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Kann ein Design auch Ablehnung hervorrufen?
D. Schindler: Das Schaffen von Bedeutung ist individuell geprägt. Während eine oder einer von einem Design überzeugt ist, sagt es der oder dem anderen nicht zu. Auch von Kultur zu Kultur ist es verschieden. Wissen Sie, wo die meisten SUVs gefahren werden?
Nein …
D. Schindler: … In den Städten! Und in den ländlichen Gegenden sind die Zahlen am tiefsten. Der Mensch denkt meist nicht rational, aber emotional fühlt er sich im SUV sicher. Der hohe Spritverbrauch und die grössere Schwierigkeit, einen Parkplatz zu finden, spielen hier offenbar keine Rolle.
Wenn wir schon bei Autos sind, wieso kauft man sich einen Nissan Qashqai?
D. Schindler: Ich weiss, worauf Sie hinauswollen (lacht). Schauen wir uns den Fiat Multipla an. Das war das erste Auto, das nicht von aussen nach innen, sondern von innen nach aussen designt wurde. Die haben sich überlegt: Was braucht man, um eine ganze Familie in einem nicht allzu grossen Auto bequem unterzubringen? Dank dem Dreiersitz vorne kann ein Kind zwischen den Eltern sitzen und die Oma hat hinten einen Becherhalter vor sich installiert. Vielen Leuten ist das wichtig. Das Modell war ein Erfolg.
Die User Experience war also wichtiger als Form und Farbe …
D. Schindler: ... Das menschliche Gehirn ist so programmiert, dass wir unsere Entscheidungen begründen wollen. Dies erfolgt nicht auf rationaler, sondern auf emotionaler Basis. Zumindest die finale Entscheidung machen wir mit Herz und Seele.
Können Sie ein anderes Beispiel erwähnen?
D. Schindler: Setzen wir einen VW Golf einem Honda Civic gegenüber. Es gibt keinen rationalen Grund, wieso man sich entweder für einen Golf oder für einen Civic entscheiden soll. Es sind beide platzbietende Mittelklassewagen, sie kommen in etwa gleich schnell von A nach B, verbrauchen plus/minus gleich viel Benzin und so weiter. Man entscheidet sich für das eine oder andere, weil man sich emotional zu einem Auto oder einer Marke mehr hingezogen fühlt.
Aus was besteht modernes Design?
D. Schindler: Es gibt drei Disziplinen.
Interaction Design befasst sich mit der Herausforderung, wie ein Bediener möglichst schnell und intuitiv von A nach B kommt. Ein Beispiel dafür ist das iPhone, das damals als erstes Telefon ohne Bedienungsanleitung ausgeliefert wurde. Beim Service Design werden Prozesse gestaltet. Im Fokus kann hier etwa die Optimierung von Vertriebsprozessen liegen: Wie gehen Leute auf Kunden zu?, wie sprechen sie mit ihnen? und so weiter. Sixt liess diese Prozesse so gestalten, dass man nach zehn Sekunden den Schlüssel in der Hand hat und zum Mietauto gehen kann. Im Grunde werden beim Service Design die Menschen mittels psychologisch intuitiver Impulse auf die richtigen Dinge aufmerksam gemacht. Falls dies in perfekter Zusammenarbeit mit Industrie Design und Interaction Design erfolgt, spricht man auch von Experience Design.
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