Seit über 50 Jahren erfolgreich in der Blechbearbeitung Effizienz und Qualität durch Automatisierung

Redakteur: Luca Meister

Seit über 50 Jahren produziert die Wirth+Co AG aus dem luzernischen Buchrain Blechkomponenten für die verschiedensten Branchen. Dank einem modernen Maschinenpark und einem visionären Management kann sich der Lohnfertiger trotz stetig wachsendem Kostendruck aus dem Ausland in der Schweiz behaupten. Das Rezept liegt im konstanten Streben nach Verbesserungen, im Einsatz von automatisierten Produktionsmethoden und in einem umfangreichen Dienstleistungsportfolio.

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(Bild: SMM)

2012 feierte die Wirth+Co AG ihr 50-Jahr-Jubiläum. Der Familienbetrieb in zweiter Generation verarbeitet pro Jahr 1400 Tonnen Blech und produziert zum Beispiel Baugruppen für Laborinstrumente, Verschalungen für Werkzeugmaschinen, Schweisskonstruktionen für Schienenfahrzeuge oder Chassis für Trolley- und Hybridbusse. Die Kompetenzen des Metall- und Anlagenbauers reichen von der Konstruktionsberatung über das Stanzen, Laserschneiden und Abkanten zu den üblichen Verfahren der mechanischen Bearbeitung bis zum Schweissen und der Endmontage ganzer Baugruppen. Ausserdem werden Oberflächen durch Nasslackieren, Pulverbeschichten und Edelstahlbeizen veredelt. Insgesamt hat der Systemlieferant im letzten Jahr eine Metallfläche von 315 000 Quadratmeter mit 73 Tonnen Pulverfarbe lackiert.

Trotz wachsendem Kostendruck aufgrund des Währungszerfalles respektive der Konkurrenz aus dem Ausland und strenger werdenden Vorschriften (z. B. für den Energieverbrauch) wird hier am Standort Schweiz erfolgreich Lohnfertigung betrieben. Thomas Wirth, Mitglied der Geschäftsleitung (Masch.-Ing. HTL), erklärt die aktuelle Situation: «Wenn man in diesem doch eher schwierigen Umfeld langfristig bestehen will, muss man investieren.» Im vergangenen Jahr wurden deshalb eine neue Schweisszelle, ein neues Biegecenter und ein neuer Abkantroboter in Betrieb genommen.

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Qualitativ hochwertig und just in time

Beim Rundgang durch die Werkhallen in Buchrain realisiert man schnell, dass hier über die ganze Prozesskette hinweg verschiedene Modernisierungsschritte umgesetzt wurden oder sich noch in Umsetzung befinden.

Nicht nur einzelne Produktionsprozesse werden der Automatisierung unterzogen, sondern auch der Materialfluss und die Logistik werden kontinuierlich verbessert. Das 220 Mitarbeiter beschäftigende Unternehmen ist dadurch in der Lage, Just-in-time-Fertigung komplett vormontierter Baugruppen zu vernünftigen Preisen anzubieten. Dabei muss die Qualität auf einem konstant hohen Niveau gehalten werden, wie Th. Wirth ergänzt: «Gute Produkte, in einwandfreier Qualität, in kurzer Zeit auf den Tag genau geliefert und das zu vernünftigen Preisen; das ist das Credo unserer Unternehmung.» Die Investition in automatisierte Prozesse hat nicht nur die Produktivität gesteigert, sondern im gleichen Zug zu einer Qualitätsverbesserung geführt.

Um Kundenprojekte bereits in der Entwicklungsphase zu unterstützen, entwerfen mehrere erfahrene Konstrukteure ausgeklügelte Blechkonstruktionen. Das breite Dienstleistungsangebot aus einer Hand lässt komplizierte Logistikprozesse oder Selektionsprozesse im Falle von Qualitätsproblemen entfallen.

Effizienter und genauer schweissen und abkanten

Dank dem neuen Motoman-Schweissroboter entsteht nun in der Auftragsabwicklung mehr Flexibilität. Automatisch eingelesene Schweissprogramme und ein Nullpunktspannsystem reduzieren die Rüstzeit massiv. Ganze oder gleich mehrere Aufträge zusammen können vom Palettenbahnhof rasch eingescannt und speditiv abgearbeitet werden.

Dadurch wird die Wiederholgenauigkeit erhöht und die Fehlerwahrscheinlichkeit reduziert, die beim Handschweissen nie vollständig zu eliminieren ist. Th. Wirth zur neuen Schweisszelle: «Unser Ziel ist, grössere Baugruppen bis zu Losgrösse 1 zu fertigen und gleichzeitig wirtschaftlich zu bleiben.»

Auch bei den Biegeprozessen hat man in Buchrain vor Kurzem an Effizienz gewonnen: Durch die Investition in ein Biegecenter von Codatto (das Unternehmen gehört zu Trumpf) reduzieren sich sowohl die Rüst- als auch Biegezeiten massiv. Die sich selber einrichtende Anlage kommt für ein spezielles Teilespektrum zum Einsatz; u. a. Bleche bis zu drei Meter Breite können darauf gebogen werden.

In Eigenregie entwickelter Abkantroboter

Schliesslich werden die vollzogenen Automatisierungsmassnahmen durch einen in Eigenregie bzw. in Zusammenarbeit mit einem Spezialisten für Handling-Roboter entwickelten Abkantroboter abgerundet. Dieser kommt jeweils dann zum Einsatz, wenn die Tagesschicht zu Ende ist. Bevor das Werkstattpersonal in den Feierabend geht, wird der Roboter an eine (durch den Tag mannbetriebene) Abkantpresse «gedockt». Durch die Nacht biegt er vorerst einfache oder kleine Teile und entlastet damit das Personal von eintönigen Arbeiten. Künftig wird der Roboter vermutlich auch für das Bestücken von Fräsmaschinen eingesetzt werden.

Weiteres Potenzial

Mit diesen drei Investitionen ist die Wirth+Co AG gewappnet für die nahe Zukunft. Es stehen aber noch weitere Modernisierungsmassnahmen auf dem Programm. Th. Wirth blickt voraus: «Bei der Teilelackierung sehe ich ebenfalls Automatisierungspotenzial. Meine Vision ist, dass ein Roboter die Teile mit einem optischen Erkennungssystem identifiziert und selber beschichtet. Zuvor definiert der Bediener den Spritzvorgang, der Roboter merkt sich die 3D-Bewegungen und vollzieht sie dann im Alleingang.»

In den nächsten beiden Jahren wird ausserdem ein neues Lackierwerk gebaut, das 30 Prozent weniger Energie verbrauchen soll. Nach diesem nächsten grösseren Modernisierungsschritt soll die Prozessenergie mehrfach verwertet werden bzw. die Abwärme genutzt werden. Th. Wirth fasst zusammen: «Man darf sich keine Minute zurücklehnen und denken, man sei jetzt gut unterwegs.» Permanente Optimierung und Rationalisierung werden beim geschäftsleitenden Maschinen-Ingenieur grossgeschrieben. <<

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