Die Fehlmann AG ist ein namhafter Schweizer Hersteller von Präzisionsbearbeitungszentren und steht für Zuverlässigkeit und Präzision. Während des SPF 2022 hatte Stv. Chefredaktorin SMM, Anne Richter, die Gelegenheit, mit dem Inhaber und Geschäftsführer Frank Fehlmann über die gegenwärtigen Herausforderungen der Werkzeugmaschinenbranche und über die neue Versa 745 zu sprechen.
Frank Fehlmann, CEO Fehlmann AG: «Wir wenden uns mit der Versa 745 an Unternehmen, die sehr genaue Teile herstellen und diese Teile komplett fertig aus der Maschine bekommen wollen; Unternehmen, die darauf angewiesen sind, automatisiert und mit wenig Bedienpersonal zu fertigen.»
(Bild: Thomas Entzeroth)
SMM: Wie ist für die Fehlmann AG das Jahr 2022 verlaufen? Was waren die Herausforderungen?
Frank Fehlmann: Das Jahr 2022 war geschäftlich gesehen für uns ein Jahr der Normalisierung. Die Kontaktbeschränkungen sind weggefallen und wir konnten wieder wie gewohnt die Kunden besuchen und sie uns. Das Ende der Pandemie hat uns einen gewissen Nachholbedarf beschert. Aber es sind auch mannigfaltige Probleme aufgetreten. Einerseits der Krieg in der Ukraine und auch die Verunsicherung durch die hohen Energiepreise und die Teuerung.
Welche Rolle spielt die Teuerung für einen Hersteller wie Fehlmann? Wie merkt der Kunde das?
F. Fehlmann: Es sind einkaufsseitig grosse Preissteigerungen auf uns zugekommen, die wir nicht gänzlich durch Rationalisierung kompensieren konnten. Hier musste eine Mischrechnung gemacht werden. Eine gewisse Entlastung gibt es durch den starken Schweizer Franken beziehungsweise den schwachen Euro. Trotzdem sind die Betriebskosten so stark gestiegen, dass gewisse Überwälzungen auf die Maschinenpreise unausweichlich sind.
Die Lieferkettenproblematik ist bei vielen Unternehmen Thema Nr. 1. Inwiefern ist Fehlmann davon betroffen?
F. Fehlmann: Vor allem die Verfügbarkeit der Elektronikkomponenten haben uns im Jahr 2022 grosse Sorgen bereitet. Wir haben eine unter anderem durch die Pandemie ausgelöste, unzuverlässige Liefersituation dieser Komponenten. Das belastet uns immer noch, denn dadurch müssen ausserplanmässige Anpassungen an den Montageabläufen gemacht werden, die wiederum Zeitverluste und Mehrbelastung der Mitarbeiter/innen verursachen.
Wie ist Fehlmann mit dieser Liefersituation umgegangen?
F. Fehlmann: Das Thema Second Source ist aktueller denn je. Wir pflegen einen engen Kontakt zu unseren Lieferanten, um möglichst frühzeitig über allfällig kommende Probleme informiert zu sein. So können wir auch frühzeitig reagieren und haben Zeit, auf Alternativen auszuweichen. Das bedeutet für uns aber einen höheren Aufwand in der Entwicklung und in der Dokumentation der Produkte.
Jetzt gibt es Meinungen, dass in Bezug auf die Lieferkettenproblematik kein Ende abzusehen sei. Wie schätzen Sie die Situation ein?
F. Fehlmann: Hier bin ich nicht ganz so pessimistisch. Ich glaube, dass flexible, gut organisierte Firmen alternative Lösungen finden werden. Durch diese Umschichtung der Bedarfe wird irgendwann eine Entspannung einsetzen. Wann alles wieder im gewohnten Umfang verfügbar sein wird, ist aber schwer vorauszusagen.
Welchen Einfluss hat der schwächer werdende Euro auf den Geschäftsgang von Fehlmann?
