vidi)

mei. Im freiburgischen Dorf Villaz-Saint-Pierre feilt eine neunköpfige Gruppe von Softwareingenieuren seit 2012 an der Zukunftslösung für die Qualitätsprüfung. Vidi Systems SA vertreibt die erste auf «Deep Learning» (maschinelles Lernen) basierende «Ready-to-Use»-Softwaresuite für die industrielle Bildanalyse. Der Clou an der Sache: Das Programm lernt selbstständig und trifft blitzschnell eigene Entscheidungen. Künstliche Intelligenz hat damit endgültig die Fabrikhallen erreicht.

Nische erfolgreich besetzt

Fehler findet die Vidi-Software beispielsweise an Maschinenteilen, Schweissnähten, Uhrenteilen, Solarpaneln oder auf komplexen Textilien. Das System identifiziert und klassifiziert Produkte – auch ohne Barcode. Im Tagbau registriert es per Livecam die Anzahl Fahrten einzelner Schwertransporter, die Gestein wegbringen. «Die Verwendungsmöglichkeiten sind grenzenlos», sagt Nicolas Corsi, Geschäftsführer der Vidi Systems SA. Das Unternehmen besetzt mit seiner Analysesoftware erfolgreich eine Nische. Kein anderes Produkt ist technologisch derart fortgeschritten und bewährt sich im industriellen Einsatz wie Vidi etwa bei verschiedensten Schweizer Uhrenherstellern.

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Systematischer Markteintritt

Vor allem in den USA wächst die Nachfrage nach automatisierter Qualitätsprüfung. Im Juni 2014 begann Vidi deshalb das Marktpotenzial abzuklären. Darauf folgten Messeauftritte, Roadshows bei Händlern und Systemintegratoren, Awardteilnahmen und eine rege Präsenz in den sozialen Medien. Inzwischen wird die Softwaresuite von namhaften amerikanischen Unternehmen für deren Produktion getestet, einige nutzen sie auch bereits.

Das ist erst der Anfang: In den kommenden drei Jahren plant Vidi Systems, mit seiner Softwaresuite mehrere Millionen US-Dollar Umsatz zu generieren. So wie die künstliche Intelligenz heute unser tägliches Leben durchdringt, wird die Software wohl in ein paar Jahren ein integraler Bestandteil der modernen, vernetzten und intelligenten Fabrik sein. <<

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