Interview mit Philipp Burgener

«Der Kunde möchte heute eine komplette Fertigungslösung»

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Haben Sie davon schon welche verkauft?

P. Burgener: Wir haben bereits mehrere Anlagen bei Kunden installiert. Das Konzept der Mobile Bending Cell ist primär deshalb erfolgreich, weil in der Schweiz eine fixe Roboterzelle nicht zu hundert Prozent auslastbar wäre. Wir haben erkannt, dass viele unserer Kunden ein flexibles Biegesystem benötigen, das innert weniger Minuten umgestellt ist. Wir nennen das «Plug and Bend»-Prinzip – anschliessen, einrichten und losbiegen.

Weshalb haben Sie ausserdem einen Zehn-Kilowatt-Laser auf den Markt gebracht? Liegt das Einsparpotenzial von Anwendern nicht vor allem in der Optimierung von Peripherieprozessen wie dem Handling oder der Programmierung?

P. Burgener: Im Laserprozess liegt immer noch genug Potenzial drin. Ein Kunde von hier in der Nähe hat soeben drei seiner CO2-Laser-Anlagen durch eine Zehn-Kilowatt-Faserlasermaschine ersetzt. Mit Geschwindigkeit kann man immer noch enorm viel Kosten einsparen. Richtig ist aber auch, dass ein solcher Faserlaser sein Potenzial nur dann voll ausreizt, wenn vor- und nachlaufende Software- und Handlingprozesse ideal auf das Schneidsystem abgestimmt sind. Lösungen hierfür bieten wir mit der umfassenden Software BySoft 7 und mit einer Auswahl an passenden Handlingsystemen.

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Wie sind wir auch in Zukunft im Hochlohnland Schweiz erfolgreich?

P. Burgener: Wir müssen unsere Rollen neu definieren, die eigenen Prozesse hinterfragen, für Neues offen sein. Wenn wir die Umstellung auf einen neuen Mindset schaffen, werden wir auch in der Schweiz Erfolg haben.

Was heisst das konkret für Bystronic in der Schweiz?

P. Burgener: Wir ändern zum Beispiel unsere Verkaufsprozesse. Unsere Verkäufer treten als beratenden Partner auf. Der Kunde möchte heute eine komplette Fertigungslösung. Er bestimmt, wo das Rohblech reinkommt und wo es in welcher Qualität wieder rauskommt. Was dazwischen liegt an Maschinen und Geräten, interessiert ihn im Detail nicht mehr besonders. In dieser Gesamtlösung liegt die Kompetenz von Bystronic. Wir bieten Verkaufsberatung und Service vom File bis zum fertigen Blechteil.

Solche Systeme verändern somit auch die Arbeit der Anwender …

P. Burgener: … der Anwender muss heute mit seinem Angebot und in der anschlies­senden Fertigung viel flexibler sein als früher. Für die Systeme, die er dabei einsetzt, bedeutet das: schnelles Umrüsten, Automation rund um das Schneiden und Biegen sowie eine durchgehende Softwareumgebung, die alle Fertigungsschritte integriert.

Wie erreichen Sie das bei Ihren Kunden?

P. Burgener: Wir analysieren die Situation unserer Kunden sehr genau. Anschlies­send bieten wir unseren Kunden eine individuelle Prozesslösung mit Maschinensystemen, die optimal auf ihre Fertigungsansprüche zugeschnitten sind. Ist eine solche Fertigungslandschaft installiert, laden wir die Anlagenbediener zu uns nach Niederönz ein. In unserem Demo- und Schulungscenter erklären wir ihnen neben der technischen Bedienung zum Beispiel auch, wieso ihre Firma in diese neue Lösung investiert hat.

Werten Ihre Kunden die Maschinen- und Prozessdaten rege aus?

P. Burgener: Das ist von Kunde zu Kunde unterschiedlich. Es gibt Kunden, die nutzen das Monitoring gezielt, um ihre Fertigungsprozesse auszuwerten und zu verbessern. Dazu bietet Bystronic zum Beispiel Lösungen wie den Observer, den Plant Manager und demnächst auch das neue ByCockpit als Web-Applikation. Andere Kunden hingegen sind hier noch zurückhaltend. Aber auch diese Kunden werden in Zukunft ihre Prozess- und Maschinendaten auswerten – denn die Lösungen dazu werden für sie immer einfacher.

Transformiert sich der Werkplatz Schweiz zum Denkplatz Schweiz?

P. Burgener: Das glaube ich nicht. Der Erfolg des Werkplatzes ist jedoch von der persönlichen Einstellung von jedem Einzelnen abhängig. Wer hundertprozentig davon überzeugt ist, gute Qualität zu einem guten Preis zu liefern, der wird es auch in Zukunft so realisieren können. Davon bin ich überzeugt. Die Technologien und Fertigungslösungen dazu sind verfügbar. -mei- SMM

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