F. Fehlmann: Das ist im Moment schwierig zu sagen, da es sich seit Ende 2021 bis heute um einen kurzen Zeitraum handelt. In diesem Marktsegment, in dem wir uns bewegen, braucht es immer eine gewisse Zeit, um die Lage besser abschätzen zu können. Aber es ist für uns ganz klar eine grosse Herausforderung. In den vergangenen Jahren konnten wir solche Situationen bisher immer durch noch rationellere Herstellungsmethoden meistern. In unserem Produktionswerk in Seon (AG) investieren wir permanent in unsere eigene Produktion. Jede Neu-Investition zwingt zur Hinterfragung und Optimierung der Fertigungsprozesse.
Investitionen sind also notwendig, um am Werkplatz Schweiz wettbewerbsfähig zu sein?
F. Fehlmann: Ja, genau. Man muss kontinuierlich in die eigene Produktion investieren und auch neue, innovative Produkte entwickeln, um so technologische Vorteile in der Herstellung zu generieren. Das ist generell wichtig, dann spielt der Eurokurs auch eine untergeordnete Rolle. Die Produktion ist das Herz einer Firma. Da muss man immer à jour bleiben.
Ein wichtiger Punkt für viele Unternehmen ist der Fachkräftemangel. Wie schätzen Sie die Situation ein?
F. Fehlmann: Ich bin der Meinung, dass eine Berufslehre in der MEM-Industrie wieder mehr Wertschätzung erfahren sollte. Die zunehmende Akademisierung ist eine Entwicklung, die mir Sorgen bereitet. Es werden zu viele Manager ausgebildet und die guten Fachleute in der Werkstatt fehlen. Die Schweizer Maschinenindustrie muss dazu Sorge tragen, dass das Image der Industrieberufe nicht leidet. Wir müssen den jungen Leuten aufzeigen, dass die Lehre keine Sackgasse ist und dass es sehr gute Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten auf Basis der Industrielehre gibt.
Wie kann das geschehen?
F. Fehlmann: Das fängt schon damit an, dass nicht die ältesten und ausgemusterten Maschinen für die Ausbildung zur Verfügung gestellt werden, sondern moderne, attraktive Ausbildungsmaschinen. Dass Investitionen getätigt werden, um mit moderner Infrastruktur die jungen Leute für den Beruf zu begeistern. Denn die Technologie hat sich in den vergangenen 10, 20 Jahren rasant entwickelt. Die jungen Berufsleute sollen ja auch lernen, mit der aktuellen Produktionstechnik umzugehen, und dazu braucht es auch aktuelle Maschinen.
Die neue Versa 745 hat Fehlmann dieses Jahr auf den Markt gebracht und zum ersten Mal auf der AMB vorgestellt. Was haben Sie mit der Entwicklung der neuen Maschine bezweckt? Was war die Intention?
F. Fehlmann: In erster Linie wollten wir unsere Versa-Baureihe vervollständigen. Das Ziel war, eine kompakte, 5-Achs-Maschine auf den Markt zu bringen, um eine komplette Baureihe mit den neuesten Technologien anbieten zu können. Die Versa 745 ersetzt die Versa 825, die wir im Jahr 2008 erstmals präsentiert haben. Die Versa 745 ist ein kompaktes Hochleistungsbearbeitungszentrum mit HSK-A63 Werkzeugschnittstelle, das modular ausbaubar ist und sich ideal für die Werkstückautomation eignet.
Stand vom 30.10.2020
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F. Fehlmann: Die Maschine ist für die Anforderungen der Präzisionsteilefertiger und den Werkzeug- und Formenbau ausgelegt. Wir wenden uns mit der Versa 745 an Unternehmen, die sehr genaue Teile ab Losgrösse 1 herstellen und diese Teile komplett fertig aus der Maschine bekommen wollen; Unternehmen, die darauf angewiesen sind, automatisiert und mit wenig Bedienpersonal zu fertigen.
Wenn Sie in die Zukunft schauen, was erwarten Sie vom Jahr 2023?
F. Fehlmann: Ich erwarte eine Normalisierung der Lieferketten und ich erwarte auch eine ansprechende wirtschaftliche Entwicklung. Das heisst, dass der Bedarf an moderner Fertigungstechnologie auf gutem Niveau weiter vorhanden sein wird. Stichwörter sind hierzu etwa ‹Near-Shoring› und das Dauerthema technologischer Wandel. Insgesamt bin ich ganz zuversichtlich, aber es wird herausfordernd bleiben. Ich bin überzeugt, dass wir Chancen haben. Wenn wir die geschickt nutzen, werden wir auch im Jahr 2023 erfolgreich sein.
