Ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld – schwindende Auftragseingänge, weltweit politische Krisen – fordert speziell Auftragsfertiger. Sie müssen geschickt agieren, um sich im Wettbewerb zu behaupten. Dazu haben wir zwei Geschäftsführer unterschiedlicher Branchen befragt.
Links: Christoph Jenzer, Geschäftsführer der Ingold Tools AG: «Unsere Offerten gehen aktuell bis nach Japan.» Und rechts: Andreas Zweifel, Geschäftsführer der Hans Eberle AG: «Wir sind verhalten optimistisch.»
(Bildquellen: Ingold Tools AG / Hans Eberle AG)
Um die Situation unterschiedlicher Branchen zu erfassen, haben wir zum einen Christoph Jenzer, Geschäftsführer der Ingold Tools AG in Inkwil, befragt. Mit spanenden Bearbeitungsverfahren – Drehen, Bohren, Schleifen – fertigt sein Unternehmen im Auftrag Präzisionsteile aus Stahl, Leicht- und Buntmetallen. Zum anderen haben wir mit Andreas Zweifel, Geschäftsführer der Hans Eberle AG in Ennenda, gesprochen. In seinem Fertigungsbetrieb werden Blechteile und komplette Baugruppen aus Stahl- und Aluminiumblech hergestellt.
Beide beurteilen die aktuelle Lage als herausfordernd. Wie Christoph Jenzer erläutert, sieht er vor allem im Maschinenbau grosse Einbrüche, in anderen Branchen, wie der Rüstung oder dem Kompressorenbau, dagegen nach wie vor eine erfreuliche Geschäftsentwicklung. Befragt nach den direkten Auswirkungen auf den Auftragseingang sagt Christoph Jenzer: «Durch unseren grossen, in den Geschäftsfeldern sehr unterschiedlichen Kundenstamm haben wir zurzeit nur den Einbruch im Bereich Spindel- und allgemeiner Maschinenbau.»
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Ähnlich beschreibt auch Andreas Zweifel, dass er aus einigen Branchen deutlich weniger Aufträge erhält. Aus anderen hingegen gehen nach seinen Erfahrungen weiterhin positive Impulse aus. Vor allem gebe es auch zukunftsweisende Projekte, für die innovative Bauteile gebraucht werden.
Hans Eberle AG: Spezialisiert auf Blech
Im Jahr 1953 gründeten Hans und Ursula Eberle ihr Familienunternehmen in Glarus. In einem kleinen Schopf befasste man sich zunächst mit dem Metalldrücken. Bereits nach vier Jahren zog das Unternehmen an den heutigen Standort in Ennenda und vergrösserte sich schrittweise zu einem industriellen Betrieb. Heute arbeiten 170 Fachkräfte auf über 20 000 m² Produktions- und Verwaltungsfläche. Sie konstruieren, stanzen, biegen, ziehen, schneiden mit Lasern, fügen, veredeln, bearbeiten und montieren im Lohnauftrag komplexe Blechteile und komplette Baugruppen, wahlweise als Prototypen oder in Serien. Im integrierten Werkzeugbau werden die erforderlichen Stanz- und Umformwerkzeuge aufgebaut. Besonders fokussiert das Unternehmen auf eine effiziente und nachhaltige Produktion. So verfügt es beispielsweise über grosse Solarflächen auf den Produktionshallen und eine eigene Wasserkraftanlage, um umweltfreundlich elektrischen Strom zu erzeugen.
Wegen der international sehr engen Verflechtungen beeinflussen auch weltweite Entwicklungen die Geschäfte in der Schweiz. Als derzeit besonders fordernd schätzen die Geschäftsführer vor allem die Krise in Deutschland ein. Unser «grosser Nachbar» als bedeutender Handelspartner bestimmt doch wesentlich die hiesige wirtschaftliche Entwicklung. Für die Ingold Tools AG und die Hans Eberle AG als Auftragsfertiger gibt es allerdings nur indirekte Auswirkungen. Beide Geschäftsführer geben an, vom Rückgang der Geschäfte bei Kunden betroffen zu sein. Den Blechteilefertiger in Ennenda betrifft das stärker, weil das Unternehmen direkt auch für Kunden in Deutschland produziert. Allerdings erkennt Christoph Jenzer in weltweiten Märkten wiederum Chancen für die Zukunft.
