Werkplatz Schweiz: Quo vadis? SMM-Exklusivinterview mit Helukabel-Geschäftsführer Renato Guccione Die Herausforderungen werden nicht kleiner

Von Matthias Böhm 5 min Lesedauer

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Ohne moderne Kabeltechnologien ist Industrie 4.0 im modernen Maschinenbau undenkbar. Helukabel gehört mit über 2 000 Mitarbeitenden zu den Hidden Champions in einer Branche, die selten im Vordergrund industrieller Lösungen steht, aber wichtige Schlüsseltechnologien entwickelt. So geht der Trend in der Kabelbranche hin zu Einkabellösungen, d.h. in einem Kabel werden mehrere Funktionalitäten integriert. Im SMM-Interview zeigt Geschäftsführer der Schweizer Niederlassung Renato Guccione auf, welche Funktionalitäten heute in Kabelsystemen integriert werden müssen.

«In den vergangenen drei Jahren hat die Helukabel-Gruppe Akquisitionen getätigt, die es uns erlauben, unsere Kompetenzen auszubauen.»  Renato Guccione, Geschäftsführer, Helukabel AG(Bild:  Helukabel)
«In den vergangenen drei Jahren hat die Helukabel-Gruppe Akquisitionen getätigt, die es uns erlauben, unsere Kompetenzen auszubauen.» Renato Guccione, Geschäftsführer, Helukabel AG
(Bild: Helukabel)

SMM: Mit über 2 000 Mitarbeitern und über einer Milliarde Umsatz sieht sich das Unternehmen als Hidden Champion. Was zeichnet Helukabel (international) aus Ihrer Sicht konkret aus?

Renato Guccione: Wir sind ein Familienunternehmen und die Marke Helukabel steht für Qualität, Zuverlässigkeit und Innovation. In vielen Branchen haben wir uns eine grosse Expertise und ein tiefgehendes Wissen erarbeitet. Inzwischen sind wir an 40 Standorten vertreten und kümmern uns bei nationalen und globalen Kunden im Bereich elektrische Verbindungstechnik um die Versorgungssicherheit und dies mit viel Leidenschaft und grossem Engagement. Trotz dieser Grösse fühlt man sich im Helukabel-Konzern sehr willkommen, wie in einer grossen Familie. Man spürt das Vertrauen und der grosse Gestaltungsspielraum erlaubt den Tochtergesellschaften, Ideen und Trends schnell umzusetzen.

Vor 28 Jahren wurde Helukabel Schweiz gegründet. Wie hat sich der Standort Schweiz seit der Gründung entwickelt?

R. Guccione: Ich durfte die Leitung vor knapp drei Jahren von meinem Vorgänger und Gründer von Helukabel Schweiz übernehmen. Daher kenne ich die Entwicklung nur vom «Hörensagen» und den zur Verfügung stehenden Kennzahlen. Der Standort wurde 1996 in Regensdorf gegründet und 2002 wurde bereits das neue Gebäude mit 2 000 m2 in Spreitenbach bezogen. In wenigen Jahren konnte sich Helukabel als relevanter Partner in der Industrie etablieren. Nach der ersten Eurokrise 2009 und der daraus resultierenden Abwanderung der Industrie mussten auch wir einen Einbruch in Kauf nehmen. In den folgenden Jahren hat Helukabel versucht, sich breiter abzustützen, indem sie Kabellösungen für andere Branchen und/oder Nischen erarbeitet hat. Seit knapp vier Jahren können wir wieder ein grösseres Wachstum verzeichnen. Dieses ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen wie z.B. grosse Nachfrage, Preissteigerungen im Rohstoffmarkt und nicht zuletzt unsere positive Entwicklung im Projektgeschäft und bei spezifischen Kabellösungen.

Der Schweizer Standort ist nicht nur ein Vertriebsstandort. Über welche Kompetenzfelder verfügt Ihr Standort heute?

R. Guccione: In den vergangenen drei Jahren hat die Helukabel-Gruppe Akquisitionen getätigt, die es uns erlauben, unsere Kompetenzen auszubauen. Wir können für unseren Kunden nicht nur Kabel lagern, schneiden und beschriften. Wir bieten Systemlösungen an, das heisst konfektionierte Kabel eingebettet in Energieführungsketten aus Kunststoff oder Metall. Ausserdem verfügen wir bei uns in Spreitenbach über ein grosses Know-how, dies erlaubt es uns, in Kürze kundenspezifische Lösungen zu designen. Seit Kurzem gehört auch eine kleine Kabelkonfektion dazu. Damit können wir unseren Kunden einen zusätzlichen Service bieten.