Was ist aus Ihrer Sicht für das Jahr 2023 die grösste Herausforderung?
F. Fehlmann: Die grösste Herausforderung wird die Beherrschung und Normalisierung der Preissituation sein. Die Teuerung wird uns sehr stark fordern. Solch starke Preisanstiege haben wir in den letzten 30 Jahren nicht mehr gehabt. Das ergibt eine ganz neue Dimension, für die die Auswirkungen im Moment noch gar nicht konkret absehbar sind. Aber auch hier ist die Schweiz gut und solide aufgestellt. Nur können wir alleine vom Schweizer Markt nicht mehr leben. Wir sind auf den Export angewiesen. Diesbezüglich müssen wir sehr darauf achten, dass wir in den Exportmärkten konkurrenzfähig bleiben.
Schon die Gegenwart ist von vielen Unsicherheiten geprägt. Wie schaffen Sie es, mit diesen ganzen Unsicherheiten umzugehen und optimistisch zu bleiben?
F. Fehlmann: Schon in der Vergangenheit gab es immer wieder Phasen der Unsicherheiten. Aber lang- oder mittelfristig sind immer wieder Stabilisierungen eingetreten. Der Mensch möchte konsumieren und der Konsum treibt am Schluss die Investitionen an. Anstieg und Rückgang des Konsums haben eine Auswirkung auf den Investitionsbedarf. Dadurch, dass sich Fehlmann weiterhin innovativ weiterentwickelt, können wir den Bedarf der Kunden besser abholen und mit attraktiven Produkten weiterhin erfolgreich bleiben. Wir müssen weiterhin auf die traditionellen Schweizer Tugenden wie Zuverlässigkeit, Präzision und Qualität setzen. Ich glaube weiter, der Trend zu immer intensiverem Outsourcing wird nun hinterfragt. Der Stellenwert der Selbstversorgung – auch mit industriellen Gütern – nimmt zu. Ich bin seit über 30 Jahren bei der Firma Fehlmann. Ich habe schon so einige Phasen der Unsicherheit gesehen, bei denen man dachte, dass es vorbei sei. Aber wir sind immer wieder und stärker zurückgekommen. Das wird auch dieses Mal so sein.
Dynamische und präzise 5-Achs-Simultanbearbeitung mit der Versa 745 von Fehlmann
Im Fokus
Auf dem Swiss Production Forum SPF 2022 hat Fehlmann das neue Hochleistungsbearbeitungszentrum Versa 745 zum ersten Mal in der Schweiz präsentiert. Die Versa 745 ist speziell für die dynamische und präzise 5-Achsen-Simultan-Bearbeitung komplexer Konturen in unterschiedlichsten Materialien, gehärteten und ungehärteten Stählen konzipiert. Mit ihrem durchdachten und kompakten Design ist die Versa 745 jederzeit automatisierbar. Dank der auf der rechten Maschinenseite angeordneten automatischen Ladetüre lässt sie sich auch problemlos an eine Automation anbinden.
Merkmale der Versa 745
Verfahrwege X 500 mm, Y 650 mm, Z 420 mm, Werkstücke 5-achsig bis Ø 500 mm bearbeiten.
Höchste Präzision und Dynamik.
Vorbereitet für die Automation.
Optimaler Zugang zum Arbeitsraum und zu den Werkzeugen, auch mit Automation.
Weit öffnende Schiebetüre vorne, grosszügige Seitenöffnung.
Jederzeit modular ausbaubar.
Beste dynamische Genauigkeit durch gewichtsoptimierte, bewegliche Teile aus hochfestem Sphäroguss.
Neueste Steuerungstechnik Heidenhain mit 24"-Touchscreen (Extended Workspace).
Eigens von Fehlmann entwickelte Bearbeitungszyklen.
Kompakte Bauweise
Fehlmann MCM (Milling Center Manager) für die komfortable Steuerung und Überwachung von automatisierten Anlagen.
Breite Auswahl an Paletten-Varianten bis hin zu kundenspezifischen Sonderlösungen.