Vom Kampf gegen «ewige Chemikalien» über klimaneutrale Wärmeversorgung für Städte bis zu Solarstrom für Gewächshäuser. Die drei Finalisten des siebten Green Business Award Oxyle, Everllence und Voltiris beweisen, dass Nachhaltigkeit zu unternehmerischem Erfolg führt.
Direktor Green Business Switzerland Cédric Habermacher: «Eine lebenswerte Zukunft entsteht dort, wo Unternehmergeist auf ökologische Verantwortung trifft.»
(Bild: David Biedert)
«Eine lebenswerte Zukunft entsteht dort, wo Unternehmergeist auf ökologische Verantwortung trifft», ist Cédric Habermacher, Direktor von Green Business Switzerland überzeugt. Der Green Business Award ehrt jedes Jahr Schweizer Lösungen, die ökologischen Impact mit ökonomischem Erfolg verbinden. In diesem Jahr sind zwei aufstrebende Scale-ups und ein Grossunternehmen mit nachhaltigem Geschäftsmodell unter den Finalisten.
Von den 37 nominierten Unternehmen haben diese drei die Jury unter dem Vorsitz von alt Bundesrätin Doris Leuthard am meisten überzeugt: Everllence Schweiz aus Zürich (ZH), Oxyle aus Schlieren (ZH) und Voltiris aus Epalinges (VD).
Eine Grosswärmepumpe, die ganze Städte mit klimaneutraler Fernwärme versorgt
Everllence entwickelt Grosswärmepumpen, mit denen ganze Städte auf CO₂-neutrale Fernwärme umgestellt werden können.
(Bild: www.christerholte.dk)
Rund 40 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen entstehen durch Wärmeerzeugung. Everllence setzt genau hier an und entwickelt Grosswärmepumpen, mit denen ganze Städte auf CO₂-neutrale Fernwärme umgestellt werden können. Dazu nutzt das Unternehmen Umweltwärme aus Meerwasser, Seen, Flüssen, Abwasser, Umgebungsluft oder Industrieprozessen. Ein integrierter Wassertank speichert überschüssige Wärme und stellt sie bedarfsgerecht zur Verfügung. So fungiert die Wärmepumpe nicht nur als Wärmelieferant, sondern auch als Energiespeicher. Das stabilisiert das Netz und erhöht die Effizienz.
Die Technologie von Everllence ermöglicht die gleichzeitige Produktion von Wärme und Kälte mit hoher Effizienz. In Esbjerg (DK) ersetzen zwei Grosswärmepumpen ein ganzes Kohlekraftwerk und versorgen so 25 000 Haushalte mit klimafreundlicher Fernwärme. Das spart jährlich rund 120 000 Tonnen CO₂.
Alt Bundesrätin Doris Leuthard, Vorsitzende der Jury: «Everllence zeigt, wie Schweizer Industrie die Dekarbonisierung vorantreiben kann – technologisch präzise und wirtschaftlich tragfähig. Genau solche Lösungen brauchen wir.»
(Bild: David Biedert)
Jurypräsidentin Doris Leuthard: «Everllence zeigt, wie Schweizer Industrie die Dekarbonisierung vorantreiben kann – technologisch präzise und wirtschaftlich tragfähig. Genau solche Lösungen brauchen wir.»
Entwickelt und produziert wird die Innovation in Zürich-West – mit 950 Mitarbeitenden und 220 Jahren Erfahrung am Schweizer Standort.
Oxyle entwickelt eine Lösung, die PFAS nicht nur aus dem Wasser entfernt, sondern dauerhaft abbaut – auch die besonders problematischen kurzkettigen Verbindungen.
(Bild: Oxyle)
Dr. Fajer Mushtaq ist in Delhi aufgewachsen, wo knappes und verschmutztes Wasser ihren Alltag prägten. Heute entwickelt die Mitgründerin und CEO von Oxyle mit ihrem 30-köpfigen Team die Lösung gegen eine der hartnäckigsten Wasserbelastungen weltweit: PFAS, auch bekannt als «ewige Chemikalien». Sie stecken in Alltagsprodukten wie Outdoor-Kleidung, Backpapier, Kosmetik oder Teflonpfannen. Über das Abwasser gelangen sie in die Umwelt, reichern sich in Böden, Gewässern und im menschlichen Körper an. Schon geringste Mengen können toxisch wirken – mit Folgen wie Krebs, Unfruchtbarkeit oder Störungen des Immun- und Hormonsystems. Aufgrund ihrer chemischen Eigenschaften gelten PFAS als besonders umweltschädlich. Auch in der Schweiz ist das Wasser stark mit PFAS belastet: Eine Studie der nationalen Grundwasserbeobachtung (NAQUA) aus dem Jahr 2021 wies PFAS in fast der Hälfte von über 500 untersuchten Grundwasser-Messstellen nach.
Oxyle entwickelt eine Lösung, die PFAS nicht nur aus dem Wasser entfernt, sondern dauerhaft abbaut – auch die besonders problematischen kurzkettigen Verbindungen. «Oxyle bringt Licht in eine unsichtbare Gefahr, die uns alle betrifft und zeigt eindrücklich, wie Schweizer Technologie zur Lösung globaler Umweltprobleme beitragen kann», sagt Doris Leuthard.
Innovative Solarmodule für Gewächshäuser ganz ohne Ernteverlust
Landwirt:innen mit Gewächshäusern stehen vor einem Dilemma: Sie müssen sich entscheiden, ob sie das Dach des Gewächshauses für die Energiegewinnung oder für Sonnenlicht zur Pflanzenzucht nutzen. Pflanzen benötigen jedoch nur einen Teil des Lichtspektrums für die Photosynthese. Genau hier setzt Voltiris an.
Das Scale-up Voltiris entwickelt Solarmodule, die das Licht spalten.
(Bild: Volitris)
Das Scale-up entwickelt Solarmodule, die das Licht spalten. Die speziellen Folien lassen den für das Pflanzenwachstum relevanten Anteil durch und wandeln den Rest in Solarstrom um. Die Technologie ermöglicht eine doppelte Nutzung der Fläche – für Ertrag und Energie – ohne Beeinträchtigung des Pflanzenwachstums. Die Module lassen sich in bestehende Gewächshäuser integrieren und bieten eine Lösung für eine besonders energieintensive Branche. So können Gewächshäuser ihren CO₂-Ausstoss mit den Solarmodulen von Voltiris um bis zu 95 Prozent senken.
Mitgründer und CEO Nicolas Weber und sein 24-köpfiges Team setzen die Technologie bereits im grossen Massstab um: Im Mai 2025 montierte Voltiris die erste Hektar-Installation bei Meier Gemüse in Rütihof (AG). In nur vier Wochen installierten sie rund 1800 Module, ohne dabei die Produktion zu unterbrechen.
Stand vom 30.10.2020
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«Die Technologie von Voltiris kombiniert landwirtschaftliche Produktion mit erneuerbarer Energie sinnvoll. Das ist ein starker Hebel auf dem Weg zu einer klimaneutralen Landwirtschaft», sagt Doris Leuthard über den Entscheid der Jury.
Finale
Das Finale des Green Business Award findet am 13. Februar 2026 bei Impact Gstaad statt. Die Finalisten präsentieren ihre Lösungen vor potenziellen Investor:innen und haben so die Möglichkeit, Wachstumsfinanzierungen zur internationalen Skalierung zu erhalten.