Welche technologischen Lösungen bieten Sie im industriellen Bereich konkret an, und welche Rolle spielt für Ihr Unternehmen die Industrie?

R. Guccione: Wir erarbeiten Branchenlösungen, um unsere Kunden gezielter und vollumfänglich zu bedienen. Wie bereits erwähnt, verfügen wir über ein breites Sortiment vom einfachen Steuerkabel über spezielle Kabellösungen oder Hybridkabel bis hin zu Systemlösungen. Für Helukabel war und ist die Industrie der wichtigste Markt. Dies gilt nicht nur für die Schweiz, sondern für den gesamten Konzern. Wir orientieren uns an unseren Kunden und versuchen, unsere Produkte und Dienstleistungen entsprechend zu gestalten. Natürlich bedienen wir auch andere Branchen und Kunden und verfügen in vielen Bereichen über eine grosse Produktepalette.

Können Sie ein zwei Kundenprojekte kurz beschreiben, an denen das Kompetenzspektrum der Helukabel Schweiz transparent wird?

R. Guccione: Das Spektrum ist wirklich riesig, vom Jet d’eau am Genfersee über Produkte für die Gastrobranche bis hin zu Kabeln für den hochpräzisen Einsatz von Messgeräten unter Extrembedingungen. Dabei verweise ich gerne auf unsere Homepage, dort finden Sie unter «individuellen Lösungen» noch mehr Informationen und weitere Beispiele.

Können Sie uns anhand von ein zwei Beispielen aufzeigen, wie viel Technologie in der Kabelentwicklung und Herstellung steckt?

R. Guccione: Wie beim Kochen haben auch bei der Kabelherstellung die Wahl und die Abstimmung der Zutaten bzw. Ausgangsstoffe eine grosse Relevanz. Bei der Herstellung von Kabeln für bewegte Anwendungen ist der Verseilungsprozess entscheidend. Zum einen muss torsionsfrei verseilt werden und zum anderen müssen die Verseilschläge der einzelnen Lagen bzw. Elemente aufeinander abgestimmt sein. Auf der anderen Seite sind die EMV-Anforderungen bei den Motoranschlussleitungen für frequenzgesteuerte Antriebe immer komplexer geworden. Besonders, wenn in den Leitungen noch Steuerelemente integriert werden. Bei dem derzeitigen Trend zur Einkabellösung in der Antriebstechnik müssen alle diese Parameter zugleich erfüllt sein. Das bedeutet, ein Kabel mit gleichzeitiger Leistung und Signalübertragung für den Schleppketteneinsatz.

Sie sind aus der Schweiz heraus auch international tätig. Wie kam es zu der Internationalisierung der Schweizer Niederlassung?

R. Guccione: Wir sind nur bedingt und indirekt international tätig. Wir haben im Konzern eine klare Regelung. Sofern wir in der Schweiz fakturieren, wird das Geschäft von uns abgewickelt, ansonsten übergeben wir dies an die entsprechende Tochtergesellschaft. Wir haben jedoch einige Kunden, die weltweit grosse Projekte realisieren und die Ware in der Schweiz konsolidieren. Dank diesen langjährigen Kunden und Erfahrungen konnten wir unser Wissen bei der Realisierung von internationalen Grossprojekten ausbauen. Nicht nur die politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen stellen uns immer wieder vor grosse Herausforderungen, sondern auch die unterschiedlichsten Klimabedingungen, welchen unsere Produkte ausgesetzt werden.

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Wie schätzen Sie Ihr industrielles Umfeld konkret ein und die sich daraus ergebende zukünftige Entwicklung von Helukabel Schweiz für die nächsten zehn Jahre?

R. Guccione: Wir alle wissen, dass die Herausforderungen für die Industrie in der Schweiz auch in den kommenden Jahren nicht kleiner werden. Dies war jedoch in der Vergangenheit auch nicht anders. Die Industrie-Unternehmen sind gezwungen, sich agil und kreativ zu verhalten, um am Markt erfolgreich zu sein. Helukabel ist vom Standort Schweiz und dessen Entwicklungspotenzial überzeugt. Dies wird auch mit den Investitionen in einen neuen Standort unter Beweis gestellt. Wir freuen uns darauf, bereits im kommenden Jahr unsere Kunden in unseren neuen Räumlichkeiten begrüssen zu dürfen. Vor allem haben wir die Möglichkeit, sowohl unser Lagersortiment wie auch unsere Dienstleistungen weiter auszubauen und als Zulieferer der Schweizer Industrie unseren Beitrag für eine erfolgreiche Zukunft zu leisten.

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