Zulieferunternehmen Biltec AG wächst von 18 auf 26 Mitarbeiter

Der 15. Januar 2015

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Die grösste Herausforderung

I. Hasdemir: «Die grösste Herausforderung war, die Mitarbeiter für Lean-Manufacturing zu gewinnen. Es ist anspruchsvoll, den Hebel im Kopf umzustellen. Typisch ist der Satz: ‹Das haben wir schon immer so gemacht› oder ‹Das bringt doch nichts›. Ein solcher Satz ist im Prinzip ein Killerkriterium für jegliche Veränderung. Aber ohne Veränderung werden Unternehmen langfristig nicht überleben können. Entscheidend ist, dass die Führungskräfte Überzeugungsarbeit leisten und voll hinter den neuen Methoden stehen. Letztlich kann Lean-Manufacturing, dank der effizienteren Prozesse, unsere Zukunftsfähigkeit verbessern und Arbeitsplätze sichern. Die richtigen Mitarbeiter sind unser Schlüssel zum Erfolg. Die besten Maschinen und Anlagen nützen Ihnen nichts, wenn Sie nicht die richtigen Maschinenoperateure haben. Das ist wie in der Formel 1, das beste Formel-1-Fahrzeug wird nie gewinnen, wenn sie nicht den besten Piloten haben.»

Mitarbeiter zogen 100 Prozent mit

D. Thoeny: «Bei der Lean-Umstellung haben wir letzten Endes herausragende Unterstützung durch unsere Mitarbeiter bekommen. Wir mussten uns von keinem unserer Mitarbeiter trennen, was bei solchen Veränderungsprozessen alles andere als selbstverständlich ist. Ganz im Gegenteil, alle unterstützen den Innovationsprozess aktiv und wir können so unser Unternehmen auf moderne Strukturen hin anpassen. Es ist ein spannender und ein stetiger Prozess. Wer Lean einführt, muss sich im Klaren sein, dass die einzige Konstante für die Zukunft die Veränderung ist.»

Lean bringt Struktur in die Unternehmens- prozesse

I. Hasdemir: «Mit der Lean-Methode bringen wir die richtige Struktur, Ordnung und Prozesse in unser Unternehmen, damit wir unsere Anlagen optimal auslasten können. Das ist für ein Lohnfertigungsunternehmen enorm anspruchsvoll und eher unüblich. Der Grund liegt darin: Wir haben ständig wechselnde Serien und Aufträge. Die Planbarkeit auf längere Zeit ist nicht gegeben, wie beispielsweise bei einem Maschinenbauunternehmen. Wir haben die Prozesse bezüglich Warenfluss erheblich optimieren können.»

Sägeprozesse können ausgelagert werden

Ein praktisches Beispiel, wie die Lean-Methode bei der Biltec gelebt wird: Sägen war bisher ein Inhouse-Prozess. Der Grund klingt plausibel: Rohmaterialien müssen jederzeit schnell und flexibel für potenzielle Aufträge zurechtgesägt werden können. Das bedingte ein Metallwarenlager und eine moderne Sägevorrichtung. Das ist Geschichte. Dank der neuen Planungsstruktur im Rahmen des Lean-Manufacturing konnten die Sägeprozesse ausgelagert werden. I. Hasdemir begründet den Entscheid wie folgt: «Sägen ist nicht die Kernkompetenz von Biltec AG. Wir können aufgrund unserer detaillierten Planung und in enger Zusammenarbeit mit unserem Rohstofflieferanten genau bestimmen, wann und wie viele Zuschnitte wir benötigen. Eine Systemanbindung an unsere Materiallieferanten vereinfacht unseren Bestellprozess erheblich. Somit ist es uns möglich, die gesägten Rohteile direkt an die richtige Kostenstelle zu führen und Lagerplatz zu sparen. Wir betreiben somit die Wertschöpfung an der Bearbeitungsmaschine und verschwenden nicht Ressourcen beim Sägen.»

Fazit: Lean-Manufacturing ist auch bei Lohnfertigern mit kleinen und wechselnden Serien realisierbar. Entscheidend ist, dass alle mitmachen, von der Unternehmensleitung bis hin zu allen Mitarbeiterebenen. D. Thoeny: «Wenn ich unser Unternehmen heute betrachte, ziehe ich folgenden Schluss: Unsere Lean-Strategie hat sich bereits heute absolut ausgezahlt. Wir sind gegenüber europäischen Mitbewerbern absolut konkurrenzfähig. Und zwar nicht nur auf Seiten des Preises, sondern auch bezüglich der Liefertreue, Qualität und der Durchlaufzeit. Letztere Aspekte sind oft matchentscheidend.» SMM

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