Geschichte der Uhrmacherei in der Schweiz

Die Präzision eines Schweizer Uhrwerks

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Die erste wasserdichte Uhr

Das Unternehmen Rolex wird im Jahr 1915 gegründet. Gleichzeitig erhob Grossbritannien bedingt durch den Ersten Weltkrieg hohe Einfuhrzölle für Uhren. Da sich das Geschäft dadurch nicht mehr rentierte, wurde der Firmensitz nach Biel verlegt. Im Jahr 1920 wurde dann die Montres Rolex in Genf gegründet, aus der Partnerfirma Aegler wurde die Manufacture des Montres Rolex. Der Standort Genf stand für die Herstellung exklusiver Gehäuse, während in Biel die Uhrwerke gefertigt wurden. Und Wilsdorf arbeitete immer weiter daran, Qualität und Präzision der Uhren zu verbessern. Im Jahr 1926 stellte Rolex die erste wasser- und staubdichte Uhr unter dem Namen Oyster vor und meldete diese zum Patent an. Die Armbanduhr war mit einem hermetisch abgedichteten Gehäuse ausgestattet, welches dem Uhrwerk einen perfekten Schutz bot. Die Oyster konnte immer am Handgelenk getragen werden und musste nicht abgenommen werden, um sich beispielsweise die Hände zu waschen, beim Baden oder auch in staubiger Umgebung.

Bekanntheit erlangte Rolex mit der Oyster vor allem durch cleveres Marketing. Beim Versuch, den Ärmelkanal zu durchschwimmen, trug die Engländerin Mercedes Gleitze eine Oyster-Armbanduhr, die sie von Rolex geschenkt bekam. Obwohl der Versuch der Schwimmerin knapp scheiterte, überstand die Oyster die Strapazen und lief nach acht Stunden im kalten Wasser immer noch genau. Doch das war erst der Auftakt, die technische Leistungsfähigkeit von Rolex-Uhren an Extremschauplätzen zu demonstrieren. Ob in der Tiefsee oder in der Höhe, die Widerstandsfähigkeit und Qualität der verschiedenen Rolex-Uhren wurde überall unter Beweis gestellt. So durchbrach im Jahr 1947 der erste Mensch mit einer Oyster am Arm mit einem Raketenflugzeug die Schallmauer. Auch bei zahlreichen Himalaya-Expeditionen war die Oyster seit den 1930er-Jahren dabei, unter anderem auch 1953, als Sherpa Tenzing Norgay und Sir Edmund Hillary als erste Menschen den Mount Everest bestiegen. Als 1960 Jacques Piccard mit dem Tiefseetauchboot Trieste im Pazifik vor der Insel Guam im Marianengraben den tiefsten Punkt der Weltmeere ansteuerte, war die Deep Sea Spezial von Rolex dabei. Aussen an der Trieste befestigt, hielt das experimentelle Oyster-Modell einer Druckbelastung von über einer Tonne pro Quadratzentimeter stand. Auch Polargebiete und das Polarmeer wurden mit der Oyster erkundet. Keine Umgebung war zu extrem, als dass nicht die zahllosen technischen Eigenschaften der Rolex-Armbanduhren unter Beweis gestellt werden konnten.

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Herzstück: automatischer Selbstaufzug

Die wasserdichte Oyster funktionierte perfekt, aber sie hatte eine Schwachstelle: Sie musste regelmässig aufgezogen werden. Dazu war es notwendig, die wasserdichte Aufzugskrone aufzuschrauben, und bot die Möglichkeit, dass Feuchtigkeit und Verunreinigungen eindringen konnten. Ein automatischer Selbstaufzug funktionierte zwar bei den Taschenuhren, bei den Armbanduhren war das Ergebnis nicht zufriedenstellend. Mehrere Jahre forschten die Techniker der Manufacture des Montres Rolex in Biel an diesem Problem und präsentierten 1931 die Lösung: der Perpetual-Rotor. Schlussendlich hat sich der zum Patent angemeldete rotorbetriebene Selbstaufzugsmechanismus sogar in der gesamten Uhrenindustrie als Standard durchgesetzt. Es bildet das Herzstück jeder modernen mechanischen Uhr mit automatischem Aufzug. Beim Tragen zieht sich die Armbanduhr von selbst auf. Der Rotor, der mit der Feder der Armbanduhr im Eingriff steht, dreht sich bei jeder Handbewegung. Ein weiterer Vorteil des Perpetual-Systems ist, dass die Zugfeder ständig angespannt ist. Das gewährleistet eine höhere Präzision und Regelmässigkeit für das Uhrwerk.

Viele weitere Erfindungen und Patente kamen hinzu. Im Laufe seines Bestehens hat Rolex über 400 Patente angemeldet. Mit dem Datejust beispielsweise konnte das Datum auch in einem Sichtfenster auf dem Ziffernblatt angezeigt werden. Diese Erfindung stammt aus dem Jahr 1945. Wesentlich später, im Jahr 2000, hat Rolex die Parachromspirale vorgestellt, die absolut unempfindlich gegenüber Magnetfeldern ist. Sie erweist sich als äusserst stabil gegenüber Temperaturschwankungen und hält Erschütterungen bis zu zehnmal besser stand als eine herkömmliche Spirale. Das Para­flex-Anitschocksystem aus dem Jahr 2005 erhöht die Stossfestigkeit der Unruh um 50 Prozent. Die Syloxispirale aus dem Jahr 2014 ermöglicht es, die Regelmässigkeit der Oszillatorschwingungen und damit die Präzision der Armbanduhr nochmals deutlich zu verbessern. Die Chronergy-Hemmung aus dem Jahr 2015 verbessert den Wirkungsgrad der Schweizer Ankerhemmung und ist damit für fast die Hälfte der Erhöhung der Gangreserve der neuen Uhrwerke 3235 und 3255 verantwortlich.

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Internes Exzellenzzertifikat

Die Geschichte der Oyster und ihrer Spezialentwicklungen markiert sehr symbolhaft die Entwicklung der Armbanduhren. Rolex hatte immer den Anspruch, damit einen «Chronometer der Superlative» herzustellen. Entsprechend hat Rolex interne Zertifizierungskriterien eingeführt, die strenger sind als die Normen der Uhrenindustrie. Dafür hat das Unternehmen spezielle Testverfahren und Hightechgeräte entwickelt. Die Zertifizierung wird an der fertig montierten Uhr vorgenommen und garantiert somit die Leistungen der Superlative in puncto Ganggenauigkeit, Wasserdichtheit, automatischen Selbstaufzugs und Gangreserve für den täglichen Einsatz. Die Gangtoleranz einer entsprechend zertifizierten Uhr nach dem Einschalen liegt bei etwa –2/+2 Sekunden pro Tag. Die Genauigkeit wird mit speziell entwickelten Verfahren überprüft, die reale, dem Alltag des Trägers entsprechende Tragebedingungen simulieren. Auch die Dichtheit der Armbanduhr, der Schutz des Uhrwerks gegen Wasser und andere Elemente, der automatische Selbstaufzug und die Gangreserve sind in der Zertifizierung mit eingeschlossen. Die Endkontrollen ergänzen die Qualifikationstests, um Zuverlässigkeit, Robustheit, Stossfestigkeit und Unempfindlichkeit der Uhren gegenüber Magnetfeldern zu gewährleisten. SMM

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