Zulieferunternehmen Biltec AG wächst von 18 auf 26 Mitarbeiter Der 15. Januar 2015

Autor / Redakteur: Matthias Böhm, Chefredaktor SMM / Silvano Böni

Kann der 15. Januar für MEM-Unternehmen ein Glücksfall sein? Ja, er kann, wie das Beispiel der Biltec AG zeigt. Das Unternehmen integrierte einen Teil der Produktion der Gallus AG, die ihre Produktion wegen den Folgen des 15. Januars vollständig auslagerte. Eine Erfolgsgeschichte der besonderen Art.

Firmen zum Thema

Die Spezialisten der Rundschleifabteilung (Vincenzo Machitelli und Roman Wieland) besprechen die Fertigungsabläufe der Druckwalzen.
Die Spezialisten der Rundschleifabteilung (Vincenzo Machitelli und Roman Wieland) besprechen die Fertigungsabläufe der Druckwalzen.
(Bild: Matthias Böhm)

In 2002 wurde die Biltec AG vom damaligen Firmeneigentümer Otmar Bilgeri gegründet und in 2011 an Dietmar Thoeny per MBO (Management Buy-out) übereignet. Kernsegment waren kleine bis mittelgrosse Fräswerkstücke. Grossen Wert wurde auf einen qualitativ hochwertigen Maschinenpark gelegt. In 2016 ist das Unternehmen um eine rotative Fertigung inklusive Rundschleiferei gewachsen. In der Folge wuchs die Mitarbeiteranzahl von 18 auf 26.

Produktionsbereiche der Gallus AG übernommen

Wie kam es zu dem Wachstum? Der St. Galler Druckmaschinenhersteller Gallus AG lagerte aufgrund der veränderten Rahmenbedingungen seit dem 15. Januar 2015 seine Produktion aus, um die Kosten zu reduzieren. Ein Teilbereich der Produktion, die Herstellung hochkomplexer Druckwalzen inklusive der Maschinenpark und ein bedeutender Teil der Mitarbeiter, ging zu der Biltec AG über.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 7 Bildern

Dietmar Thoeny: «Es war für uns eine grosse Herausforderung, von heute auf Morgen eine rotative Fertigung zu integrieren. Nebst dem Personalzuwachs von acht ehemaligen Gallus-Mitarbeitern musste die gesamte Organisationsstruktur den neuen Verhältnissen angepasst werden.»

Die Entscheidung, die rotative Fertigung von Gallus zu übernehmen und infolgedessen als Zulieferer für Gallus zu agieren, war für Biltec aber eine Fügung des Schicksals. Und zwar aus folgenden Gründen:

Erstens: Die Biltec AG hat zusätzliche technologische Kompetenzbereiche erworben. Zuvor war das Unternehmen im Fräsen extrem stark. Heute beherrscht es Fräsen, Drehen, Dreh-Fräsen und Rundschleifen.

Zweitens: Durch die technologische Erweiterung ist der Kundenstamm angewachsen. Das ist ein strategisch wichtiger Aspekt. Gerade im permanent wirtschaftlich anspruchsvollen Umfeld, seit dem 15. Januar 2015.

Drittens: Der heutige Leiter rotative Fertigung, Ilhan Hasdemir, kam von Gallus. Dort war er Fertigungsleiter. Die Biltec AG ist dabei, dank der Unterstützung und des Know-hows des Spezialisten, die Lean-Manufacturing-Strategie zu integrieren und auf den Bereich kubische Fertigung zu übertragen. Damit ist sozusagen ein Organisationstransfer im Gange und in der Umsetzung.

Neue Liga: strategisch und technologisch

Dietmar Thoeny: «Alle genannten Punkte zusammengenommen, haben uns strategisch und technologisch in eine komplett neue Liga gehoben. Die Bemühungen, Gallus Ferd. Rüesch AG davon zu überzeugen, dass wir der geeignete und beste Partner für die Auslagerung der Fertigung sind, hat sich gelohnt.»

Auf die Frage des SMM, wie I. Hasdemir den Eingliederungsprozess empfunden hat, sagt er: «Ich wurde praktisch mit meinen Mitarbeitern der Gallus AG und sämtlichen Dreh- und Schleifmaschinen von Biltec übernommen. Somit konnte das gesamte Know-how lückenlos übernommen werden. Die Versorgungssicherheit und Qualität für Gallus ist so sichergestellt.»

D. Thoeny: «Die grösste Herausforderung bestand darin, zwei Firmenkulturen zusammenzuführen. Gallus hatte Lean-Manufacturing längst integriert. Schliesslich haben wir die Entscheidung getroffen, alle Unternehmensbereiche der Biltec AG – auch den Fräsbereich – zu 100 Prozent auf Lean umzustellen. Für mich war das eine ganz grosse Chance, vom Know-how im Bereich des Lean-Managements der Gallus AG zu profitieren.»

(ID:44743629)