Ingold Tools AG: Spanend fertigen im Lohnauftrag
Seit dem Jahr 1946 ist die heutige Ingold Tools AG als Zulieferer der Maschinenindustrie tätig. Anfänglich produzierte das Unternehmen vorwiegend Stanzwerkzeuge, Lehren, Vorrichtungen, Einspritzdüsen und spezielle Lager- und Maschinenbauteile. Im Jahr 1974 übernahm die Osterwalder AG, Lyss, den Fertigungsbetrieb und wandelte ihn in eine Aktiengesellschaft. Als selbstständige Tochter agierte der Betrieb bis zum Jahr 1992. Aktuell sind bei der heutigen Ingold Tools AG in Inkwil etwa 30 Fachkräfte beschäftigt. Sie drehen, fräsen, bohren, schleifen flach sowie rund innen und aussen, honen und läppen. Zudem bearbeiten sie Oberflächen durch Sandstrahlen und Polieren, sie beschriften mit Lasern und montieren komplette Baugruppen. Zusammen mit Subunternehmen verwirklichen sie Wärmebehandlungen und Oberflächenveredelungen. Überwiegend fertigen die Experten in Inkwil Bauteile als Prototypen und in kleinen bis mittleren Serien für Spindeln, Kompressoren, Hydraulik und allgemein für Maschinen und Sondermaschinen. Aufträge erhalten sie aus den Branchen Druckindustrie, Blechumformung und Elektrotechnik aus dem In- und Ausland.
Als mittelständische Unternehmen haben die Auftragsfertiger sich rechtzeitig flexibel an der wirtschaftlichen Entwicklung orientiert. Wie Andreas Zweifel berichtet, suche er weiterhin gute Fachkräfte. Da sein Fertigungsbetrieb nach wie vor gut ausgelastet und in Innovationen von Kunden involviert sei, befürchte er keine direkten Korrekturen im Personalbestand und beim Bestand an Maschinen. Eher sei es vorteilhaft, weiterhin in aktuelle Technologien und Maschinen zu investieren. Christoph Jenzer hat seine spanende Fertigung frühzeitig durch natürlichen Abgang beim Personal auf die nunmehr schwierige Geschäftssituation ausgerichtet. Aber auch er betrachtet Investitionen als lohnend. «Aktuell sind wir in der Planung eines Neubaus. Dazu gehören auch Evaluationen von Bearbeitungsmaschinen im Bereich der rotativen Bearbeitung, Drehen und Schleifen sowie in der Messtechnik, um den Neubau zu füllen und dann erneut durchzustarten», sagt er dazu. Wie er weiter erläutert, konnte er jüngst zahlreiche Neukunden gewinnen. Zudem orientiere er sich zunehmend weltweit. «Unsere Offerten gehen aktuell bis nach Japan, wir präsentieren uns sogar mit Fernsehauftritten im koreanischen TV-Sender KBS», führt er aus.
Mittelfristig zuversichtlich
Nach den Erwartungen für die kommenden sechs bis zwölf Monate befragt, wägt Andreas Zweifel Risiken und Chancen der künftigen wirtschaftlichen Entwicklung vorsichtig ab: «Wir sind verhalten optimistisch und gehen von einer Seitwärtsbewegung im kommenden Jahr aus. Aufgrund der Volatilität sind wir aber auch auf andere Szenarien vorbereitet.» Christoph Jenzer befürchtet, dass das wirtschaftliche Wachstum im kommenden halben Jahr nur gering ausfallen werde. Er schätzt, dass einzelne Unternehmen verschwinden und sich andere, neue positionieren werden. Für sein Unternehmen sieht er optimistisch in die Zukunft: «Mit der Integration unseres Fertigungsbetriebs in die SwissFactory.Group sehen wir grosse Chancen, uns am Markt zu stärken und gemeinsam neue Geschäftsfelder zu erschliessen, um dann herausfordernde, hochpräzise Werkstücke aus einer Hand zu produzieren.»
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Stand vom 30.10.2020
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