Industrie-Design: Interview des Monats

«Design Thinking ist ein bedeutsamer Marktfaktor»

| Autor / Redakteur: Luca Meister / Luca Meister

Futuristische Technik in innovatives Design umgesetzt: Lösungen für die zukünftige Baumaschinenindustrie.
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Futuristische Technik in innovatives Design umgesetzt: Lösungen für die zukünftige Baumaschinenindustrie. (Bild: Dominic Schindler Creations)

Produktivität dank Design, speditive Prozesse dank Erlebnissen. Schon länger beschränkt sich Design nicht mehr auf reine Form- und Farbgebung, sondern gestaltet darüber hinaus sowohl Prozesse als auch Interaktion von Mensch und Maschine. Moderne Produktionssysteme verdanken ihre effizienten Prozessabläufe oft Agenturen wie Dominic Schindler Creations. Im Interview verdeutlicht Dominic Schindler die Rolle von Design im Maschinenbau.

SMM: Sie haben seit Ihrer Firmengründung 2006 bereits über 3000 Projekte im Markt implementiert. Wo sind Ihre Kunden daheim?

Dominic Schindler: Unsere Expertise liegt darin, komplexe Projekte oder Auftragsstellungen für unsere Partner profitabel umzusetzen und mit den Lösungen einzigartige Erlebnisse zu schaffen. Unsere Partner sind meist im Investitionsgüterbau und dessen Aktionskreis tätig. Sie stammen mehrheitlich aus innovationsgetriebenen Ländern.

Seit zwei Jahren hat die Dominic Schindler Creations neben ihrem österreichischen Gründungsstandort am Bodensee auch in der Schweiz einen Sitz. Wieso haben Sie sich nun auch für den Zürichsee entschieden?

D. Schindler: Da wir sehr international ausgerichtet sind, spielte die Nähe zum Flughafen eine Rolle. Wichtiger war jedoch, dass sich der Grossraum Zürich in den letzten Jahren klammheimlich zur Forschungs- und Entwicklungshauptstadt Europas entwickelt hat – wir haben hier einen Inkubator mit grosser Zukunft. Sie müssen sich vorstellen, die einzigen F&E-Abteilungen von Walt Disney und Google ausserhalb von Amerika befinden sich hier, 3M ist schon länger hier, die Liste ist endlos ... Dank der Präsenz diverser Hochschulen weisen die Leute einen hohen Bildungsgrad auf und die Entwicklung der Infrastruktur ist sehr hoch. Als Innovationsagentur sind wir auf die besten Leute angewiesen.

Hat sich in den letzten zehn Jahren im Maschinenbau in puncto Design etwas geändert?

D. Schindler: Natürlich. Design bezieht sich seit mehreren Jahren nicht mehr nur auf Farb- und Formgebung, sondern hat sich in Richtung User Experience entwickelt. Im Fokus steht immer mehr das Erlebnis. Aus diesem Grund sehen wir uns auch als emotionale Entwickler und nicht nur als Entwurfsdesigner beziehungsweise Formgeber.

Für Schmolz + Bickenbach entwickelten Sie einen aussergewöhnlichen Flaschenhalter aus reinem Edelstahl, für VW eine modulare Produktionszelle. Was wird man auf der kommenden EMO für neue Projekte von Dominic Schindler Creations sehen?

D. Schindler: Es werden über 40 Neuentwicklungen zu sehen sein, über die ich jedoch noch nicht sprechen darf. Viele davon befinden sich im Bereich Service Design respektive im Interaction Design.

Apropos Interaction Design, Entwicklung von Softwarearchitektur, effiziente Bedienungsprozesse und intuitive Bedienung. Wie holen Sie sich hier die Inspiration?

D. Schindler: Es genügt bei weitem nicht – und ist teilweise auch irreführend –, wenn man nur die Benutzer über ihre Prozesse befragt. Man muss die Anwender während ihres ganzen Tagesablaufs begleiten. Mittels erprobter Methoden und extensiver Beobachtung findet man dabei heraus, was die Bediener wirklich brauchen.

Sie nehmen also nicht das Technologische, sondern das Problem in den Fokus …

D. Schindler: … Genau, wir drehen den Spiess um. Einerseits haben wir die Ingenieure, die in ihrer Nische – zum Beispiel in der Auslegung von Zahnrädern – absolute Spezialisten sind. Andererseits unsere Design Thinker, die über ein breiteres Allgemeinwissen verfügen. Design Thinker befinden sich in der Lage, Dinge richtig deuten zu können, und denken lösungs- sowie emotionsorientiert. Kurz: Der Ingenieur entwickelt rational, wir entwickeln emotional. Da kommen natürlich ganz andere Lösungen heraus. Der Ingenieur kommt auf Lösungen, auf die wir gar nicht kommen können, und wir kommen auf Lösungen, auf die er gar nicht kommen kann. Design wird daher in allen erfolgreichen Unternehmen zunehmend mit wichtigen Entwicklungen verbunden.

Vor 20 Jahren war das bewusste Schaffen von Emotionen im Maschinenbau praktisch inexistent. Alle Werkzeugmaschinen waren grün und deren Hebel mühsam zu bedienen. Heute sehen wir in jeder Produktionshalle mindestens ein futuristisch aussehendes Bearbeitungszentrum mit intuitiver Bedienung. Weshalb dieser Wandel?

D. Schindler: Oft sind es nur noch marginale Vorsprünge zu der Konkurrenz, die entscheidend sind. Man hat verstanden, dass es genauso wichtig ist, wie sich etwas anfühlt, statt sich nur rein auf die Funktionalität zu berufen.

Weshalb braucht es in einer Werkstatt Objekte mit Bedeutung?

D. Schindler: Alle Menschen suchen nach Bedeutung und Optimierung, wir streben konstant Verbesserung an. Auch am Arbeitsplatz, wo beispielsweise ein gutes Industrie-Design oder Interaction Design bei den Mitarbeitern Bedeutung oder Stolz hervorrufen und diese in der Folge motivieren kann. Generell müssen wir jedoch vom Gedanken wegkommen, dass Design hübsch sein soll. Design muss funktional sein. Eine Maschinentür soll mit einer Hand und einfach zu öffnen sein, nicht auf umständliche Weise, die zwei Hände und ein Dagegenstemmen erfordert.

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