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Interview mit Reto Steinmann, CEO Feller und Country President Schneider Electric Schweiz «Die Schweiz muss sich keinesfalls verstecken»

| Redakteur: Silvano Böni

Reto Steinmann ist Country President Schneider Electric Schweiz und führt als Geschäftsführer die beiden Unternehmen Schneider Electric (Schweiz) und die Feller AG. Wie diese zwei Positionen zusammenpassen und wie er sie unter einen Hut bringt, erzählt der erfahrene Manager im Interview mit dem SMM. Weitere Themen waren der Werkplatz Schweiz sowie die Digitalisierung in der Industrie.

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«Viele Firmen wissen momentan nicht, wohin die Reise genau geht, und agieren daher äusserst vorsichtig.» Reto Steinmann, Country President Schneider Electric Schweiz
«Viele Firmen wissen momentan nicht, wohin die Reise genau geht, und agieren daher äusserst vorsichtig.» Reto Steinmann, Country President Schneider Electric Schweiz
(Bild: SMM)

Herr Steinmann, Sie waren beim Elektroinstallationsunternehmen Feller tätig, nun haben Sie parallel die Geschäftsführung Schweiz beim Mutterhaus Schneider Electric übernommen. Auf den ersten Blick scheint das eine viel grössere und komplexere Welt für Sie geworden zu sein. Wie hat sich Ihr Arbeitsalltag dadurch verändert?

Reto Steinmann: Die Komplexität ist natürlich durch die grosse Aufgabenerweiterung um ein Vielfaches gestiegen. Ein gutes Zeitmanagement und eine geschickte Aufgaben- und Kompetenzverteilung sind da unabdingbar. Glücklicherweise habe ich erfahrene und top eingespielte Mitarbeiter um mich herum, welche mich unterstützen. Beide Unternehmen besitzen ausserdem unterschiedliche Management-Teams. Das sind alles Spezialisten in ihrem Fach, auf die ich zählen kann.

Sie haben nun Einblick in zwei hochspannende Firmen und Geschäftsfelder. Wo liegen die grössten Unterschiede der beiden Unternehmen?

R. Steinmann: Feller ist ein lokales Komplettunternehmen mit Fertigung, Produktmanagement, Entwicklungsabteilung sowie Marketing und Vertrieb – und die absolute Nummer 1 in der Schweiz in Sachen Elektroinstallationen in Gebäuden. Schneider Electric ist dagegen ein globaler Grosskonzern, wobei wir hier in der Schweiz «nur» als Verkaufs- und Marketingorganisation tätig sind. Das sind zwei komplett verschiedene Konstrukte. Durch meine rund 20-jährige Erfahrung bei Feller in der Führung, Entwicklung und auch Produktion habe ich aber gutes Verständnis dafür, wie ein globaler Konzern funktioniert, und fühle mich so in beiden Welten sehr wohl.

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Dennoch unterscheiden sich die Firmen insbesondere durch ihr Angebot. Die Schneider-Schwerpunkte mit Buildings, Industrieautomatisierung, Datacenter und Infrastruktur sind hochkomplex. Wie konnten Sie in der Kürze der Zeit ein Know-how aufbauen?

R. Steinmann: Das war tatsächlich eine Herausforderung. Bei Feller habe ich das Unternehmen und seine Produkte sozusagen von der Pike auf kennengelernt und so durch die Jahre die Märkte, Produkte und Kundenstrukturen kennengelernt. Bei Schneider Electric musste das alles ein wenig schneller gehen. Ich bekam konzernseitig aber grosse Unterstützung durch ein top Netzwerk sowie spezielle Trainings. Trotzdem ist es aber nicht möglich, in so kurzer Zeit in jedem Bereich bis in die Tiefe ein Spezialist zu werden.

Sie sind nun seit gut einem Jahr Country President von Schneider Electric Schweiz. Wie lautet Ihr erstes Fazit?

R. Steinmann: Die globale Wirtschaft ist gerade in einer Transformationsphase. Das grosse Thema Digitalisierung, aber auch umwelttechnische Fragen wie der Umgang mit unseren Ressourcen prägten mein erstes Jahr als CEO. Die Verunsicherung bezüglich dieser Themen ist deutlich zu spüren, insbesondere sieht man das in den Investitionsbereitschaften der Unternehmen. Viele Firmen wissen momentan nicht, wohin die Reise genau geht, und agieren daher äusserst vorsichtig.

Stichwort Digitalisierung. Durch Ihre globale Tätigkeit besitzen Sie eine gute Übersicht über die Märkte. Wie schneidet die Schweiz in Sachen Digitalisierung und Industrie 4.0 im Vergleich zum Ausland ab?

R. Steinmann: Es mag den Anschein erwecken, dass die Schweiz im Gegensatz zum Ausland ein wenig träge agiert. Der Vergleich täuscht aber und ist auch schwierig. Im Ausland sehe ich es oft, dass man auf der grünen Wiese ein neues Werk erstellt und dann vom aktuellen Stand der Dinge direkt einsteigen kann. In der Schweiz muss man dagegen oft die kontinuierliche Verbesserung und Optimierung der bestehenden Basis anstreben. Das kann dann so wirken, als ob wir hier in der Schweiz verhaltener oder weniger offensiv die Sache vorantreiben. Ich kann aber versichern, im internationalen Vergleich muss sich die Schweiz keineswegs verstecken.

Momentan herrscht neben der Verunsicherung durch Umweltthemen und die Digitalisierung ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld, insbesondere der starke Franken macht der hiesigen Maschinenindustrie nach wie vor zu schaffen. Wie sehen Sie die Situation?

R. Steinmann: Der starke Schweizer Franken belastet eine exportorientierte Wirtschaft wie die Schweiz stark. Der erste grosse Einschnitt kam bereits vor gut zehn Jahren. Danach konnte sich die hiesige Industrie ein wenig an die neue Situation anpassen, bis 2015 der richtige Hammer mit der Aufgabe des Mindestkurses zugeschlagen hat. Und sobald eine solche Situation eintrifft und der Preisunterschied zwischen der Schweiz und dem Ausland zu gross wird, wird es kritisch.

Damals waren Sie nur bei Feller tätig. Hat das Unternehmen nicht eher profitiert davon?

R. Steinmann: Bei vereinzelten, wenigen Materialpositionen konnten wir als Feller sicherlich vom Kurs profitieren. Andererseits beziehen wir die meisten unserer Materialien aber aus der Schweiz. Da Feller ausschliesslich in der Schweiz agiert, war das Unternehmen aber nicht vom Exportproblem betroffen – die Auswirkungen waren also marginal. Zudem ist das Unternehmen durch grosse Investitionen in die Automatisierung bestens aufgestellt, um auch gegenüber den internationalen Preisen mitzuhalten.

Unsere Sonderausgabe dreht sich um den Werkplatz Schweiz. Welche Stärken hat für Sie der hiesige Werkplatz?

R. Steinmann: Insgesamt gesehen besitzt der Werkplatz Schweiz eine überaus hohe Innovationskraft und -kultur. Gefördert wird diese auch durch die Mitarbeiter, welche viel Eigenverantwortung übernehmen, sowie auch deren Chefs, welche den Arbeitnehmern grosse Freiräume ermöglichen. Das alles trägt zur hohen Innovationskraft der Schweiz bei. Unser Know-how, die stabile Politik, das duale Bildungssystem sowie die internationalen Top-Bildungsinstitute sind grosse Pluspunkte, so dass die Schweiz trotz hohem Frankenkurs und teuren Arbeitskräften weiterhin absolut wettbewerbsfähig bleiben wird. SMM

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